Herzenssache Goslar: Die Kultur als harter Standortfaktor

Unmittelbar nach seiner Wahl zum Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade im Sommer 2014 hat mich Eckhard Sudmeyer in Goslar besucht. Der Grund war – wie so oft im Leben – ein netter Zufall. Herr Sudmeyer hat im Sommerurlaub meinen guten Freund Manfred Häusler aus Bayreuth kennengelernt, man hat sich verquatscht, ist auf Goslar gekommen und und und. Und in diesem ersten Gespräch mit Herrn Sudmeyer waren wir uns schnell einig. Kultur und Wirtschaft, Kultur und Handwerk – das gehört eng zusammen. 



Und ich habe berichtet, dass die „Kulturstadt Goslar“ tatsächlich ein wichtiger Standortfaktor für Handwerk und Wirtschaft in der Stadt ist. Das Gespräch war der Ausgangspunkt dafür, dass die Stadt Goslar nach Buxtehude (2014), Lohne (2015) und Lüneburg (2016) Ausrichter der Veranstaltungsreihe „KulturKontakte“ in diesem Jahr sein darf. 



 Im Rahmen mehrerer Veranstaltungen in diesem Jahr wollen wir uns im Austausch zwischen Wirtschaft, Handwerk und Kultur Gedanken über das Miteinander und die Abhängigkeiten von Kultur und Wirtschaft in der Stadt machen. Was macht Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsförderung in einer Kommune aus? Aus meiner Sicht gerade nicht: möglichst tiefe Gewerbesteuerhebesätze, möglichst tiefe Grundsteuer B, möglichst keine zusätzlichen Belastungen wie Tourismusbeitrag, Bettensteuern, Straßenausbaubeitragssatzung, Business Improvement District (BID) oder dergleichen. Und für Goslar ist natürlich auch festzuhalten, dass eine solche strategische Ausrichtung die Stadt mit ihrem Haushalt komplett an den Abgrund gebracht hat. Denn: Die „Steueroase“ Goslar hat ja gerade nicht zu wachsender Wirtschaft und Arbeitsplätzen geführt. 

 Der fehlende Haushaltsausgleich hat vielmehr dazu geführt, dass die Stadt über viele Jahre auf Verschleiß gefahren wurde und von der Substanz gelebt hat. 

 Wirtschaftsfreundliche Politik einer Stadt sieht für mich anders aus: 

 1. gilt: „Leben und leben lassen“ – Unternehmertum und wirtschaftliches Leben funktioniert nur dann, wenn tatsächlich auch Geld verdient werden kann. Ergo: Es gibt deutliche Höchstgrenzen bei den Kommunalsteuern. 

 2. gilt: Klare Analyse, was Unternehmerinnen und Unternehmern in Goslar wichtig ist. 


Und das bekommt man raus, indem man tatsächlich ganz viel zuhört, bei den Betrieben in der Stadt, bei den Kleinen und den Großen und sich eben nicht auf die veröffentlichten Meinungen in IHK-Zeitungen und anderen Medien verlässt. Und Unternehmensbesuche mache ich tatsächlich eifrig, mit und ohne die Wirtschaftsförderung der Stadt. 

 Die Themen sind aktuell: 

 1. Unsicherheit beim Thema Tourismusbeitrag und Gästebeitrag, das Thema muss also jetzt zügig abgeräumt werden. 

 2. Themen sind gerade nicht: - Steuererhöhungen im Rahmen Zukunftsvertrag - zu langsame Verwaltung - Denkmalschutz oder dergleichen 

3.  Zentrales Thema ist: Woher kommen die Menschen & die Mitarbeiter, die in den nächsten Jahren in unseren Betrieben benötigt werden. Und damit hängt sehr stark die Frage zusammen. Wie fühlen sich Menschen in Goslar wohl? Wie ist das mit unseren Straßen, Fußgängerzone, Kitas, Schulen… Daraus habe ich abgeleitet: Wir dürfen die Stadt nicht weiter auf Verschleiß fahren! Die Stadt muss investieren in Infrastruktur, Geld ausgeben aber auch im operativen Geschäft für Wirtschaftsförderung, für Werbung, für Image. 



 Und dabei bin ich beim Thema Kultur: Kultur war Schonvermögen im Zukunftsvertrag und es gibt wohl wenige Städte in Deutschland, die aktuell eine neue Bibliothek und ein neues Archiv gleichzeitig bauen, Stichwort: Kulturmarktplatz Kultur bedeutet ja nicht, dass wir Unternehmergelder „absaugen“ und Geld für „Kultur-Gedöns“, für 3 Prozent Kulturinteressierte ausgeben. 

 Sondern: Kultur organisieren und finanzieren, damit bei den Goslarer Unternehmen überhaupt Geld verdient werden kann! Das darf mal so bewusst zugespitzt werden. Ich sage selbstbewusst: Die Strategie stimmt in Goslar! 

Sonst hätten wir keine schnelle Entwicklung des Fliegerhorstes, keine Neuansiedlungen und Betriebserweiterungen in der Stadt. Kultur spielt dabei eine ganz zentrale Rolle. Mich nervt dieser konstruierte Gegensatz zwischen Wirtschaft und Kultur. 

 Goslar bleibt auch für die Wirtschaft nur dann attraktiv, wenn wir die Themen, die man früher sogenannte „weiche Standortfaktoren“ genannt hat – ein im Übrigen vollkommen überholter Begriff – ganz konkret in Goslar organisieren. Und das ist eben auch Kultur. Nur dann fühlen sich Menschen wohl, die brauchen wir für unsere Betriebe, für unsere Unternehmen!