Herzenssache Goslar: Dill´s Kaffeemanufaktur

Das ist echte Leidenschaft – Leidenschaft für Kaffee. Ich habe Markus Dill und seine Frau Birgit Wegener in Ihrer Kaffeemanufaktur besucht und dabei nicht nur jede Menge über die gute Bohne gelernt, sondern auch über Berufung, Lebensträume und Geschäftssinn. Denn bei aller Liebe zum Kaffee – Geld verdienen muss man schließlich auch. 

Seit vier Jahren sind Birgit und Markus jetzt in Goslar. Kennengelernt haben wir uns 2013 bei Minusgraden, Schnee und fürchterlichem Wind. Und gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung habe ich damals tüchtig Werbung für die Ansiedlung in Goslar gemacht und passende Ladenlokale gesucht. Gut, dass das Wetter vor vier Jahren  nicht abgeschreckt hat! Goslar wäre um einiges ärmer ohne Dill’s Kaffeemanufaktur. 


Morgen vor vier Jahren, am 28. Oktober 2013, hat die Kaffeemanufaktur in der Marktstraße eröffnet. Es war ein „großer, ein guter Tag“, wie Markus heute sagt. Er ist nicht wegen des Geldes Kaffee-Sommelier geworden – früher hat er tatsächlich viel mehr verdient –, sondern aus Überzeugung. „Man muss Kaffee verstehen“, lautet sein Credo. „Kaffee rösten ist nicht DIE große Kunst, aber ihn zu verkaufen und vermarkten. Nur Knöpfchen drücken reicht nicht, man muss sich mit dem Kaffee beschäftigen.“ 

Dill’s arbeitet insbesondere mit zwei Händlern aus Hamburg und einem aus London zusammen, die Kaffeebauern sind ihnen soweit möglich persönlich bekannt. Und was mich besonders beeindruckt: Birgit und Markus verkaufen einen der ersten Kaffees, die emissionsfrei geliefert werden. Slow-Food sei in Sachen Kaffee schlichtweg nicht möglich, weil er im hiesigen Klima nicht wächst. Aber dieser Kaffee kommt dem Prinzip sehr nahe. Der Kaffee wird nach der Ernte per Esel zum Segelboot gebracht und über den Ozean geschippert, dann auf den Zug verladen und erreicht schließlich im Elektro-Lkw sein Ziel. Nur 9 Säcke kommen pro Lieferung mit auf das Schiff. Zwei davon für Dill’s. Eine tolle Geschichte!

Für Markus der Beweis: „Ökologie und Ökonomie sind in Einklang zu bringen.“ Wie kommt man auf die Idee, mit 45 Jahren seinen lukrativen Beruf aufzugeben und stattdessen in einer beschaulichen Stadt wie Goslar eine Kaffeerösterei zu eröffnen? 

Die Geschichte beginnt im Februar 1990. Für Markus, in Halberstadt geboren und in Magdeburg aufgewachsen, ist Goslar die erste Weststadt, die er sieht. Er verliebt sich sofort. „Die Stadt versprüht Magie, die nur Auswärtige spüren können.“ Auch die zweite Komponente war gegeben: „Kaffee war immer unsere Leidenschaft.“ Als er das (un)wirtschaftliche Handeln seines damaligen Arbeitgebers nicht länger ertragen konnte, zog er einen Schlussstrich. „Ich habe früher viel Geld verdient. Aber ich wollte das nicht mehr, es war nicht erfüllend.“ Der Beruf als Kaffee-Sommelier ist es, das merkt man ihm sofort an. Und ich kann es verstehen, als ich mit ihm Kaffeebohnen rösten, Kaffee verkosten darf. Ein tolles Handwerk! 

Birgit und Markus verarbeiten und verkaufen 20 verschiedene Kaffees aus 19 Ländern – 7,5 Tonnen Röstkaffee; das entspricht 10 Tonnen Rohkaffee. 2,19 Euro pro Kilogramm geröstetem Rohkaffee werden an Kaffeesteuer fällig. Nun könnte man denken, dass jemand, der vom Kaffee lebt, diese Steuer verteufelt. Pustekuchen. „Diese Steuer schützt die kleinen Röstereien vor der großen Industrie“, erklärt Markus. 

Und er sieht auch die Tourismusabgabe positiv. „Warum sollten wir nicht etwas erheben, das in der Stadt bleibt? Als Betrieb haben wir eine Verantwortung.“ Die Einstellung gefällt mir. Qualität, Leidenschaft und Verantwortungsgefühl. Ich wünsche mir viele solcher Unternehmer für unsere Stadt. Der Erfolg gibt ihm Recht. Das Geschäft war nach nur einer Woche im betriebswirtschaftlichen Bereich! Wahnsinn. 

Da bleibt mir nur noch eines zu wünschen: Herzlichen Glückwunsch zum 4-jährigen Bestehen! 

Und wer jetzt mal stöbern möchte: Birgit und Markus haben in eine tolle Website investiert (da haben wir wieder den Geschäftssinn) – 

www.dills-kaffee.de

#Herzenssache Goslar: Dill´s Kaffeemanufaktur. 

Oliver Junkherzenssache, Goslar, Dill