Herzenssache Goslar: Paul Kunzes Turmfalken

Paul Kunze aus Goslar/Wiedelah – das ist ein echt kerniger Typ. Naturschutz ist seine Leidenschaft, besonders der Vogelschutz. Dieses Interesse verfolgt er seit mehr als 40 Jahren und engagiert sich an vielen Stellen, an vielen Orten – nicht nur in Goslar. Und deshalb mache ich ihn und seine Turmfalken zu meiner “Herzenssache” in dieser Woche.

Seit mehr als 40 Jahren Natur- und Vogelschutz. Warum? Aus welcher Motivation heraus? Er erzählte mir, dass er über viele Jahre bei Salzgitter-Stahl gearbeitet hat. Zu den Stahlöfen hat es einen Ausgleich gebraucht und genau diesen hat er mit dem Thema Vogel- und Naturschutz auch gefunden - so berichtet er mir.

Paul Kunze habe ich vor drei Jahren kennengelernt, auf dem Marktkirchturm in Goslar. Seinen Anfang nahm alles mit den Tauben am Bahnhof. Manche mögen jetzt brüskiert nach Luft schnappen, aber diese Ratten der Lüfte haben den ganzen Goslarer Bahnhof verdreckt. Nicht sehr einladend. 

Verdrecken, ja beschädigen, darüber hinaus aber auch viele Gebäude in Goslar. Denken Sie z. B. an die Lohmühle. Tauben wirkungsvoll bekämpfen? Richtig im Griff hat die Stadtverwaltung in Kassel das Thema. Die hatten oder haben (jedenfalls meine ich, dies vor einigen Jahren gelesen zu haben) einen Minijobler, der Taubeneier durch Gipseier ersetzt…… 

Auch in Goslar suchten wir nach Anti-Tauben-Maßnahmen. Ich habe also den zuständigen Vertreter der Bahn eingeladen, um eine Lösung zu finden. Spieße und Besprühen des Gebäudes mit einer abschreckenden Flüssigkeit sollten die Tauben fernhalten. So richtig begeistert über die Chemiekeule bin selbst ich nicht und ich kann diese Taubenviecher nicht mal leiden. Zum Glück schalteten sich Experten ein: Friedhart Knolle und Herwig Zang. Sie verfolgten das Motto: „Wir müssen versuchen, die Tauben auf natürlichem Weg zu vergrämen.“ Eine Möglichkeit wäre die Ansiedlung von Wanderfalken. Sie jagen Tauben. 

Knolle setzte sein Netzwerk in Gang – und so kam Paul Kunze ins Spiel. Ich lernte ihn bei der Einweihung der Nistkästen für die Falken auf dem Marktkirchturm kennen. Der 70-Jährige betreut nämlich die Kästen auf dem Südturm. Mit dem Nistkasten für die Falken wollte sich Paul Kunze vor drei Jahren nicht zufrieden geben. Der Turm ist nämlich das ideale Wohnquartier für weitere Vogelarten, zum Beispiel die Dohle. Er traf eine Absprache mit dem Kirchvorstand: „Wenn ich den Taubendreck auf den Zwischenböden entferne, darf ich weitere Nistkästen im Turm aufhängen“, so Kunze. Durch zerbrochene Scheiben hatten sich, ja genau, die Tauben einen Weg ins innere gesucht und gefunden und haben diesen richtig „schön“ verkotet. Ein Gewinn für beide Seiten – die gefiederten Freunde nicht mitgezählt. Im Turm ist es jetzt richtig schön aufgeräumt. Klar: Es ist staubig, aber früher war alles von Tauben verdreckt und richtig eklig. Der Vogelfreund hat etliche „Wohnungen“ für Dohlen hergerichtet.

Der Aufstieg im Südturm ist kein solcher „Spaziergang“ wie im touristisch erschlossenen Nordturm. Da führt keine breite Treppe nach oben, sondern steile Holzleitern. Die erklimmt Paul Kunze regelmäßig, um nach seinen Schützlingen zu schauen. Die Kästen hat er übrigens selbst gebaut – kein Spaziergang, die Bauteile die schmalen Stiegen raufzuziehen! 

 Aber es hat sich gelohnt. Ein Turmfalkenpaar zieht dort derzeit seine Jungen auf. Vier flauschige Küken kuschelten sich aneinander, als wir dieser Tage oben im Turm waren. 

Und die waren so herrlich entspannt – sie zeigten gar keine Scheu. 

Die Mutter war da schon etwas zurückhaltender und machte verdutzt kehrt, als sie uns in ihrem „Wohnzimmer“ stehen sah. 


 Kunze ist aber eigentlich Fan der Dohlen, das merkt man. Auch zu Hause in Wiedelah betreibt er eine Herberge. Sechs von neun Nistmöglichkeiten für Mauersegler sind derzeit besetzt. Außerdem bietet er dort Starenkästen und Wohnquartiere für Nebelschwalben. Selbst eine Schleiereule war bis vor zwei Jahren ständiger Gast. Paul Kunze, Hochachtung, ich muss echt staunen: 70 Jahre? Sein Alter sieht man ihm nicht an. Das müssen die frische Luft und die Bewegung sein. Paul Kunze baut und pflegt nicht nur Nistkästen (…..),


(……) er beringt unter anderem ehrenamtlich Wildvögel; so auch die kleinen Turmfalken. Er braucht 50 bis 100 Ringe im Jahr, allerdings nicht nur für Vögel in Goslar, sondern zum Beispiel auch für Wasseramseln im nördlichen Vorharz. Im Südturm wird der Zauber nicht mehr lange andauern. „Noch 30 Tage, dann stürzen sich die Jungen raus und erkunden die Stadt“, prophezeite Paul Kunze bei meinem Besuch. Aber es besteht die Möglichkeit, dass die Falken nächstes Jahr wiederkommen – oder einer von beiden mit einem neuen Partner. Vielleicht siedeln sich aber auch die größeren Verwandten, die Wanderfalken an und fressen uns ein paar Tauben weg. Ich kann es nur hoffen.