Herzenssache Goslar: Unsere Freiwillige Feuerwehr

Schule, Abitur, Wehrdienst, Studium – zugegeben, viele Berührungspunkte zur Feuerwehr gab es bis zu meinem Amtsantritt in Goslar im Herbst 2011 nicht. Wie für viele andere Bereiche galt auch hier: Zuhören, Zuschauen, Lernen, eigene Positionen entwickeln, Feuerwehrkameradinnen und –kameraden verstehen. 

Braucht es wirklich 11 Ortsfeuerwehren in Goslar? Braucht jede Wehr tatsächlich eine neue Wache? Müssen es jedes Jahr neue Fahrzeuge sein? Können wir Feuerwehr nicht kostengünstiger organisieren? Ganz sicher, auch mit diesen Fragen habe ich mich intensiv beschäftigt. Die ehrenamtliche Feuerwehr, unsere Ortsfeuerwehren, sind mir tatsächlich eine Herzenssache. Warum? 


Über 1,3 Mio. Feuerwehrleute in knapp 43.000 Wehren in ganz Deutschland sind für unseren Brandschutz verantwortlich. Sie leisten jedes Jahr viele Tausend Stunden unerschrockenen Einsatz von Nerven, Kraft und Freizeit. Wenn sie gerufen werden, lassen sie alles stehen und liegen, schlüpfen in ihre Montur, sind schnell und zuverlässig am Einsatzort und müssen jederzeit bereit sein, unter Einsatz ihres eigenen Lebens, das ihrer Mitmenschen zu retten. Sich dieser Aufgabe zu stellen ist nichts Selbstverständliches und darüber sollten wir uns auch einmal bewusst werden. „Stell Dir vor es brennt und keiner kommt löschen“ oder „Stell Dir vor Du drückst (den Brandmelder) und alle drücken sich“ – mit diesen Kampagnen wirbt die Feuerwehr um Mitglieder. 

 Nicht überall gewinnen die Freiwilligen Feuerwehren ganz selbstverständlich Mitglieder: In Nordfriesland wurden schon Bürger zum Dienst in der Feuerwehr zwangsverpflichtet; in Sachsen-Anhalt verschwinden pro Jahr bis zu 30 Ortswehren von der Landkarte. Bei einem Einsatz alarmiert die Leitstelle dann schon mal vorsorglich mehrere Wehren, damit wenigstens eine rechtzeitig ankommt. Die Landesregierung in Magdeburg muss sich sehr ernsthaft darüber Gedanken machen, ob das System der Freiwilligen Feuerwehren langfristig trägt. Aber auch bei uns, im Landkreis Goslar, läuft das System der Freiwilligen Feuerwehren nicht problemlos. Betrachten wir doch die aktuelle Entwicklung in Lutter…..

 Ich wage die Prognose: Es wird keine Generation mehr dauern, dann sind auch Pflichtwehren bei uns in Südniedersachsen und im Harz Normalität. Auch deshalb bin ich sehr, sehr froh darüber, dass sich die Entwicklung in Goslar sehr positiv darstellt. Ich freue mich über unsere elf Ortsfeuerwehren mit aktuell 493 aktiven Einsatzkräften im Jahr 2015, das sind immerhin 23 Aktive mehr als im Vorjahr. Mit den Altersabteilungen, Spielmanns- und Musikzügen zusammen sind es insgesamt 832 Mitglieder. 

 411 Einsätze wurden 2015 gefahren, 380 Meldeempfänger sorgen für die Alarmierung, über 40 Fahrzeuge, darunter 23 Löschfahrzeuge, stehen in elf Feuerwehrhäusern bereit und 115 Kinder und Jugendliche in acht Jugendfeuerwehren und einer Kinderfeuerwehr lassen erst einmal keine Nachwuchssorgen aufkommen. Denn Fahrzeuge und Ausrüstung sind nur ein Teil der Feuerwehr – mindestens genauso wichtig sind motivierte, gut ausgebildete und engagierte Freiwillige. Deshalb ist auch die Jugendarbeit so wichtig. 

 Warum steigen die Zahlen in Goslar? Nun, der Stadtbrandmeister Christian Hellmeier betont gerne: „Wir machen halt irgendetwas richtig!“ Richtig, Christian, Ihr macht das richtig. Du, Deine Stellvertreter, Deine Ortsbrandmeister mit ihren Stellvertretern, all die Kameraden, die Führungsverantwortung in den Wehren übernommen haben. Glückwünsch dazu. Entscheidend ist und bleibt dabei auch die Strategie auf die einzelnen Ortsfeuerwehren zu setzen, die Dezentralität zu stärken. 

Beispiel: Aus der Ortsfeuerwehr Weddingen und Immenrode würde durch eine neue Feuerwache in der Mitte der beiden Ortsteile gerade nicht Synergieeffekte gehoben und Feuerwehr gestärkt, sondern ehrenamtliches Engagement für Feuerwehr und Ortsteil geschwächt. Ortsfeuerwehren sind auch Kameradschaft und gesellschaftliches Leben, Engagement für einen Ortsteil. Das ist ganz entscheidend und sollte bei Kostendiskussionen über Feuerwachen niemals vergessen werden. 

Auch darauf möchte ich aufmerksam machen: Feuerwehren sind ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie sind die einzige durch ehrenamtliches Personal getragene Pflichtaufgabe einer Kommune. Und dazu gehört nun mal die Aufstellung einer leistungsfähigen Feuerwehr, die Vorhaltung und Erneuerung der Technik, die Aus- und Fortbildung der Feuerwehrangehörigen oder die Sicherstellung der Löschwasserversorgung. Die Stadt Goslar wird daher auch in den kommenden Jahren ihrer Verantwortung gerecht werden und die notwendigen Rahmenbedingungen für eine moderne und einsatzbereite Wehr schaffen. Denn nicht erst wenn das letzte Feuerwehrauto eingespart wurde und kein Freiwilliger mehr ein Ehrenamt ausübt, sollten wir merken, dass Geld allein kein Feuer löschen kann. 

Bei all unseren Einsparbemühungen haben wir deshalb beim Zukunftsvertrag die Feuerwehr von Anfang an außen vor gelassen, sie war gewissermaßen Schonvermögen. Im Gegenteil - in den letzten Jahren haben wir gern in die Feuerwehr investiert: eine neue Drehleiter für Goslar, neue Fahrzeuge für Goslar, Hahnenklee-Bockswiese, Lengde und Weddingen, Um- und Neubauten der Feuerwehrhäuser in Hahndorf und Lengde, demnächst in Immenrode. Und so wird es auch weitergehen. 

Ich hoffe und wünsche, dass die Freiwillige Feuerwehr in Goslar und den Ortsteilen ihr enormes ehrenamtliches Engagement behält und natürlich, dass alle Mitglieder nach ihren Einsätzen stets gesund zu ihren Familien zurückkehren. Auch deshalb braucht es gute, sichere Ausrüstung für die Ehrenamtlichen.