Herzenssache Goslar: “Die kleinen Dinge”

Jede Woche erlebe ich in meinem Amt als Oberbürgermeister über 50 Termine und Abstimmungsrunden. Mal sind es 70, mal sind es nur 40, es sind aber jede Woche viele, viele kleine und große Probleme dabei, oder, wie wir Politiker sagen (müssen), Herausforderungen. 


 Und dabei gibt es Dinge, die hört man nur ein einziges Mal und dann nie wieder. Vielleicht auch, weil sie tatsächlich ganz schnell und unproblematisch entschieden und gelöst werden können. 

Und es gibt Dinge und Themen, die hört man öfter. Das sind manchmal auch sehr komplexe, vielschichtige Themen. Und auf komplexe, vielschichtige Sachverhalte gibt es eben sehr oft keine einfachen, schnellen Antworten. Auch wenn die gerne von Bürgern, Medien – ja auch von Ratspolitikern –eingefordert werden. 

 Und es ist natürlich kein Geheimnis, dass jedem Menschen bestimmte Themen näher sind, mehr/stärker interessieren. Letztlich sind aber alle gleich wichtig. Es macht für den Bürger (also Bürgerin und Bürger wie ich ja jetzt auf Bitten von Frau Tietz, der Gleichsteillungsbeaufragten, immer sagen und schreiben muss) am Ende nämlich keinen Unterschied, ob ein Pfalzquartier bebaut wird oder nicht, eine Straße saniert, ein Supermarkt angesiedelt, der Haushalt ausgeglichen ist oder eine neue Rutsche auf einem Spielplatz nötig wird. Wichtig und dringend sind für jeden der fast 51.000 Einwohner andere Themen, andere Wertigkeiten, andere Prioritäten. Die Grünfläche vor der Tür ist näher und wichtiger als die Grünfläche vor der Kaiserpfalz - verständlich, oder?

 Jede Bürgerin und jeder Bürger, gleichgültig ob sechs oder 66, hat für sich eben ein zentrales und wichtiges Anliegen. Dieses auch als wichtig zu erachten, antworten zu geben, Lösungen zu entwickeln macht nach meinem Dafürhalten die Arbeit eines Oberbürgermeisters aus und führt damit auch zu Zufriedenheit mit/in der Stadt Goslar. 

Warum erzähle ich das? Weil mich im Sommer diesen Jahres ein junger Mann angeschrieben hat. Zugegeben, nicht ganz alleine, seine Mama hat etwas geholfen, aber der junge Mann, Connor, hatte ein wichtiges Anliegen auf seinem Spielplatz um die Ecke, im Oppelner Weg. 


 Er hat mir aber keinen Brief geschrieben, sondern – heute macht man das ja so – an meiner Pinnwand auf meiner FB-Seite gepostet. Mit Bild natürlich und allem Drum und Dran. Danach passierte plötzlich eine ganze Menge. Menschen schlossen sich Connor an, sie hatten das gleich Problem und wollten, dass hier endlich etwas passiert. 

Wichtiger noch, sie wollten Gehör für ihre Sorgen und Probleme. Nach kurzer Zeit waren über 100 Menschen in der Diskussion, gaben ein „gefällt mir“ oder diskutierten mit. 

Ganz ehrlich! Ich muss wirklich jeden Tag eine ganze Menge Schrott und Unsinn in den Sozialen Netzwerken lesen. Und manchmal sind Kommentare auch richtig hässlich. Trotzdem schalte ich die Systeme nicht ab. Ich bin überzeugt davon, dass es meine Aufgabe ist, zu meinen Pflichten gehört, auch über Soziale Medien für Menschen erreichbar, ansprechbar zu sein. 

 Diese Diskussion um den Spielplatz in Jürgenohl war eine gute, ansprechende Diskussion. Die gibt es nämlich auch! Und darüber habe ich mich sehr gefreut, weil genau das unsere Stadt ausmacht. Der Dialog, das Ringen um Verbesserung und das in den Mittelpunkt stellen von – vermeintlich – kleinen Problemen. Es sind nämlich genau diese kleinen Sachen, die darüber entscheiden, ob ich mich in meinem Viertel oder in meiner Stadt wohlfühle oder nicht, ob ich etwas verändern kann, oder nicht. 

Und ist sind genau diese kleinen Dinge, die Vertrauen in Politik aufbauen können und vielleicht auch dazu führen, dass bei der nächsten Kommunalwahl ein Bürger mehr sagt: Da gehe ich hin, ich gehe wählen, die Kommunalpolitiker kümmern sich um meine Themen. 

 Und über Facebook habe ich mich dann auch mit Connor (und seiner Mutter!) verabredet. Wir haben uns wenige Tage nach der Netz-Diskussion auf dem Spielplatz am Oppelner Weg getroffen und besprochen, was sich verändern muss und wie es besser werden kann. 

Es ging nicht um 10.000 Euro oder mehr, es ging um relativ wenig Geld, aber um ein Wohlfühlen und ein „wann passiert hier mal was“. Nun haben wir ein kleines Problem weniger in unserer Stadt, durch einen Besuch, ein Gespräch und ein Kennenlernen. Wenn es also so einfach ist, wieso sprechen wir dann nicht einfach alle mehr miteinander und versuchen Probleme so zu lösen? Connor hat es so gemacht, würde es sicher auch wieder so machen! 

Ein schönes Wochenende. Meine Herzenssache Goslar in dieser Woche: Die kleinen Dinge!

Oliver JunkHerzenssache, goslar