Verkehr darf nicht von "VERKEHRT” kommen

- EIN ZWISCHENRUF - 

Goslar hat viele gute Chancen, und ich bin überzeugt davon dass Goslar gegenüber den Großstädten gewinnen wird. Das echte, wahre, glückliche und gute Leben findet eben nicht in den Metropolen statt, sondern in der Provinz, im ländlichen Raum.  Gemeint ist der ländliche Raum, also die Summe der Gegen-den in der mehr als 55 Millionen Deutsche leben: auf dem Land, eben abseits der Metropolen. 

Meine These lautet: Goslar gewinnt, die Großstädte verlieren. Dort hat man nur noch nicht begriffen, dass der Trend schon längst gegen sie läuft. Die Menschen suchen nicht die Städte, die sich immer schneller drehen, in denen Wohnraum kaum noch bezahlbar ist, mit wirkungslosen Mietpreisbremsen dem verschlafenen sozialen Wohnungsbau entgegengewirkt wird, in denen mehr Zeit im Stau als in Familien verbracht wird, in denen man sich nicht umeinander kümmern kann. 

Suchen wir nicht eigentlich gerade deshalb, weil wirtschaftliche Tätigkeiten und berufliche Aktivitäten immer weitere und größere Räume benötigen, die kleine Zelle, den kleinen Raum, die Stadt, in der wir uns zu Hause fühlen und ein Ge-fühl der Zusammengehörigkeit entwickeln können? Und dabei werden wir in Goslar Menschen gewinnen, die hier arbeiten - denn wir sind in der glücklichen Lage neben dem Doppel – T, Tagung und Tourismus, auch Wirtschaftsunter-nehmen, Handwerks- und Handelsbetriebe in unserer Mitte zu haben, die sozusagen mit Kraft und Saft das Existenzfun-dament für die Menschen in unserer Stadt und für die Stadt selbst bilden. Und wir werden Menschen gewinnen, die in anderen Städten arbeiten: Und zwar deshalb, weil wir Wohnquartiere in Goslar vielfältig aufwerten und entwickeln. Und ferner deshalb, weil der Ihnen bekannte Satz heute so nicht mehr stimmt: „Wo die Arbeit ist, da ist auch der Lebensmittelpunkt!“ – Folgt das Wohnen der Arbeit, oder ist es im Zeitalter von schnellen – bald automatisierten - Autos auf gut ausgebauten Straßen, schnellen Datenverbindungen, schnellen Zügen nicht so, dass viel öfter die Arbeit dem Wohnen folgt? Ich denke, dass dieses Thema in Zukunft noch mehr an Kraft gewinnt. 

Tatsache ist aber auch: Ohne vernünftige Verkehrsinfrastruktur keine vernünftige Entwicklung. Die grenzenlosen, wohl auch verwirrenden vielfältigen medialen Kommunikationswege - so unersetzlich sie heute auch sein mögen – können eines nicht ersetzen: nämlich die direkten, die kurzen, die realen und regionalen Wege. 

 Und dabei rede ich hier in Goslar nicht über die A39 für die LKW´s, die Weddeler Schleife für die Bahn und den Stichkanal Salzgitter für die Schiffe – alles wichtige Infrastrukturprojekte für Niedersachsen, aber wo bleibt der Harz? 

Hier könnten mit wenigen Kilometern Straße große Verbindungen ge-schaffen werden. So wird beispielsweise die Bundesstraße 6 derzeit im Osten vom Anschluss der A14 zum Anschluss A9 weitergebaut, während hier vor Ort ein Weiterbau zur A7 nicht vorgesehen ist. Die vierspurige „Harzautobahn“ versiegt damit im Goslarer Stadtgebiet und schafft eben keine Verbindungen. Und es gerät dabei leider aus dem Blick, dass die B82 – die völlig unzulängliche Verbindung von Goslar nach Seesen/Rüden zur BAB 7 ein echter Mangel für unsere Stadt ist. Wir brauchen direkte Anbindungen, um von hier nach dort zu kommen. Und von dort nach hier. Für die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Kultur ist dies unerlässlich. Nicht der Bessere ist heute im Wettbewerb der Sieger, sondern der Schnellere, dies ist längst schon Leitsatz der Wirtschaft geworden. Und da dürfen Straßen und Autobahnen nicht vorbeiführen. Und da ist es auch nicht sonderlich lustig, wenn der Volksmund Autobahn- und Straßenbaustellen als Buddelplatz für Bauunternehmen bezeichnet oder als Abstellplatz überflüssiger Bauschilder aus dem dortigen, nahen Autobahndepot. 

Lebensadern sind ebenso auch die Schienenwege. 

Wir brauchen einen dichten Fahrzyklus der Bahn nach Goslar. 

Es folgt der Auszug meiner Rede im Rahmen des 54. Deutschen Verkehrsgerichtstages mit der Ansprache an Bahnchef Dr. Grube:

“Sehr geehrter Herr Dr. Grube, ich bin froh und dankbar, dass Sie heute bei uns sind. Und in Ihr offenes Ohr würde ich gerne Goslars Wunsch hörbar flüstern: Sagen Sie ja zu frequenterer überregionaler Bahnanbindung - dann verschonen wir Sie auch mit einer Goslarer Forderung nach einem ICE-Anschluss… “