Herzenssache Goslar: Unsere Stadtbusse

Unterwegs war ich heute im Stadtbus für den Stadtbusbetrieb. Mit dem Stadtbus-Chef Gaschler und der Pressesprecherin der Stadt, Frau Nöhr, habe ich unzählige Themen besprochen, diskutiert - und natürlich auch mit den Fahrern und Stadtbusnutzern.

Deshalb eine gute Zeit und Gelegenheit, über den Stadtbusbetrieb zu schreiben. Herzenssache Goslar: Unsere Stadtbusse.


Zehn Jahre besteht die Stadtbus Goslar GmbH mittlerweile. Grund zum Feiern, und zwar nicht nur wegen des Jubiläums, sondern auch wegen der Erfolge der vergangenen Jahre: Konsolidierung, neuer Liniennetzplan - um zwei Stichworte zu nennen.

Machen wir einen kleinen Ausflug – schauen wir uns an, wie sich das Unternehmen entwickelt hat, wie sich die Zahlen entwickelt haben und wohin die Reise in den kommenden Jahren geht. Stichwort: Elektromobilität. 

Die Stadtbus Goslar GmbH wurde zum 1. April 2007 im Rahmen der Restrukturierung des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke Goslar ausgegründet. In den nächsten drei Jahren folgten sogenannte Restrukturierungsmaßnahmen. Warum? Nun, der Stadtbusbetrieb ist natürlich nicht kostendeckend, wird durch die Stadt Goslar subventioniert. Da ist es aber doch ein Unterschied, ob man 1 Millionen EUR, 2 Millionen EUR oder noch mehr Geld einsetzt. 

Ab 2011 mussten die inflationsbedingten Kostensteigerungen abgefedert werden und war der Verlust von Einnahmen durch immer weniger Fahrgäste zu verzeichnen. Wie hat man das gemacht: Nun, durch Senkung der Fahrplan-Kilometer. 

Aber es ist doch keine Lösung, immer weitere Fahrten, immer weitere Verbindungen zu streichen um damit den ÖPNV in der Stadt, unseren Betrieb, noch unattraktiver zu machen. 


Mein Ansatz war es, nicht Jahr für Jahr - bei sinkenden Fahrgastzahlen - weiter Linien zu kappen, sondern das Angebot zu verbessern. Mehr Linien, bessere Taktung! Und ich hatte die Rückendeckung des Aufsichtsrates und der Geschäftsführung. Wir haben - unter Hilfe von externer Beratung - uns Gedanken über Attraktivitätssteigerungen gemacht.

Wir haben nicht nur geredet, sondern auch entschieden und den Stadtbusverkehr zum Jahresende 2014 neu aufgesetzt. Wir wollten das Liniennetz und den Fahrplan optimieren, damit mehr Menschen den Bus nutzen. Das steigert nicht nur die Zufriedenheit der Fahrgäste, sondern auch die Einnahmen. 

Manch einer wird sich erinnern, welche Diskussionen allein die Ankündigung der Änderungen hervorgerufen hat. Ich möchte fast sagen: einen Sturm der Entrüstung. Unterschriftensammlungen - wer erinnert sich? Und die Goslarsche Zeitung hat prognostiziert, dass ich mit diesem “großen Wurf” scheitern würde, weil dieser im Stadtbusliniennetz noch nie funktioniert hätte. Einzelne Ratsmitglieder würden “viel zu stark” auf den Bushaltestellen vor ihrer eigenen Haustüre beharren.

Und heute? Es hat funktioniert. Auch weil wir uns alle (fast alle!) an die verabredeten Spielregeln gehalten haben. 

Die Monitoringberichte zeigen: Es hat funktioniert! 


Schon der erste Bericht im September 2015 zeigte, dass der Negativtrend bei den Fahrgastzahlen gestoppt werden konnte. Einnahmen und Zahl der Fahrgäste stiegen leicht an. 

Mit jedem folgenden Monitoringbericht zeigte, dass sich diese Entwicklung stärker fortsetzte. Die Einnahmen haben sich im letzten Geschäftsjahr um 131.000 Euro erhöht. Das sind 9,1 Prozent. Die Fahrgastzahlen stiegen um 71.000 (5,4 %) weiter an. Erstmals seit zehn Jahren lagen wir wieder knapp an der 1,6 Millionengrenze! Das – mittlerweile nicht mehr ganz so neue – Liniennetz wird von den Menschen angenommen. 

Natürlich haben wir an der einen oder anderen Stelle noch mal nachjustiert. Aber das ist doch wieder ein Beispiel dafür, dass Veränderung nicht immer schlecht sein muss. Und doch müssen wir deshalb auch sehr behutsam bei den weiteren Veränderungen sein. Den Gesamtplan und Gesamttakt nicht außer Takt bringen. Deshalb unterstütze ich zwar die Initiative von Pascal Bothe zur besseren Anbindung von Ohlhof während der Schließung/Neubau des Supermarktes, bin aber deutlich gegen eine Reduzierung der Verbindungen zum Rammelsberg.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und wir haben gewonnen, der Stadtbus hat gewonnen. Unser Stadtbus soll auch für die Zukunft gut aufgestellt sein und die liegt nun einmal in der Elektromobilität. Allerdings ist die Umsetzung nicht so einfach. 

E-Busse sind, wie jüngst Spiegel Online berichtete, „zu teuer, zu unsicher, zu aufwendig“. Auch Schlagzeilen wie „Deutschland hat die Entwicklung verschlafen“ liest und hört man immer wieder. Tatsächlich werden von 78.345 zugelassenen Bussen in Deutschland demnach nur 458 ganz oder teilweise mit Strom betrieben. Im Aufsichtsrat haben wir eine klare Linie gefunden, für die ich dankbar bin: Wir sind auf dem Weg, behalten aber Kosten und Risiken im Blick. Aus Image-Gründen werden wir auf Elektrobus jedenfalls nicht umstellen. 

Mit dem Energiecampus und den dort angesiedelten Institutionen haben wir die Experten für Elektromobilität vor Ort. Und die denken natürlich über Reichweitenoptimierung und Schnellladung nach, gehen aber noch einen Schritt weiter. Zum Beispiel ging vergangenen Herbst der Batterie-Sicherheitscampus Deutschland an den Start – das sind doch gute Voraussetzungen für die E-Entwicklung in der Stadt. Ja sicher, die Reichweite ist – wie auch bei Elektroautos – noch zu gering. Allein in der Anschaffung sind E-Busse doppelt so teuer wie entsprechende Dieselfahrzeuge und auch die Instandhaltung geht deutlicher ins Geld – zumindest jetzt noch, wo die Werkstätten nicht darauf ausgelegt sind. Bei entsprechender Infrastruktur sind die Wartungskosten aber geringer als beim Diesel. Die Technik entwickelt sich ständig weiter, da sollten wir nicht stehen bleiben, sonst werden wir abgehängt. In der Aufsichtsratssitzung vor einer Woche hat Dr. Gottfried Römer vom Energie-Forschungszentrum Niedersachsen vorgestellt, wie es auf der Linie 801/802 mit E-Bussen aussehen könnte. Zunächst mal bräuchte es im Depot eine Ladestation, an der die Busse über Nacht laden. Damit der Bus die rund 250 bis 360 Kilometer am Tag durchhält, muss er auch unterwegs geladen werden. Möglich wäre das über einen Pantographen, eine Vorrichtung auf dem Dach. Damit dockt sich der Bus an den Lademast an – zum Schnellladeverfahren auf der Strecke. 


Dieses Verfahren ist sehr abhängig von der Batterieinfrastruktur. Herr Römer rechnet mit drei solchen Schnellladestationen: Am Müllerkamp, Kirchenbrücke und Bahnhof. Ich gebe zu: Da kommen Kosten auf uns zu und sicherlich auch Hindernisse. 

Laut Artikel sind E-Busse noch nicht verlässlich genug – einer von fünf E-Bussen in den Testprojekten könne wegen technischer Probleme die Fahrt nicht zu Ende bringen oder gar nicht erst antreten. Die Betonung liegt auf „noch nicht“. Wie schon gesagt, schreitet die Entwicklung rasant voran. Erfahrungen macht man nur, wenn man es versucht. Wir versuchen es. Um Dr. Römer zu zitieren: E-Bus für eine saubere, leisere und weiter lebenswerte Stadt.

Also, bleiben wir auf dem Weg: Sorgen wir dafür, dass unsere Bushaltestellen weiter umgebaut werden. Sorgen wir dafür, dass wir W-Lan in den Bussen organisieren. Sorgen wir dafür, dass das Liniennetz attraktiv bleiben. Sorgen wir dafür, dass auch Mittel für Werbung und Marketingmaßnahmen eingestellt bleiben (Danke Petra Stolzenburg!). Sorgen wir dafür, dass unsere Stadtbusse immer attraktiver werden. Dann fahren mehr Menschen mit. Dann steigen die Einnahmen und dann können wir Linien und Takt verbessern. Und werden noch attraktiver für zusätzliche Gäste. So wird das rund. So gewinnt Goslar.

Herzenssache Goslar: Unsere Stadtbusse.