Herzenssache Goslar: Unsere Kaiserpfalz

Was ist eigentlich Goslars Wahrzeichen? Ich wette, die spontane Antwort wäre zu mindestens 90 Prozent: „Die Kaiserpfalz.“ Sie ist Goslars Aushängeschild, aber - Hand aufs Herz- mit den Jahren verliert sie an Glanz, an Anziehungskraft. Das wollen und müssen wir ändern. Und so wird es aussehen:

Jetzt wird sich so mancher Leser fragen, ob das tatsächlich nötig ist. Ob wir nicht erst einmal alle Straßen grundsanieren müssen, Kreisverkehre bauen, Verkehrsinseln schick bepflanzen. Was ist eigentlich Pflicht und was ist Kür? Alles, was im Entferntesten mit Kultur zu tun hat, ist für viele leider nur die Kür. Ich aber sage: Die Kaiserpfalz ist Pflicht! Schauen Sie doch einmal in alte Schulbücher. Oder setzen Sie Google darauf an. „Kaiserpfalz“ wird immer mit Goslar verbunden. Und auch anders herum wird ein Schuh draus: Sie ist Goslars Sinnbild. 

Jeder, der nach Goslar kommt, steht irgendwann vor der Kaiserpfalz – bei jeder Witterung und auch nachts. Das Gebäude zieht viele zehnttausend Besucher jedes Jahr an. Aber es zeigt sich auch: Es werden immer weniger. Waren es 1991 noch 90.000, sind es jetzt nur noch 70.000. Die Ansprüche, die Möglichkeiten haben sich geändert, die Kaiserpfalz kaum. Innen findet man immer noch die Beleuchtung, die VW nach der Präsentation des Golf 5 (!) hinterlassen hat. 


Auch die Flakscheinwerfer, die die Pfalz im Dunkeln von außen anstrahlen, sind in die Jahre gekommen und nicht mehr zeitgemäß. Nicht nur, dass sie das Bauwerk platt wie eine Briefmarke erscheinen lassen, sie fressen Unmengen an Strom und beleuchten unerwünschter Weise indirekt auch alles drum herum. Lichtverschmutzung, Energie- und Kostenverschwendung – das wollen wir beenden. So der derzeitige Zustand:


Wir wollen eine neue Attraktivität schaffen! Die Stadt Goslar hat gemeinsam mit dem Verein „Energie Ressourcen Agentur Goslar“ und der Hochschule Harz ein Beleuchtungskonzept erstellt. Die Fassade wird gezielt bestrahlt, so dass ihre baulichen Eigenschaften betont werden. Die Statuen auf der Pfalzwiese werden nicht länger von der Dunkelheit verschluckt. Dafür strahlt nicht mehr so viel Licht in die Umgebung ab. Bodenstrahler ebnen Besuchern den Weg und leiten hinauf zum Gebäude. Auch im Inneren kann das Licht die Wirkung verbessern. Die Wandgemälde werden gleichmäßig ausgeleuchtet, die Deckenbeleuchtung ist steuerbar, so dass je nach Wunsch nur bestimmte Partien der aula regis erhellt werden können. Allein mit der richtigen Beleuchtung wird die Kaiserpfalz attraktiver. Positiver Nebeneffekt: Wir sparen Energie und Kosten. LED-Technologie macht es möglich. Die alten Lampen sind richtige Stromfresser. Obwohl mehr LED-Lampen verbaut werden sollen, verbrauchen sie alle zusammen weniger Strom. Derzeit kostet eine volle Ausleuchtung der Pfalz rund 4 Euro pro Stunde. Mit der neuen Beleuchtung wäre es nicht einmal ein Euro. Eine Investition die lohnt, denn sie schont auf Dauer das Stadtsäckel und die Umwelt. 


Die Beleuchtung ist allerdings nur der erste Schritt auf dem Weg zur einer attraktiven Kaiserpfalz. Auch die Zuwege, der Pfalzgarten und die angrenzende Stadtmauer müssen erneuert und wieder hergerichtet werden. Hinzu kommt eine vernünftige Bestuhlung, die sich in das Gesamterscheinungsbild einpasst. Natürlich kostet das Geld, aber es ist sinnvoll angelegt. Und um die Kosten für die Stadt möglichst gering zu halten, prüfen wir, welche Fördermöglichkeiten es gibt. Unser Landesbeauftragter Matthias Wunderling-Weilbier kennt das Konzept und hat bereits seine Unterstützung zugesagt. 

Fotoquelle für die Simulationsbilder: Hochschule Harz/Prof. Fischer-Hirchert