Herzenssache Goslar: Die Stadt- und Feldmauern

 „Goslar, du Kleinod im Harz“, hat Helge Schneider gerade bei der Verleihung des Paul-Lincke-Ringes gesungen. Er hat recht: Goslar ist ein Schmuckstück. 

Und wie alles Wertvolle musste auch die Stadt vor Jahrhunderten geschützt werden – mit dicken Mauern. Die komplette Altstadt war von einer Befestigungsanlage umgeben. Heute ist es anders herum. Heute muss die Stadt ihre Mauern schützen – zumindest die Teile, die noch erhalten sind. Denn Goslar wäre nicht Goslar ohne seine historischen Stadt- und Feldmauern. 

Gerade sind die Sanierungsarbeiten an der Feldmauer an den Judenteichen, zwischen Kötherstraße und St. Annenhöhe, in vollem Gang. Vor drei Jahren war ein Teil des Bauwerks eingestürzt – höchste Zeit zu handeln. Auf 280 Metern werden jetzt alle schadhaften Bereiche der äußeren Stadtmauer der mittelalterlichen Stadtbefestigung repariert. Rund 300.000. Euro wird diese Maßnahme kosten, 90 Prozent davon werden durch das Bundes-Förderprogramm „National bedeutsame Projekte des Städtebaus“ getragen. 

Im Jahr 2010 waren die noch vorhanden Stadt- und Feldmauern, das sind immerhin etwa vier Kilometer Länge, an vielen Stellen in einem desolaten Zustand. Die gleichzeitig als Stützmauern fungierenden Mauern am Liebfrauenberg und der Clausthaler Straße waren sogar teilweise eingestürzt. Und auch bei anderen Mauern war die Standsicherheit gefährdet. Die Stadt musste dringend etwas tun, um die historischen Mauern, um einen Teil der Geschichte Goslars, zu erhalten. 

Da muss ich meinem Fachdienst Bauordnung und Denkmalschutz ein dickes Lob aussprechen. Mithilfe des Bundesförderprogramms „Investitionen in nationale UNESCO-Welterbestätten“ konnten in den vergangenen Jahren besonders geschädigte oder gefährdete Mauerabschnitte saniert werden, nämlich über den Daumen gepeilt 800 Meter – inklusive der Feldmauer an den Judenteichen. In der Glockengießerstraße, im Neuwerksgarten, am Kahnteich, Liebfrauenberg und Clausthaler Straße wurden die Mauern wieder auf Vordermann gebracht. Fast eine Million Euro hat das gekostet, nämlich 929.237.29 Euro! Dank des Förderprogramms musste die Stadt Goslar nur knapp 93.000 Euro selbst aufbringen. 

Unabhängig von Fördermitteln hat das GGM weitere Mauerabschnitte saniert, freigelegt, gestützt oder zumindest untersucht – für fast 492.000 Euro. Aktuell laufen noch die Arbeiten in der „Schweinepfötchengasse“ und am Rosentor. 


Auch private Bauherren haben die Stadtmauer an einzelnen Stellen in Ordnung bringen lassen: in der Thomasstraße und in der Wallgasse. 

 Als nächstes ist die Deutsche Bahn am Zug. Die Feldmauer am Georgenberg droht teilweise, auf die Gleise zu stürzen. Und auch was die Stadtmauer hinter der Kaiserpfalz anbelangt, müssen wir eine Lösung finden. Die Mauer ist in Landesbesitz. 

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Es ist nicht unsere Absicht, die Stadtmauern in ihrer vollen Länge zu sanieren. (Das würde uns gut 6,5 Millionen Euro kosten.) All das, was intakt ist, bleibt wie es ist. Aber die Teile, die durch Pflanzen, Baumwurzeln oder eingedrungenes Regenwasser beschädigt sind, werden instand gesetzt. Damit es zukünftig gar nicht erst zu so massiven Schäden kommt, schlägt die Denkmalschutzbehörde eine regelmäßige Wartung vor. Ziel ist, die Mauern von Bewuchs freizuhalten und kleinere Reparaturen kontinuierlich anzupacken. 

Damit unserer Stadt, unseren Bürgern und unseren Besuchern diese Bauwerke noch lange erhalten bleiben.

Wir sind dran. Fast zwei Millionen EUR haben wir seit 2011 in Stadt- und Feldmauern investiert. Und wir  - namentlich unsere Denkmalpflegerin Frau Dr. Bauer - haben kluge Förderanträge gestellt und Zuschüsse organisiert. Auch das ist Verwaltungsarbeit und Verwaltungshandeln. 

Unsere Stadt- und Feldmauern liegen mir am Herzen. Sie dokumentieren nicht nur Geschichte der fast 1100Jahre alten Stadt Goslar, sondern sind heute gerade gemeinsam mit den Wallanlagen meine Herzenssache.

Herzenssache Goslar: Die Stadt- und Feldmauern

Oliver JunkHerzenssache, Goslar