Was ist das Ziel des Rathausumbaus?

Bei dem Goslarer Rathaus handelt es sich ganz sicher nicht um „irgendein“ Rathaus. 


Das Goslarer Rathaus ist bautypologisch exemplarisch für den norddeutschen Rathausbau des 15. und 16. Jahrhunderts. Es handelt sich dabei um meist zweigeschossige Saalbauten mit offenen Arkaden/Lauben im Erdgeschoss. Das Goslarer Rathaus zeichnet sich dadurch aus, dass die typischen Raumstrukturen und Ausstattungen dieser Zeit noch erhalten bzw. nachweisbar sind und - als ein Ziel des Umbaus – auch verstärkt im Sinne für Besucher erlebbar gemacht werden sollen. 

Was also ist das Ziel des Umbaus?

Sanierung! Nutzung! - bei allem: Eine gesicherte Finanzierung!!


 Ein Denkmal erhält man durch Nutzung. So einfach?!. Deshalb habe ich – neben Sanierungs- und Finanzierungsfragen – stets auch Nutzungsfragen gestellt. Durch die Umnutzung des Rathauses in ein „Welterbe – Info – Zentrum“ wird die Nachnutzung des aktuell leer stehenden denkmalgeschützten Gebäudes sichergestellt. 

 Die Zusammenlegung von Tourist-Info und Welterbeinfozentrum stärkt die touristische Infrastruktur im Stadtzentrum. Die organisatorische Verbindung von Tourist-Info und Welterbeinfozentrum schafft Vorteile und wichtige Verbesserungen. Zum einen können wir über die Tourist-Info die soziale Kontrolle der Ausstellung mitorganiseren, so ist kein eigenes Personal für die Welterbeausstellung notwendig); zum anderen rücken Weltkulturerbe und Tourismusmarketing auch räumlich zusammen und erleichtern in Zukunft sicher auch die inhaltliche Kooperation. Hier haben wir aktuell ganz sicher einen Schwachpunkt in der Stadt. 

 Ein dezentrales Welterbeinfozentrum im Rathaus spricht die Besuchermengen am Marktplatz an und fördert das Interesse, das weit verzweigte Harzer Welterbe zu besuchen. Davon kann der Harz als Region wirtschaftlich profitieren („Verteilerwirkung“). Allerdings kann dies nur gelingen, wenn die Ausstellung genügend Anreize für einen tatsächlichen Besuch der Region gibt. Durch eine Ausstellung zum Harzer Welterbe im historischen Rathaus wird der wirtschaftliche und kulturelle Zusammenhang in der ehemaligen Bergbauregion Harz deutlich und der regionale Zusammenhalt gestärkt. 

 Aber auch städtebaulich ein Gewinn für die Stadt Goslar selbst: Der kulturelle Mittelpunkt mit Rathaus und Marktkirche wird städtebaulich und funktional betont. Durch die Aufwertung der Rathausrückseite werden neue Bezüge zur Marktkirche geschaffen, wobei die Hauptausrichtung des Gebäudes zum Marktplatz jedoch erhalten bleibt. Die unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten festgelegte Erschließung und Nutzung der Räume reduziert die Eingriffe in die Bausubstanz und erhält das äußere Erscheinungsbild des historischen Rathauses. Räume mit denkmalpflegerisch wertvollen Befunden bleiben unangetastet und dienen als „Fenster in die Geschichte“. Ein Parcours durch die historischen Räume des Rathauses soll dem Besucher die Geschichte des Gebäudes veranschaulichen. Die Diele bleibt für Ratssitzungen erhalten und stellt die zentrale Nutzung im Hauptbau dar. Damit soll die historische Funktion im urbanen Kontext erhalten bleiben.

Oliver JunkGoslar, Rathaus