Herzenssache Goslar: Die Marketinggesellschaft (GMG)

Wenn wir einig werden in der Stadt, dann können wir in wenigen Wochen den neuen Geschäftsführer bzw. die neue Geschäftsführerin der Goslar Marketing Gesellschaft vorstellen. Endlich! Deshalb ist es eine richtige Zeit, über meine Herzenssache GMG - unsere Marketinggesellschaft zu schreiben.

Zunächst ist es richtig, von einer Erfolgsgeschichte zur sprechen. Der Gedanke, die Marketinginteressen der Stadt (gemeint ist Rat und Verwaltung), von Einzelhandel (organisiert heute “nur noch” in der Kaufmannschaft), der Wirtschaft (organisiert in ProGoslar e. V.), von Hotels & Gastronomie (organisiert in der IGG) in einer privaten Gesellschaft Goslar Marketing GmbH zusammenzufügen sehe ich sehr positiv. Zudem war der erste Geschäftsführer Michael Bitter ein Glücksfall für die Stadt und die Gesellschaft. 

Bild: Rechts Michael Bitter bei der Vorstellung der Erlebniswelt Harz gemeinsam  mit Thomas Brych und Gerd Lenz.

Michael Bitter ist es gelungen, die verschiedenen Interessen und Meinungen so zusammenzufügen, dass die Gesellschaft schlagfertig wurde und hat mit dem Aufbau einer attraktiven Tourist-Info, mit lebendigen Veranstaltungen (heute würde man von Events sprechen), mit Werbeaktivitäten nach außen für Touristen und nach Innen (so z. B. die Imagebroschüre der Stadt) die traditionsreiche Kaiserstadt auf die Höhe der Zeit gebracht. 

Das ist mir wichtig zu betonen, wird doch gerne meine Haltung zur GMG als “gestört” oder “kritisch” von der GZ bezeichnet. 

Kritisch begleite ich aktuell vielmehr den Weg nach vorne, hin zu den nächsten 10 Jahren GMG. Denn: Nach dem krankheitsbedingten Ausfall und Weggang von Michael Bitter ist doch eine gute Chance auch dafür, eine selbstkritische Bestandsaufnahme zu machen und sich Fragen in Goslar zu beantworten: 

Was macht die Marketinggesellschaft eigentlich? Was kann die eigentlich? Mit welchen Zielen ist die Arbeit versehen? Mit welchem Etat ausgestattet? Mit zu viel oder zu wenig Personal? Wie eng ist die Kooperation mit dem Kulturbereich? Wie eng ist die Kooperation mit der Wirtschaftsförderung? Ist es wirklich ein Problem, für die Tourist-Info einen anderen Standort im Rathaus zu organisieren? Kann der geplante Tourismusbeitrag eine nachhaltige Finanzierungsquelle der GMG sein? Welche Auswirkungen hat eine Einführung auf die derzeitige Finanzierungsstruktur, insbesondere die Beiträge der privaten Gesellschaft? Ändern sich bei veränderter Finanzausstattung auch Gesellschafteranteile? Bleibt die Zusammensetzung des “kleinen” Aufsichtsratsrates so erhalten? Kann nicht das Thema Tagungsgeschäft stärker Berücksichtigung finden? Muss nicht das Binnenmarkting deutlich ausgebaut werden? Reichen Walpurgis, Kaisermarkt, Altstadtfest, Kunsthandwerkermarkt und Weihnachtsmarkt als Traditionsveranstaltungen aus? Müssen die “Sondernutzungen” bei der GMG bleiben? Und Und Und …… Themen und Fragen hier nur ganz ungeordnet und was mir gerade eingefallen ist, da kann ganz sicher noch eine ganze Menge mehr zusammengetragen werden.

Diese Fragen sind auch deshalb zu beantworten, weil inzwischen jedem offenkundig geworden ist, dass die Gesellschaft chronisch unterfinanziert ist. Zu wenig finanzielle Luft für Neues, für Ideen und Kreativität hatte die GMG im übrigen vor 5 Jahren auch schon. Der Tag der Niedersachsen war eine lebensverlängernde Maßnahme für die GMG, wollen wir nicht vergessen.

Zu kurz gesprungen ist jedenfalls ein Ansatz, den man hier und da hört: Erfolgsgeschichte GMG fortschreiben mit 50.000 oder 100.000 EUR mehr im Jahr. Dann ist die Welt doch wieder heile. 

Ist das wirklich so? Bringt man die Stadt so in den Wettbewerb mit anderen, vergleichbaren, touristisch-orientierten Städten? 

Auch hier, Hand aufs Herz: Goslar hat im Vergleich zu anderen Städten in den vergangenen Jahren verloren. Und zwar auch, weil Stillstand in der GMG war.

Für Richtig halte ich deshalb vielmehr einen Prozess, der so oder so ähnlich aussehen könnte: Analyse mit externer Begleitung: Wo stehen wir in Goslar? Stimmen Aufgaben und Strukturen? Welche Aufgaben und Strukturen wollen wir in der GMG und welcher Finanzbedarf dazu ist nötig! Diesen Fragen sollten wir uns selbstkritisch stellen und zwar BEVOR wir über Geld und Finanzausstattung der GMG reden.

Und dieser Prozess sollte durch den neuen Geschäftsführer mitbegleitet und mitorganisiert werden. Es muss “sein” Prozess werden. Natürlich darf es auch eine Geschäftsführerin sein….

Und dann sollten wir uns um den Umzug der Tourist-Info ins Rathaus kümmern. Übellaunig bin ich immer noch auf alle die Menschen, die die große Chance der Tourist-Info im historischen Rathaus nicht sehen.

Aber: Nicht nur der Umzug kostet Geld, auch die neue Ausstattung kostet Geld. Das kann die Gesellschaft kaum aus sich selbst heraus tragen. Hier ist die Stadt  selbstverständlich am Zug, in der Verantwortung.

So, da sind viele Aufgaben für uns, denen wir uns stellen müssen, wollen wir jetzt den “großen Wurf” wagen. Ich jedenfalls wünsche mir einen Prozess, der alle Gesellschafter - vielleicht in Zukunft noch stärker auch DEHOHGA - im Gesellschafterboot verbleiben lässt. Ich wünsche mir einen Prozess, der die GMG noch stärker macht und insbesondere Kooperationen zum Kulturbereich, zum Veranstaltungsgeschäft und zur Wirtschaftsförderung verstärkt. Und zuletzt wünsche ich mir eine GMG, die mithilft, aus 50.000 Menschen in Goslar, 50.000 fröhliche, stolze, selbstbewusste Botschafter der Stadt macht. 

Die Zeichen dafür stehen gut. Nutzen wir die Chance!

Herzenssache Goslar: Die Goslar Marketing Gesellschaft.