Herzenssache Goslar: Die Marktkirchenbibliothek

Wer kennt die Marktkirchenbibliothek in Goslar? Ganz große Werte sind jedenfalls in Obhut der Marktkirchengemeinde. Und ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch in der Marktkirchenbibliothek 2011 erinnern, auf Initiative der damaligen Landtagsabgeordneten Doro Prüssner und der damaligen Ministerpräsidentin aus Thüringen, Frau Lieberknecht. 

Alte verstaubte Bücher? Langweilige dicke Schinken? Mitnichten. Echte Schätze verbergen sich in unserer Marktkirchenbibliothek. 

Aber, und genau deshalb interessiere ich mich für die Schätze so sehr, sie sind nicht optimal untergebracht. Klima, Sicherheit….

Soll heißen: Wir müssen den Bestand vernünftig unterbringen, so dass sie keinen Schaden nehmen. Und: Wir können und sollten die Marktikirchenbibliothek auch öffnen, sichtbar und zugänglich machen. 

Und deshalb sind wir seit 2012/2013 im Gespräch. Im Gespräch mit Propst Gunkel, mit Tobias Henkel (Direktor der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz), mit der Landeskirche und und und….. Denn Verantwortung für diesen Bestand hat nicht nur die Kirche, ganz sicher auch die Stadt Goslar. Jedenfalls dann, wenn die Stadt die Marktkirchenbibliothek dauerhaft auch in der Stadt sichern will.

Und wir haben einen Ort im Auge, an denen die kostbaren Druckwerke aufbewahrt werden können: unseren Kulturmarktplatz, der in den nächsten Jahren in der ehemaligen Hauptschule Kaiserpfalz entsteht. 

Das ist eine Bereicherung – für beide Seiten. Für die Fachwelt ist die Sammlung der Marktkirchenbibliothek laut Helmut Liersch etwas ganz Besonderes. Das erschließe sich dem Laien auf den 1. Blick nicht. Der ehemalige Propst der Propstei Goslar (2000-2011) fand seine Leidenschaft zur Bibliothek selbst erst im Ruhestand. Damals las er alles darüber und es fiel ihm wie Schuppen von den Augen, wie er heute erzählt. 

Er googelte den Reformationshistoriker Ulrich Bubenheimer und nahm Kontakt auf. Seit dem Frühjahr 2012 kommt er regelmäßig nach Goslar, um gemeinsam mit Helmut Liersch zu forschen. 

Erst im Dezember lockten sie mit einer weltweit einzigartigen Entdeckung (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Sensation-500-Jahre-altes-Ablassplakat-entdeckt,ablassplakat100.html) die Presse in Scharen nach Goslar. 

Immer wieder entdecken sie Spannendes in den alten Büchern aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Einen großen Teil bildet die Privatbibliothek des Klerikers und Notars Andreas Gronewalt (auch: Gronewold), der in Halberstadt lebte. Aus seinen gesammelten Büchern, die 1535 nach Goslar kamen, kann man seine Einstellung zu Martin Luther und zur Reformation erkennen und wie sie sich mit den Jahren gewandelt hat. Das haben Liersch und Bubenheimer herausgefunden. 

Sie haben die Bücher mit den Notizen Gronewalts mehr als vier Jahre intensiv erforscht und können heute ein Charakterbild des Mannes zeichnen. Ihre Erkenntnisse haben sie in einem Buch über die Marktkirchenbibliothek niedergeschrieben, das demnächst erscheint. Ich bin schon gespannt. 

Und ich habe mich von der Begeisterung für diese ganz besondere Bibliothek anstecken lassen – ich bin in den Förderverein Marktkirchenbibliothek eingetreten. Natürlich auch aus Verbundenheit zum Vorsitzenden des Vereins, meinem lieben - ehemaligen - Nachbarn Hans Zilch. So eine Arbeit kann man nämlich nur unterstützen. 

Viele Museen beneiden die Marktkirchengemeinde für ihre Bücherei. Das verdeutlicht noch einmal, welches Schätzchen wir da haben. 

Und wenn wir nicht vernünftig darauf aufpassen, interveniert irgendwann die Kirche und bringt die Bücher nach Wolfenbüttel oder an einen anderen „sicheren“ Ort. 

Denn in den vergangenen Jahrhunderten wurde mit den Büchern nicht besonders sorgfältig umgegangen. 1841 zum Beispiel trat die Stadt an den Kirchvorstand heran und bat um Platz für die Urkunden. Die Bücher mussten weichen und landeten in einem Verschlag. Dort herrschten natürlich nicht gerade optimale Bedingungen und es kam, wie es kommen musste: Die Bücher nahmen Schaden. Das wollen wir in Zukunft nie wieder riskieren. 

Die Kirche sicher auch nicht, da würde sie die historischen Werke vorher tatsächlich in Sicherheit bringen. Und sind sie erst einmal weg, kommen sie nie wieder zurück nach Goslar; da bin ich mir sicher. Aber die Gefahr besteht nicht. 

Wir achten darauf, dass für Marktkirchenbibliothek, Stadtbibliothek und Stadtarchiv die optimalen Bedingungen vorherrschen, wenn sie Teil des Kulturmarktplatzes werden. Unkaputtbares Papier, kräftige Farben, die bereits hunderte Jahre überdauert haben, Spuren, die Leser früherer Jahrhunderte hinterlassen haben – all das sollen auch künftige Generationen noch bestaunen können.