Interview zur Homo-Ehe

Auch Bürgermeister sind nach einer Schulung berechtigt, Trauungen vorzunehmen. Ich habe mir diese Möglichkeit geschaffen und während meiner Amtszeit bisher drei Trauungen durchgeführt. Getraut habe ich zuerst im Jahr 2012 ein homosexuelles Paar, damals noch mit CSU-Parteibuch. Deshalb erreichten mich heute Fragen der Goslarschen Zeitung:

Was halten Sie von der klaren Entscheidung der überwiegend katholischen Iren für gleichgestellte homosexuelle Ehen?

Ich möchte mal in einer früheren englischen Schlagzeile formulieren: „Nebel im Ärmelkanal. Kontinent abgeschnitten!“ Mir scheint tatsächlich, dass der Kontinent hier von der richtigen Entscheidung der irischen Insel abgeschnitten ist. Deutschland ist dabei zwar glücklicherweise schon weiter als einige Parlamente in Osteuropa, aber wir sind noch lange nicht angekommen in der Lebenswirklichkeit: „Familie ist da, wo Kinder sind“.

Kennen Sie andere Ihrer Parteimitglieder, die diese Entwicklung unterstützen? Ist das tatsächlich aktuell immer noch die Minderheit?

Natürlich gibt es in der Union auch positive Stimmen. Nehmen Sie z. B. die stellv. Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Nadine Schön. Die Union sollte sich weiter öffnen, sonst ist nicht unsere Auffassung zu Ehefragen in der Minderheit, sondern auf lange Sicht die Union selbst.

Wie stehen Sie zum vollen Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher verheirateter Paare (bislang “eingetragene Lebenspartner”)?

Hier geht es doch zu allererst um den Umgang und das „Kümmern“ um die Kinder. Ich bin überzeugt davon, dass Frauen und Männer mit einem Kinderwunsch alles tun werden, was unseren Kindern nutzt und alles unterlassen, was ihnen schadet. Und – diese Zuspitzung sei mir gestattet – wenn es in Deutschland niemanden stört, dass Menschen im Rentenalter Vierlinge bekommen, dann sollten wir nicht gleichgeschlechtliche Paare weiter bevormunden.

Oliver JunkHomo-Ehe