Paul-Lincke-Ring 2015

Auszüge aus der Rede im Rahmen der Preisverleihung am 03.07.2015:

„Es schwinden jedes Kummers Falten, so lang des Liedes Zauber walten.“ Mit diesen Worten von Friedrich Schiller begrüße ich Sie alle sehr herzlich hier im Kurhaus Hahnenklee. 


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Es ist die Musik, die uns hier zusammenbringt: Zum 30. Mal wird in Hahnenklee der Paul-Lincke-Ring verliehen. Begrüßen Sie mit mir sehr herzlich - die Hauptperson des heutigen Ta-ges, den Paul-Lincke-Ring-Preisträger 2015 – Clueso. Sehr geehrter, lieber Thomas Hübner, lieber Clueso, ich freue mich sehr, dass Sie heute hierher zu uns nach Hahnenklee gekommen sind, um diese Auszeichnung entgegen zu nehmen! In meinen Willkommensgruß schließe ich Ihren Manager Andreas Welskop und Ihr Team mit ein. Vor 60 Jahren, 1955, vergab die Kurortgemeinde Hahnenklee-Bockswiese, die seit 1972 zur Stadt Goslar gehört, zum ersten Mal den Ring zum Gedächtnis an den Komponisten Paul Lincke. Seitdem wird er alle zwei Jahre verliehen. Der in Berlin geborene und lebende Paul Lincke hatte die letzten Monate seines Lebens in Hahnen-klee verbracht und 1946 auf dem Waldfriedhof seine letzte Ruhestätte gefunden. 


 Sehr herzlich begrüße ich Familie Gruner stellvertretend für die gesamte Familie bzw. die Nachkommen Paul Linckes. Mit dem Paul-Lincke-Ring wollen wir das Andenken an den Komponisten wachhalten und einen Beitrag zur Förderung der deutschen Unterhal-tungsmusik leisten. Unterhaltungsmusik - nach dem offiziellen Sprachgebrauch der GEMA ist das eine Branchenbezeichnung für Café-, Tanzflächen- und Schlagermusik. Und in der Tat geht der Paul-Lincke-Ring an Personen, die sich, wie es in den Grundsätzen heißt, „in Komposition, Textdichtung und Interpretation von Unterhaltungs- und Tanzmusik sowie heiteren musikalischen Bühnenwerken ausgezeichnet haben“. Zu den Preisträgern gehören u.a. Udo Jürgens, Peter Maffay, Udo Lin-denberg, Max Raabe, „Die Fantastischen Vier“ und Annette Humpe. Zuletzt erhielt „Silbermond“ den Ring. In diese lange Liste großer Namen reiht sich nun Clueso ein. Und Sie tun das gern, so lautete Ihr Kommentar Anfang des Jahres nach der Be-kanntgabe, „Sie fühlen sich in guter Gesellschaft.“ Abwechslungsreiche Musik gepaart mit geistreichen deutschen Songtex-ten. Dafür steht Clueso laut der Jury-Begründung. Unser heutiger Laudator, Dr. Alan Bern - herzlich Willkommen auch Ihnen - wird uns den Künstler und sein Werk später noch ausführlich vorstellen. Vielen Dank schon mal vorab. Sehr geehrter Herr Dr. Bern, Sie sind gestern mit dem Flugzeug auf dem Schäferstuhl gelandet und müssen heute Abend noch weiter nach Leipzig zu einem Konzert. Es freut mich daher besonders, dass Sie für die Laudatio zu uns nach Hahnenklee gekommen sind und ich denke, angesichts Ihrer Verbindung, Ihrer musikalischen Freundschaft zu Clueso dürfen wir uns auf eine sehr persönliche Laudatio freuen. 


 Lieber Clueso, Sie haben im Januar erklärt, dass der Paul-Lincke-Ring zeige, dass Go-slar mit Paul Lincke nicht nur Operette verbindet, sondern Innovation, Erfindergeist, kulturelle Vielfalt und musikalische Offenheit. Und dass Sie hoffen, dass dieser Preis ein Impuls für die Region abseits großer Medienstädte ist. Ich finde Ihren Gedanken sehr wichtig, denn diese Hoffnung teilen wir hier natürlich. In der Tat ist es für Goslar, für die Region schwierig, nam-hafte bekannte Gruppen und Künstler hierherzuholen, um unseren Ju-gendlichen und natürlich auch den Junggebliebenen Konzerterlebnisse vor der Haustür bieten zu können. Der Auftritt von Silbermond in der Kaiserpfalz bei der letzten Lincke-Ring-Verleihung ist nun auch schon zwei Jahre her. Johannes Oerding war zum Tag der Niedersachsen da. Eine Neuauflage der legendären Kaiserpfalz-Open-Airs – zuletzt Rosenstolz 2007 - ließ sich bislang leider nicht realisieren. Wir bleiben da aber am Ball. Vielversprechend war auf jeden Fall der Auftakt der neuen Miner´s Rock-Konzerte am Rammelsberg. Die Karten für Jan Josef Liefers mit seiner Band waren innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft, was zeigt, wie groß hier das Bedürfnis nach solchen Veranstaltungen ist. Und eventuell, lieber Clueso, kommen Sie mit Ihrer Band ja auch für ein solches Konzert, das sich übrigens auch als Open-Air organisieren ließe, gern noch einmal zurück nach Goslar.


Goslar ist eine Welterbestadt mit über 1.000-jähriger Geschichte voller Tradition und Historie. Deshalb sind wir aber noch lange kein Museum und stülpen uns keine Käseglocke über. Wir dürfen es nicht versäumen, den Menschen – und gerade auch den jungen Menschen - , die hier leben, Angebote zu machen, damit wir als Stadt weiterhin attraktiv bleiben. Konzerte, Theater, Museen – Das Leben in der Stadt ist eng verknüpft mit Kultur. Kultur hat eine enorme Bedeutung für die Identität, für die Strahlkraft einer Stadt und ist damit auch ein Wirtschaftsfaktor. Kultur ist daher in Goslar nicht nur ein unverzichtbares Handlungsfeld, sondern auch eine wichtige kommunale Gestaltungsaufgabe. In Zeiten knapper Haushalte sind Kommunen heute dabei leider immer mehr auf private Initiativen angewiesen und Kultur geht oft nur mit eh-renamtlich Engagierten. Dieses Engagement ist in Goslar zweifellos vor-handen. Stellvertretend für alle, die sich für ein breites Kulturangebot in Goslar einsetzen, gehen mein herzlicher Dank und Gruß an den Paul-Lincke-Ring Freundeskreis mit ihrer Vorsitzenden Almuth Arendts für ihr organisatorisches und finanzielles Engagement um den Paul-Lincke-Ring. Die Musikbranche ist schnelllebig. Aus diesem Grund sollte auch ein Musikpreis wie der Paul-Lincke-Ring aktuell sein. Ein zweijähriger Preis-verleihungsrhythmus erscheint daher nicht mehr sinnvoll. Um die erfor-derliche Akzeptanz und Aktualität des Preises zu gewährleisten und um der Medienlandschaft die nötige Planungssicherheit zu geben, sollte der Preis – auch auf Empfehlung der Fachjuroren - künftig im Jahresrhythmus vergeben werden. Hinzu kommt, dass der Preis in der Musikbranche durchaus bekannter sein könnte. Eine jährliche Verleihung dürfte sich auch positiv auf Öffentlichkeitsarbeit und Bekanntheitsgrad auswirken. Die Gespräche mit Sponsoren sind auf einem guten Weg und ich werde dem Rat nach der Sommerpause einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen.

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 Meine sehr verehrten Damen und Herren! Egal welchen Radiosender man einschaltet, es kommen deutsche Lieder auf jeder Welle. Das war nicht immer so: Noch vor einigen Jahren musi-zierten Bands aus Deutschland lieber auf Englisch, weil deutsche Musik als problematisch und altmodisch galt. Das hat sich zum Glück längst geändert. Die deutsche Musik boomt. Inzwischen sind über 30% aller Musikproduktionen in Deutschland deutschsprachig und es gibt gute deutsche Musik, die so gar nichts mit Heimatklängen oder verstaubten Liederbüchern zu tun hat. Und im übrigen hat sich auch das Verständnis von „Heimat“ mittlerweile gewandelt. Es ist noch nicht lange her, da war das “Heidi” oder der “Der Förster vom Silberwald”. Heimat war angestaubt. Heute wird das anders bewertet. Überall begegnet einem dieser Begriff, sogar bei einem Koch-buch von Tim Mälzer… Das gilt auch für die sprachliche Heimat, “Lurens, sachens, hörens un opjepaas!” (“Schauen Sie mal, sagen Sie mal, hören Sie mal und aufgepasst!”) Kein Wort verstanden ohne die Übersetzung? Dann haben Sie einen neuen Trend verpasst: Dialekte sind nicht länger verpönt als Ausdruck von Ungebildetheit. Regionale, deutsche Mundarten sind wieder hoch im Kurs. Ebenso gewinnt „Heimat“ mit Blick auf die zeitgenössische Literatur an Bedeutung. Sie alle kennen die regionalen Anbindungen in aktuellen Krimis, z. B. bei Kommissar Kluftinger aus dem Allgäu oder seiner Kolle-gin Pia Kirchhof im Rhein-Main-Gebiet. Zusammengefasst heißt das: Kunst ist ein verlässlicher Seismograph für gesellschaftliche Änderungen. Und sie zeigt ganz deutlich: Es ist nicht mehr uncool, kein Kosmopolit zu sein und seine Stadt, sein Land zu mö-gen. Der Wert von Heimat ist gestiegen. Dazu passt, dass man auch wieder deutsch singt, die eigene Sprache für aktuelle Musik taugt. Deshalb liegen wir mit unserem Paul-Lincke-Ring im Trend, wir sind gewissermaßen sogar Trendsetter. Und wenn wir den Preis demnächst vielleicht auch jährlich verleihen, können wir diesen Trend aufgreifen und zeigen: Goslar und Hahnenklee sind auf der Höhe der Zeit! Dabei kann ich mir vorstellen, dass es durchaus schwieriger ist, anspruchsvolle deutsche Liedtexte zu schreiben als auf englisch zu singen. Nicht umsonst heißt es „Deutsche Sprache, schwere Sprache“ – Deutsch ist hart und holprig. Außerdem kommt erschwerend hinzu, dass der Inhalt hierzulande von allen verstanden wird und die Texte ungefiltert in das Bewusstsein drin-gen. Manchmal sträuben sich einem doch die Haare, wenn man sich das eine oder andere englische Lied übersetzt. Oder käme ernsthaft ein deutscher Künstler auf die Idee, einen Songtext über einen Bäcker, der Brot backt, zu verfassen. Oder über einen Regenschirm, unter dem jemand stehen soll? Oder über einen gelben Zitronenbaum? Da ist es doch beruhigend, dass Sie, lieber Clueso, einmal gesagt haben, sie würden sich schon viele Gedanken darüber machen, was Sie schreiben. Besonders, wenn man wisse, dass sich Leute Liedertexte mitunter tätowieren… Mir persönlich ist und hat Ihr kreativer Umgang mit unserer Sprache, das Jonglieren mit den Wörtern am meisten bei Ihrem Lied „Gewinner“ auf- und gefallen. „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.“, so urteilte E.T.A. Hoffmann. Mit Clueso und mit dem Paul-Lincke-Ring können wir zeigen, dass bei-des sehr gut miteinander funktioniert! Jetzt will ich aber nicht weiter unserem Laudator Dr. Alan Bern vorgreifen, der uns gleich vermitteln wird, was Sie und Ihr Werk auszeichnet. Ich darf Sie, sehr geehrter, lieber Clueso, nun zu mir bitten, damit ich Ihnen den Paul-Lincke-Ring des Jahres 2015 und die Urkunde überge-ben kann. Die Urkunde hat folgenden Wortlaut: Die Stadt Goslar verleiht dem Sänger, Songwriter und Produzenten Clueso in Würdigung seines Schaffens zur Wahrung des Andenkens an Paul Lincke und zur Förderung der Deutschen Unterhaltungsmusik den Paul-Lincke-Ring für das Jahr 2015 Goslar, 3. Juli 2015 Dr. Oliver Junk Oberbürgermeister Stadt Goslar Meinen herzlichen Glückwunsch!