Herzenssache Goslar: Unsere Baustellen

Es tut sich ganz viel in Goslar und das sieht man auch: Ich bin dieser Tage gerade einmal zehn Minuten nur um den Marktplatz gelaufen und habe die Baustellen und Baugerüste eingefangen.

Sind das nicht richtig schöne Baustellen? Die Fassaden in der Münzstraße und am Marktplatz, Ecke Breite Straße, bekommen eine Auffrischung, der große Neubau mit Eigentumswohnungen am Rewe-Markt nimmt deutliche Formen an und auch an einem Haus an der Abzucht stand bis vor Kurzem noch ein Baugerüst.

 Ich weiß, dass einige Menschen sich an den Gerüsten stören. Natürlich ist jede Baustelle erst einmal eine Beeinträchtigung – für Anwohner, Passanten, Autofahrer. Bauarbeiten bedeuten Lärm, mitunter Staub, Umwege und schlechter erreichbar zu sein. Uns erreichen bei der Stadt immer Beschwerden, bei beinahe jeder Baustelle. Leider.


Ich dagegen freue mich über jedes Gerüst, jeden Kran, jeden Bauzaun. Die Summe dieser Aktivitäten ist ein Gradmesser dafür, wie viele Menschen an die Zukunft unserer Stadt glauben. Daran glauben, hier Geld verdienen zu können. Denn seien wir doch mal ehrlich: Kaum jemand bringt sein Haus, seine Fassade aus reiner Liebhaberei in Schuss. Ein Immobilienbesitzer möchte seine Wohnungen oder Ladenräume vermieten, ein Hotelier oder Einzelhändler möchte, dass sein Geschäft ansprechend aussieht und Kunden anzieht. Sie möchten gute Mietpreise erzielen und ihre Waren, Produkte und Dienstleistungen verkaufen. 

Und ganz offensichtlich sind sie überzeugt, dass das in Goslar klappt, denn niemand, der bei Trost ist, investiert in ein sterbendes Projekt. 

 Auch ich glaube an die Zukunft Goslars. Ich freue mich, wenn Unternehmer und Privatleute in ihre Immobilien investieren. Und ich freue mich über jedes Investment der Stadt. Jeder Euro, den wir in unsere Infrastruktur stecken, zieht private Investitionen nach sich. Das zeigt sich an der Fußgängerzone. 

Kaum hatten Fischemäker-, Rosentor- oder Hokenstraße neues Pflaster, zogen Haus- und Ladenbesitzer nach und verschönerten ihr Eigentum. Wenn wir jetzt den Kulturmarktplatz umsetzen, das Rathaus umgestalten (,das nebenbei bemerkt auch eine schöne sanierte Fassade hat und demnächst sein Baugerüst auf der Marktplatzseite los wird), das Kaiserpfalzquartier aufwerten, ziehen wir mehr noch Menschen in unsere Stadt. Davon profitieren auch die Geschäfte, Restaurants und Hotels. 

Wir tun das aber nicht nur, um unser Goslar für Bürgerinnen und Besucher aufzuhübschen, sondern um private Investitionen zu fördern. Der Gedanke funktioniert. Hauseigentümer setzen den Pinsel an die Fassade. Nach der Arbeit ist alles viel schöner und man fühlt sich wohler als noch mit abblätternder Farbe. Hinzu kommt der positive Nebeneffekt: Die Nachbarn werden zur Nachahmung motiviert. 

Ganz klar – wenn ich über einen staubigen Weg gelaufen bin, sind die Schuhe etwas gries. Haben alle den gleichen Weg genommen, fällt das auch gar nicht weiter auf. Kommt jetzt aber Einer mit frisch geputzten Schuhen dazu, sehen die eigenen reichlich schäbig aus… Nach diesem Prinzip laufen auch private Sanierungs- oder Renovierungsmaßnahmen. 


Eine ähnliche Idee steckt hinter dem Städtebauförderprogramm für die „Altstadt – Östlicher Teil“. Viele Menschen wollen etwas an ihren Häusern tun, haben aber häufig nicht das nötige Geld. Mit Fördermitteln werden wir sie – gemeinsam mit dem Land Niedersachsen – unterstützen. Und wenn dann noch die Nachbarn ihr Häuschen flott machen, wird hoffentlich auch die letzte Zurückhaltung in Sachen Gebäudesanierung aufgegeben. Damit wir unsere Stadt erhalten und fit für die Zukunft machen.

Herzenssache Goslar: Unsere Baustellen! Lasst uns gelassen mit den temporären Beeinträchtigungen umgehen und uns freuen darüber, dass Geld in unserer Stadt investiert wird.

Oliver JunkHerzenssache, Goslar