Herzenssache Goslar: Dr. Schwarze

„Man muss doch etwas tun!“ Das ist das Motto von Dr. Karl Schwarze. „Man muss doch was tun“ – das sind für ihn keine leeren Phrasen. Dr. Schwarze handelt danach und das kann ich nur bewundern. Der gebürtige Göttinger ist mittlerweile stolze 106 Jahre alt und sagt von sich selbst, er habe sich noch nie in seinem Leben gelangweilt. 

Über viele Jahre war er Lehrer am Ratsgymnasium in Goslar. Er ist zu einer Zeit in den Ruhestand gegangen, da wurde ich gerade geboren…. Zu seinem 104. Geburtstag war ich mit meiner Tochter Inga bei ihm, die war gerade 4 Jahre geworden…….. 100 Jahre zwischen meiner Tochter und Herr Dr. Schwarze.

Gerne bin ich bei ihm, nicht nur zu seinen Geburtstagen und wir reden über Goslar, über Europa, über Flüchtlinge - was uns eben gerade einfällt. Zu meiner Rede, die ich vor einem Jahr anlässlich des 50. Geburtstages der Städtepartnerschaft Goslar - Arcachon in Frankreich gehalten habe, hat mich Dr. Schwarze inspiriert. 

Und Dr. Schwarze ist interessiert an Goslar und der Entwicklung der Stadt , er sucht Projekte, die er unterstützen kann, wo er helfen kann.  Vor allem die Arbeit für Jugendliche hat es Dr. Schwarze angetan. Jüngst spendete der ehemalige Lehrer für Deutsch, Geschichte und Religion 2000 Euro für syrische Flüchtlinge, die in Goslar aufs Gymnasium gehen und mit Schülerprojekten bereits Preise abgeräumt haben. Das Geld soll die Integration der jungen Menschen und ihr wissenschaftliches Wirken weiter voranbringen. So ist die Anschaffung von Mikroskop, Laptop und anderem Unterrichtsmaterial geplant. 

Auch das Boxteam Jürgenohl, das Mütterzentrum Immenrode, die Türkisch-Islamische Geimende zu Goslar und „Start right“, ein Segeltörn für Jugendliche, kamen schon in den Genuss von Zuwendungen. Der Goslarer spendete 2014 in einem Rutsch 10.000 Euro für diese vier Projekte! Dr. Schwarze macht es Freude, anderen zu helfen. Sein Großvater habe immer gesagt: „Geld ist Dreck. Aber in der Not kann man sich damit helfen.“ 

 Seine Vergangenheit hat den 106-Jährigen geprägt. Er hat den Ersten Weltkrieg miterlebt und kann sich auch noch daran erinnern. Genauso wie an einen kleinen Jungen, einen seiner Freunde, der in seiner Straße lebte. Als Dr. Karl Schwarze sieben Jahre alt war, ist dieser kleine Junge von nebenan verhungert. Das war 1917, aber dieses Erlebnis hat ihn niemals losgelassen. 

 Vielleicht deshalb steht die Jugendarbeit ganz vorn auf der Prioritätenliste, aber auch Geschichte ist ihm ich wichtig – klar als ehemaliger Lehrer bringt man dafür erst recht eine Affinität mit. 2015 ergriff er die Initiative, die Urkundenübersetzungen – vom mittelalterlichen Latein ins Deutsche – seines Freundes und ehemaligen Schülers Dr. Armin Theuerkauf einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Stadtarchiv hatte er finanziell unterstützt, damit die rund 1000 Übersetzungen dort als gebundenes Exemplar zur Verfügung stehen. Dabei blieb es nicht – auch andere Institutionen sollten damit ausgestattet werden. Mittlerweile ist die Urkundensammlung digitalisiert. 

In den vergangen Jahren spendete Dr. Schwarze darüber hinaus etliche Gewächse für „Ein Baum für meine Stadt“ (Foto von 2012). Diese Bürgerbäume waren überhaupt der Anlass für unser Kennenlernen. Beim Unterschreiben der Urkunden wunderte ich mich darüber, dass Herr Dr. Schwarze gleich 6 Bürgerbäume (je 400 EUR kostet ein solcher Bürgerbaum) stiftete - und ich fragte in meiner Verwaltung nach. Kern war, dass er für seine sechs Enkel je ein Baum spendete. Wir haben diese dann zusammen gepflanzt, und jeweils mit einer Plakette mit den Namen seiner Enkel versehen. 

Jede Begegnung mit Dr. Schwarze beeindruckt mich. Trotz seines hohen Alters ist er geistig noch voll auf der Höhe - regelmäßig schreibt er für die Hauszeitung seiner Seniorenresidenz und regelmäßig schreibt er auch mir. Und oft bekommt er Besuch von ehemaligen Schülern und seinen sehr rührigen Lions-Freunden.

Kaum ist das letzte Projekt angelaufen, ist er schon auf der Suche nach dem nächsten. Dass die Stadt Goslar vermittelnd unterstützt und die Durchlaufspenden zur Weiterleitung entgegennimmt, versteht sich von selbst. Nur so bekomme ich überhaupt mit, wie sehr Dr. Schwarze sich engagiert. Es ist zu viel, um alles aufzuzählen. 

Die Lokalzeitung fasste es bereits vor zwei Jahren zusammen: „Dr. Karl Schwarze hat wieder einmal gespendet – und macht mit seinem privaten Engagement vieles möglich.“ Dieser Satz gilt heute noch wie damals.

Lieber Dr. Schwarze - weiterhin alles Gute! Bleiben Sie gesund und auf bald bei Ihnen!

Oliver JunkHerzenssache, Goslar