Unsere Dienst-Pedelecs

Geschichte wiederholt sich (nicht). Mein Amtsvorgänger Henning Binnewies ist 2010 (unter anderem) über die Dienstwagenaffäre gestolpert. Ich hatte immerhin die Dienstfahrrad-Affäre durchzustehen… 

Scherz beiseite. Ich räume ein, dass ich mich schon ganz schön geärgert habe, als die GZ dieses tolle Projekt komplett verrissen und ins Negative gedreht hat, weil eine eifrige Nachwuchsjournalistin anscheinend unbedingt eine Glosse schreiben wollte; da ist die Hälfte der Antwort aus unserer städtischen Pressestelle halt hinten runtergefallen. So blieb Außenstehenden der Überblick über die größeren Zusammenhänge leider verwehrt. 

Schwamm drüber, ich habe die sog. Dienstfahrradaffäre durchgestanden. Und wie sich nach einem halben Jahr gezeigt hat, konnten diese verbalen, oder besser gedruckten Spitzen, meinen Kolleginnen und Kollegen die Idee nicht madig machen. 

Unsere Dienst-Pedelecs werden sehr gut genutzt, dazu geht die Strategie der Verwaltung auf. Trotz aller Begeisterung ist nämlich mittlerweile auch klar: Wir müssen an der einen oder anderen Stelle nachjustieren. 

Bild: Einige der fleissigen Radfahrer aus meiner Verwaltung….. 

Meine heutige Herzenssache: Unsere Dienst-Pedelecs. 

Mitte April hat die Stadt Goslar acht Pedelecs, also Fahrräder mit Elektroantrieb, in den Dienst gestellt. 

Warum? Gemeinsam mit meinem Fachbereichsleiter Oliver Kasties hatte ich folgende Fragen gestellt und Iden entwickelt:  Warum nicht Dienstfahrräder für die Stadtverwaltung? Geschwindigkeit und damit Arbeitszeit sparen! Für Außentermine der Verwaltung, aber auch um die Wege zwischen unseren Verwaltungsstandorten im Stadtgebiet kürzer zu machen. Vielleicht auch für die Gesundheit was tun, Krankenstände verhindern.  Bei allem aber auch nicht durchgeschwitzt zum Gesprächspartner kommen…. 

Bild: Der zuständige Fachbereichsleiter und Ideengeber Oliver Kasties

Seit Ende April also werden die Räder von meinen Kolleginnen und Kollegen – und auch von mir - genutzt. Für die nächsten jetzt noch zweieinhalb Jahre stehen die Räder für den Dienstgebrauch zur Verfügung. So lange läuft der Leasing-Vertrag, den die Stadt mit der Bikeshop Ansorge GmbH aus Goslar geschlossen hat. Die Stadt hatte im übrigen die Räder ausgeschrieben und die Fa. Ansorge hat das günstigste Angebot abgegeben, das nur zur ergänzenden Information.

Bild: Jens Ansorge erklärt uns die Fahrräder 

Genau das war also der Knackpunkt für die GZ. „Entspricht der Leasing-Preis für drei Jahre nicht ziemlich genau dem Anschaffungspreis der Räder?“, lautete die Frage damals. Stimmt, beides lag dicht beieinander, aber in unserem Leasing-Paket sind Zubehör wie Faltschlösser (die sicheren sind richtig teuer!), Versicherung, Inspektion, Austausch bei Akku-Defekt und Reparaturen enthalten. Und das mussten wir bereits mehrfach in Anspruch nehmen. Display, Rücktritt, Licht, Felge und Sattelstütze hatten bereits Werkstattbedarf. Aktuell sind wieder zwei Räder zur Reparatur bei Ansorge. 

Da die Drahtesel so viel im Einsatz sind, ist das aber nicht wirklich verwunderlich. Ein zweites Argument, und das finde ich mindestens genauso wichtig: Wir können nachsteuern. (Das war auch von Anfang an so gedacht und kommuniziert. Stichwort „Testballon“.) 

Dazu habe ich mich dieser Tage mit meinen Kolleginnen und Kollegen zusammengesetzt, die die Pedelecs regelmäßig nutzen, um Lob und Kritik zu sammeln. 

Lob gab es vor allem für die Flexibilität. Man ist schnell unterwegs, wendig, kann jederzeit sofort anhalten – im Auto geht das nicht. Bis man da einen Parkplatz gefunden hat und zu Fuß zurückgelaufen ist… Die Fahrer/innen kommen in Ecken, die mit dem Auto nicht erreichbar sind. „Der Gesundheitsaspekt ist für mich nicht unerheblich“, sagt Anke Dittrich (Fachbereich 3, zuständig für unsere Bäume im Stadtgebiet) außerdem, und das kann man zweierlei verstehen: Sie betätigt sich sportlich und tut etwas für ihre Gesundheit, gleichzeitig verpesten keine zusätzlichen Autoabgase die Luft. 

Die Kolleginnen und Kollegen fahren bis in die Baßgeige, nach Jürgenohl oder Oker. „Man ist genauso schnell wie mit dem Auto.“ Dafür ist Mann oder Frau bei der Ankunft nicht durchgeschwitzt im Gegensatz zur Tour mit einem normalen Rad. 

Maik Pramann (Fachbereich Finanzen) nennt einen Aspekt, den ich besonders spannend finde: „Man ist näher am Bürger.“ Passanten bekommen mit, dass Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf Rädern unterwegs sind. Maik Pramann wurde jedenfalls bereits mehrfach angesprochen und hat positive Reaktionen geerntet. „Man hat selbst eine andere Wahrnehmung, wird aber auch von außen anders wahrgenommen.“ 

Bei allem Lob gibt es aber auch Wünsche und Kritik. Unisono wurde die fehlende Federung bzw. die kleinen Reifen bemängelt. Dank der Vollschutzbleche saut man sich auch bei Regen nicht ein, aber dafür sind die City-Bikes nicht fürs Goslarer Kopfsteinpflaster oder das Gelände konstruiert. Das Fahrrad wird zur Rüttelplatte. 

Das hat Sandra Bogisch (Wirtschaftsförderung, Fachbereich 1) auch schon mal die Satteltaschen vom Gepäckträger geholt. Die kleinen Reifen können aber auch bei plötzlichen Bremsmanövern gefährlich werden, gibt Lars Michel (Stadtplanung, Fachbereich 3) zu bedenken. 

Größere Reifen könnten Abhilfe schaffen. Ohnehin sind die Pedelecs für sehr große Menschen hart an der Grenze, wie auch Philipp Kuffner (Sondernutzungen, Fachbereich 2) bestätigt. Auch ich komme mir manchmal vor, wie der sogenannte “Affe auf dem Schleifstein” 

Die Sattelstützen lassen sich zwar extrem weit verstellen – nach oben und unten. Trotzdem wären verschiedene Fahrradgrößen vielleicht nicht schlecht. 

Auch mehr Fahrräder sind durch die Nutzerinnen und Nutzer gewünscht. Bei trockenem Wetter – und das hatten wir dieses Jahr im Überfluss – sind die Pedelecs im Dauereinsatz. Da musste man dann auch schon mal feststellen, dass alle Drahtesel vergriffen waren. Hilfreich wäre da unter Umständen auch ein grober Plan, welche Räder noch frei sind. Das ist so einfach aber nicht möglich, sagt unser Pedelec-Beauftragter Roland Hübner. Da fällt uns aber vielleicht auch noch eine Lösung ein, meine Mitarbeiter in der Verwaltung sind ja pfiffig. Ich freue mich jedenfalls, dass die umweltfreundlichen fahrbaren Untersätze so gefragt sind. 

Ich würde mir nur wünschen, dass meine Kollegen zur eigenen Sicherheit auch Helme tragen. 

Über eine schöne Aktion hat vor kurzem übrigens die regionale Energieagentur berichtet. 

Langelsheim und Liebenburg sind in einem Wettbewerb gegeneinander angetreten: „Wer schafft mehr Kilometer mit dem elektrobetriebenen Dienstfahrrad?“ In fünf Monaten haben die Liebenburger Verwaltungsmitarbeiter 254 Kilometer erradelt. Respekt! 

Mein Kollege Roland Hübner schaut mit mir auch alle paar Wochen auf die Kilometerstände unserer Pedelecs. Jeweils drei Räder sind an der Wallstraße und in der Charley-Jacob-Straße stationiert und zwei beim Goslarer Gebäudemanagement. Da fehlen uns die jüngsten Zahlen. 

Aber der Rest kann sich allemal sehen lassen. Mit zwei der (jetzt reduzierten sechs) Räder hatten (im Oktober) nach sechs Monaten weniger auf dem Zähler als das Liebenburger Rad, nämlich „nur“ 196 und 231. Dafür lag der Höchstwert bei sagenhaften 556 Kilometern. Mit den sechs Rädern haben wir 2062 Kilometer gemacht. Das sind im Schnitt pro Rad knapp 344. Und das dann auf die fünf Monate gerechnet wären 286 km, also sogar etwas mehr als die Liebenburger. 

Ich finde, das kann sich sehen lassen. Und dabei musste das ein oder andere Fahrrad zwischendurch mal für Wartung oder Reparatur aus der Dienstflotte abgezogen werden und stand nicht zur Verfügung. 

Ich habe noch die Stimmen einiger Ratsmitglieder im Ohr: „Die Räder nutzt eh keiner.“ Naja, wenn jetzt Schnee und Eis kommen, mag sich das vorübergehend bewahrheiten…