Herzenssache Goslar: Goslar wird die Kulturhauptstadt Niedersachsens

Selbstverständlich gehört es zu den angenehmen Pflichten des Oberbürgermeisters der Stadt Goslar, jährlich im Oktober den hoch anerkannten Preis für zeitgenössische Kunst, den Kaiserring, zu verleihen. 

Und im Rahmen der Preisverleihung in der Kaiserpfalz habe ich vor einer Woche deutlich gemacht, dass es für die Stadt von ganz besonderer Bedeutung ist, sich noch stärker auf den Markenkern der Stadt zu konzentrieren, die Stadt Goslar zur Kulturhauptstadt Niedersachsen auszubauen. 

Über die vielen positiven Rückmeldungen habe ich mich sehr gefreut. Danke! Es gilt dann aber auch für ALLE, für dieses Ziel miteinander nach vorne zu arbeiten. 

Der Bitte, die Rede ins Netz zu stellen, komme ich gerne nach.

Hier die REDE in AUSZÜGEN:


 „ (…..), seit 1975 verleihen die Stadt Goslar und der Verein zur Förderung moderner Kunst den Kaiserring. Der Goslarer Kaiserring zählt zu den renommiertesten Kunstpreisen der Gegenwart in Deutschland und hat sich auch international einen besonderen Rang erworben. (….) Der Kaiserring wird getragen vom Engagement der Goslarer und Goslarerinnen für ihren Preis, den Preis der Stadt Goslar, doch wo bleibt die Wirkung des Ringes über die Woche der Preisverleihung hinaus? Sollten wir hier nicht die Strahlkraft dieses internationalen Kunstpreises als Marke für die Stadt viel mehr nutzen? (….) 

Bei aller Stärke, Kraft und Ausstrahlung der Stadt Goslar hat unsere Stadt doch eine ganz empfindliche Schwäche. Sie besteht darin, die eigenen Stärken nicht sichtbarer zu machen, die Stärken unserer Stadt nicht deutlich genug nach vorne zu stellen. Wir selbst – und nicht Gäste oder politisch Verantwortliche in Hannover oder Berlin – sind es doch, die den ganzen Tag von Strukturschwäche, demografischem Wandel, Wegzug junger Menschen, Investitionsstau und roter Laterne sprechen. Und dann verbinden das natürlich irgendwann viele Menschen mit Südniedersachsen, mit dem Harz, mit Goslar.(….) 

Und von welcher Stärke der Stadt spreche ich wohl? Nun, ist nicht Kern, also Stärke, Ausstrahlung und Image einer Stadt nicht genau das Thema, an das man zuerst denkt, wenn ein Stadtname fällt? Was ist also Stärke der Stadt München? Oktoberfest. Und in Hamburg? Der Hafen. Köln? Karneval. Bayreuth? Die Richard-Wagner-Festspiele. Nürnberg? Bratwurst. Bremen? Werder. Augsburg? Puppenkiste. Und Goslar? An was denken Sie? (….) 

Goslar, das ist doch Kaiserpfalz und Welterbe, Fachwerk und Rammelsberg – das ist doch ganz viel Kultur. Die klare Stärke dieser Stadt ist Kultur, das kulturelle Angebot in Goslar, das unsere Stadt – die Kulturstadt Goslar - mit inspirierendem Leben erfüllt und ihre Attraktivität ausmacht. Und, meine Damen und Herren, diese Kultur ist in Goslar selbstverständlich auch identitätsstiftend. Und zwar weil wir eben nicht aussterbender ländlicher Raum sind, zur Schlafstadt verkommen. Vielmehr hat Goslar längst den demographischen Trend nach unten gestoppt Wir bleiben stabil über der Grenze von 50.000 Einwohnern. Und zwar deshalb weil wir gleichermaßen attraktiv für junge und alte Menschen und Unternehmer sind. Und das hängt ganz zentral mit unserem kulturellen Erbe, der Kultur, der – ich wiederhole es gerne - identitätsstiftenden Funktion der Kultur zusammen. (….) 

Kultur in Goslar bedeutet zunächst ein kaum noch steigerbares ehrenamtliches Engagement, für das ich sehr dankbar bin und das seinesgleichen sucht. Und Kultur in Goslar bedeutet eben auch Fokus von Rat, Verwaltung und Oberbürgermeister. Erlauben Sie mir, nur stichpunktartig und ganz ohne Wertung zu benennen. 

1. Goslar bedeutet nicht nur Kaiserring, sondern auch Paul-Lincke-Ring, ein hochanerkannter Preis für Künstlerinnen und Künstler, die sich um die deutsche Unterhaltungsmusik verdient gemacht haben. Der 31. Paul-LinckeRing wurde hier vor wenigen Tagen an Helge Schneider verliehen. Die Stadt Goslar hat mit diesem Jahr die Preisverleihung – analog zum Kaiserring - in einen jährlichen Verleihungsrhythmus überführt, was den Preis erheblich stärken wird. 

2. Etwa 10 Millionen EURO werden wir mit Unterstützung des Bundes in unseren Kulturmarktplatz investieren. In einer ehemaligen Schule, mitten im Herzen der Stadt, schaffen wir Raum für eine neue zeitgemäße Bibliothek mit attraktiven Angeboten für Kinder und Jugendliche, Raum für das Stadtarchiv, für Ausstellungsflächen, Kulturschaffende und Kommunikation. 

3. Mit der Konzertreihe Miner´s Rock wurde unter dem Dach des Rammelsbergs eine sehr wertige neue Konzertreihe initiiert, die über die Stadtgrenzen hinaus strahlt. 

4. Damit zusammenhängend soll nach meiner Vorstellung eine inwertgesetzte Spiel- und Veranstaltungsstätte als Fundament für Kulturaktivitäten in der Schlosserei des Rammelsberges geschaffen werden. 

5. Mit der neuen Geschäftsführung der Goslar Marketing Gesellschaft wollen wir endlich in Goslar ganzheitliches Kulturmarketing aufsetzen und etablieren. 

6. 25 Jahre Ersternennung Weltkulturerbe Altstadt von Goslar und Rammelsberg im nächsten Jahr nehmen wir zum Anlass, erste Umsetzungsschritte bereits beschlossener Förderprogramme im Welterbe Goslarer Altstadt vorzunehmen. Denken Sie bitte an die Sanierung der Wallanlagen sowie des Kahnteiches und der Judenteiche für ca. 1,5 Millionen EUR sowie das Förderprogramm Untere Altstadt, mit dem wir öffentliches Geld von 10 Millionen EUR in unsere angeschlagenen Fachwerkhäuser geben. Dieser städtebauliche Impuls in Fachwerk und Denkmal ist mindestens genauso wichtig wie Entwicklung von Fliegerhorst und Pfalzquartier. 

7. Ich darf verweisen auf die Inwertsetzung unseres über 500 Jahre alten Rathauses – nicht für schicke Büroräume des Oberbürgermeisters und seine Mitarbeiter, sondern zur Nutzung als Welterbeinformationszentrum mit Verknüpfung zur Tourist-Info und Marketinggesellschaft. (….) 

8. Umbau des Kaiserpfalzquartiers mit Museum und Kunstforum (…). Ich bin überzeugt davon, dass wir mit der Entwicklung des Pfalzquartiers noch bessere Bühnen schaffen können, Bühnen fürz.B. das Internationale Musikfest, die Klaviertage, die Konzertarbeitswochen, die Kulturinitiative und vielleicht eines Tages mal wieder ein Pfalzkonzert. Mein Wunsch und Wille bleibt es jedenfalls. (…..) 

Verehrte Gäste, Alle diese Projekte, all diese Arbeit, all das Geld investieren wir nicht für ein kleines Kulturpublikum, sondern für die ganze Stadt, die Wirtschaft, unser allgemeines Wohlergehen und Wohlbefinden. Wir investieren in die Lebendigkeit und Zukunft unserer schönen Stadt. Und deshalb: Lasst uns damit aufhören, Investitionen und Aufwand für Kultur und Weltkulturerbe in den Wettbewerb zu stellen – in den Wettbewerb mit Investitionen und Aufwand für die heimische Wirtschaft, die Natur, unsere Sportplätze oder Fahrradwege. Wirtschaft, Kultur und Natur sind kein Gegensatz. Wir alle profitieren vom Ausbau der Kulturstadt. Wer lebt schon gern in einer Stadt, in der nichts los ist? Besonders junge Menschen suchen schnell das Weite – und fehlen damit den Unternehmen. (…) 

Nennen Sie mir eine Mittelstadt in Niedersachsen, die so viel Raum für Kultur bietet, Kultur so wesentlich die Stärke einer Stadt ausmacht! Viele Städte werden Ihnen sicher nicht einfallen, vielleicht gar keine. Und ich habe Beispiele dafür genannt, wie wir die Kulturstadt Goslar kurz- und mittelfristig weiter ausbauen, ausbauen zur Kulturhauptstadt Niedersachsens. (…) 

Goslar als Ort der Kreativität, als offene, tolerante Stadt voll kultureller Inspiration – das bleibt mein Ziel und diesem Ziel kommen wir mit der heutigen Verleihung des Kaiserrings an Jimmie Durham einen weiteren Schritt näher. (….)