Unsere Stadtgesellschaft

Schon vergessen? Vor gut einem Jahr hat es uns richtig erwischt in Goslar. Eine gewaltige Naturkatastrophe: Hochwasser in einem bis dahin nicht für möglich gehaltenen Ausmaß hatte uns heimgesucht. Das waren ganz bittere Stunden und Tage für viele betroffene Menschen in der Stadt. Da war nicht “nur” ein wenig Wasser im Keller, sondern es wurden ganze Häuser für viele Monate unbewohnbar. Massive Schäden in der Stadt! Über 1.000 Einsatzkräfte aus den Rettungsdiensten und der Feuerwehren im Einsatz! 

Und deutlich wurde uns vor Augen geführt, dass uns die Natur deutliche Grenzen aufzeigt. Und ferner wurde uns deutlich vor Augen geführt, dass der Klimawandel nicht wegzudiskutieren ist.

Aber es waren nicht nur traurige Tage. Die Stadt, die Stadtgesellschaft, hat eine ganz positive, eine gute Seite gezeigt. Wir haben zusammengestanden, uns geholfen, untergehakt. Ich war und bin stolz auf die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger, die in diesen Stunden und Tagen gezeigt haben, was sie gemeinsam können. Meine #Herzenssache in dieser Woche! 

Bild oben: Der Moritz-von-Sachsen Platz wurde bisher nur notdürftig repariert. Wir arbeiten aktuell an einem Konzept, wie der Moritz-von-Sachsen Platz in Zukunft eine Funktion für die Hochwasserschutz übernehmen kann.

Bild oben: So sahen die Schäden vor einem Jahr am Trollmönch aus.

Bild Oben: Hans Joachim Tessner begutachtet seine “Herzenssache” - die Erinnerungstafel an der Abzucht.

Gemeinsam anpacken, gemeinsam aufräumen, gemeinsam reparieren und gemeinsam wieder aufbauen. Das war Team-Arbeit in Goslar.

Und verweisen möchte ich auf einen großartigen Abend wenige Wochen nach der Katastrophe: Eine richtig schöne Veranstaltung am Trollmönch wurde organisiert. Die Betroffenen an der Abzucht hatten zu einem Straßenfest eingeladen, um sich bei den Helfern zu bedanken. Ein Dankeschönfest von Menschen, die noch dabei waren, den Schlamm aus ihren Wohnzimmern zu schaufeln. Ein Dankeschönfest von Menschen, die bei Freunden Quartier bezogen hatten, weil ihre Häuser an der Abzucht unbewohnbar waren. Ein guter Geist, eine gute Stimmung war das an diesem Abend.

Im Herbst des vergangenen Jahres waren wir dann im Kreis der Hans-Joachim-Tessner-Stiftung zusammen und haben gemeinsam überlegt, wer denn den Ehrenamtspreis der Hans-Joachim-Tessner Stiftung für das 2018 erhalten solle. Schnell waren wir in der Jury beim Thema Hochwasserhelfer, aber fast genauso schnell waren wir uns auch darüber einig, dass es extrem schwierig - ja wohl auch falsch - wäre, den Versuch zu starten, einzelne Helferinnen und Helfer besonders herauszustellen und zu würdigen. Jede helfende Hand war eben notwendig und wichtig.

Und deshalb wurde die Idee entwickelt, ein gemeinsames kleines Fest für die Helfer und Anwohner an der Abzucht auf dem Moritz-von-Sachsen-Platz zu organisieren, um damit Danke fürs Anpacken zu sagen, aber auch weiterhin Zusammenhalt und Gemeinsamkeit, Nachbarschaft zu stärken. 

Ich war froh über die Entscheidung der Jury. Und ich war am vergangenen Montag wirklich glücklich darüber, dass wir im entspannten großen Kreis auf dem Moritz-von-Sachsen-Platz zusammenkommen konnten. 

Und vielleicht wurde ja im vergangenen Jahr durch das Straßenfest auch eine Tradition begründet. Nächstes Jahr? Wieder ein Straßenfest? Warum denn nicht……

Ein besonderer Wunsch, eine “Herzenssache”, von Hans-Joachim-Tessner selbst war es, auch eine Gedenktafel - eine Erinnerung - an diese Jahrhundertflut an der Abzucht zu installieren, damit eben nicht vergessen wird, welche Jahrhundertflut uns in Goslar getroffen hat; damit aber auch nicht vergessen wird, wie die Stadt zusammengestanden hat. Und ich bin schon der Meinung, dass wir einen treffenden Text entwickelt haben, der jetzt jeden Tag am Moritz von Sachsen-Platz  zu lesen ist.

Bild oben: Die Erinnerungstafel wurde im Format der “Wallanlagen-Informationstafeln” gestaltet. Der Text wurde gemeinsam von der Hans-Joachim-Tessner Stiftung und der Stadt Goslar entwickelt.