Rede Feierstunde 25 Jahre Deutsche Einheit auf dem Brocken

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT Begrüßung (…..) meine Damen und Herren, was bedeutet 25 Jahre Deutsche Einheit für Sie? 


 Jeder von Ihnen verbindet damit ganz eigene, persönliche, ganz eigene emotionale Erinnerungen. Und jeder von Ihnen könnte mir seine ganz eigene Geschichte erzählen. Und nun nach über einer Generation im vereinten Vaterland, in unserer wiedervereinigten Heimat, dem Harz, übernehmen Menschen gesellschaftliche und politische Verantwortung, die schon aufgrund ihres Lebensalters vor 25 Jahren nicht verantwortlich den Wiedervereinigungsprozess mitgestaltet haben, vielleicht auch deutlich weniger emotionale Erinnerungen und Verbindungen haben. Dazu gehöre auch ich, Jahrgang 1976. Was heißt das für uns? Was heißt das für den Harzklub? Nun, meine Damen und Herren, das bedeutet insbesondere, dass unsere traditionelle Veranstaltung heute, auch am 03.12., in Zukunft noch wichtiger werden. Denn diese Tage dienen der Erinnerung, der Mahnung, an Teilung und Wiedervereinigung. Denn die wiedergewonnene Freiheit und Einheit vor 25 Jahren bedeutet für uns natürlich Glück und Freude, Freiheit – sie bedeutet aber auch Verantwortung. Der Harzklub hat diese nach der Öffnung des Brockens am 03.12.1989 übernommen. Die Gründung von Zweigvereinen im Ostharz, die im gesamten Harz mitwirken, waren ganz starker Ausdruck der wiedergewonnen Freiheit und gleichzeitig der Wille nach Gestaltung von Heimat Und dieser Gestaltungsprozess für den Harz hört doch nicht auf. Im frühen Mittelalter wandelte sich der Harz in eine der ersten Industriekulturlandschaften Europas. Im Harz gab es seit dieser Zeit nicht nur gemeinsame geologische und klimatische Besonderheiten, sondern auch eine gemeinsame Prägung des Harzes durch die Menschen, insbesondere verbunden durch Auf- und Abschwung des Bergbaus und den Fremdenverkehr. Bis 1945 - über Jahrhunderte - also eine gemeinsame Entwicklung im Harz, die dann jäh unterbrochen wurde: Landschaften und Orte im Harz, die in ihrer natürlichen und kulturellen Prägung zusammengehören waren über Jahrzehnte durch 75 km Todesstreifen zwischen Ilsenburg und Walkenried getrennt. Mit der Deutschen Wiedervereinigung sind wir wieder in die Mitte gerückt und über 25 Jahre zusammengewachsen und im Gegensatz zu vielen Kirchturmdenkern in Rathäusern der Harzgemeinden hat der Harzklub dabei stets einen wichtigen, dynamischen intensiven Beitrag geleistet, für EINEN Harz und nicht für Ostharz oder Westharz, Nordharz oder Südharz. Es gibt nur EINEN Harz meine Damen und Herren! Die Harz hat sich in den vergangenen 25 Jahren verändert, so wie sich der Brocken auch verändert hat in diesen 25 Jahren: Ich erinnere an: - Wiederinbetriebnahme der Brockenbahn - Abzug der russischen Soldaten - Inwertsetzung des Brockengartens mit seiner 125 jährigen Geschichte - Renaturierung des Brockenplateaus - Rückbau der Brockenmauer - Neuanlage des Goethe-Weges - Umbau des Bahnhofes - Einrichtung der Brockengastronomie mit Hotel - Umwandlung des STASI-Gebäudes zu einem Museum mit der Präsentation der Brockengeschichte und Natur Der wiedervereinigte Harz ist im Hinblick auf Tourismusvermarktung, Errichtung eines gemeinsamen wirtschaftlichen Verflechtungsraum, länderübergreifenden Nationalpark – um nur drei Beispiele zu nennen – positiven Veränderungsprozessen ausgesetzt gewesen. Ich bin dafür sehr dankbar, vor allem den Menschen, die daran engagiert mitgearbeitet haben und ich darf ganz selbstbewusst sagen: Die vielen tausend Mitglieder des Harzklubs haben dazu immer gehört. Meine Damen und Herren, 25 Jahre Einheit ist nicht nur der richtige Zeitpunkt für Freude und Dankbarkeit, sondern auch Anlass dafür, die nächsten Etappen anzugehen, sich neue Ziele zu setzen. Wir müssen das auch, schließlich ist der Harz viel stärker betroffen als andere Regionen von wirtschaftlichem Strukturwandel und demographischen Veränderungen. Der Brocken ist dafür der richtige Ort, denn hier wurde seit 1990 auch immer politisch diskutiert und weiterentwickelt. Ich darf zum Beispiel erinnern an die Brockenstammtische, die der Brockenwirt seit 1991 durchführt. Hier auf dem Brocken wird das gemeinsame des Harzes sichtbarer als an jeder anderen Stelle. Liebe Wanderfreunde, lasst uns für unsere Heimat weiter arbeiten. Diese Heimat, unser Harz, wird im Zeitalter der Globalisierung immer wichtiger. Wir spüren doch gerade mit Blick auf den VW-Skandal, dass wirtschaftliche Tätigkeiten immer weitere Räume benötigen und dabei Bodenhaftung verlieren. Wir benötigen doch deshalb gerade die kleineren Räume, in denen wir uns zu Hause fühlen und ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln können. Heimat: Ort der Erinnerung, des Innehaltens, des Beharrens – dieses Gefühl kann doch nirgendwo größer und stärker sein als hier auf dem Brocken, dem Berg, der bis zum 03.12.1989 weder vom Osten noch vom Westen zugänglich war und der die Sehnsucht, die Hoffnung auf Wiedervereinigung über Jahrzehnte so markant zum Ausdruck gebracht hat. Meine Damen und Herren, liebe Wanderfreunde, „Brücken schlagen und nicht das Trennende pflegen, darin liegt unsere Verantwortung!“ hat Michael Ermrich vor fünf Jahren hier auf dem Brocken gesagt. Daran lasst uns weiterarbeiten und selbstbewusst sein, dass wir Harzer nicht aus Magdeburg, nicht aus Hannover und nicht aus Erfurt die Botschaften benötigen, was für den Harz gut und richtig ist. Das wissen wir schon selbst vor Ort am besten Entscheidend dabei ist nur, dass wir die Verantwortung dafür auch gemeinsam wahrnehmen. Der Harz hat nur dann die Kraft dafür, wenn der gesamte Harz in drei Ländern und fünf Landkreises nicht nur an einem Strang und dabei auch in eine Richtung zieht. Der Harzklub wird genau dafür weiter arbeiten! (….) Lassen Sie mich zum Abschluss meiner kleinen Rede Franz-Josef-Strauß zitieren: mutig vorwärts, gläubig aufwärts, dankbar rückwärts, (….)

Oliver JunkHarzklub, Reden