Herzenssache Goslar: Die Kaufmannsgilde

„Einzelhandel kommt von einzeln handeln“ – vielleicht kennen Sie diesen Satz. Und er hat in vielen Städten leider Gültigkeit. Da werden noch nicht mal Öffnungszeiten, Mittagspausen und Verkaufsoffene Sonntage miteinander abgesprochen. 

Deshalb bin ich froh über die Kaufmannsgilde in Goslar. In dieser Kaufmannsgilde sind die Einzelhändler der Innenstadt zusammengeschlossen: www.kaufmannsgilde.de

Der Einzelhandel der funktioniert in Goslar, artikuliert gemeinsame Interessen gegenüber Politik, Marketinggesellschaft, Verwaltung, Oberbürgermeister - Richtig so! 

Und die Stadt braucht den Handel ganz dringend in der Innenstadt! Machen Handel und Geschäfte nicht gerade Attraktivität von Innenstädten aus? Wer von uns ärgert sich nicht über Leerstände und öde Fußgängerzonen….. Geschäfte betreiben kann die Stadt unmittelbar selbst nicht. Aber als Oberbürgermeister in leere Ladenlokale zu schauen und mit den Achseln zu zucken, ist vielleicht auch zu wenig. Natürlich funktioniert nicht mehr jede Lage – hier müssen aus Ladenlokalen z. B. Wohnungen werden. 

Und eine Stadt kann helfen, Ladenlokale zusammenzulegen (Beispiel Rossmann in der Breiten Straße) oder kann für Attraktivität sorgen durch eine neue Fußgängerzone auch ohne Straßenausbaubeitragssatzung, durch attraktiven ÖPNV, ausreichend und nahen Parkraum, vernünftige Parkgebühren, Beleuchtung, Stadtmöbel, Veranstaltungen in der Stadt usw. 

Erst Anfang des Monats berichtete die Zeitung ausführlich über den sogenannten Zentralitätsindex in Goslar. Angenommen, alle Einwohner Goslars würden den Anteil ihrer Kaufkraft in Goslarer Läden ausgeben und von außen würde niemand auch nur einen Euro beisteuern, hätten wir den Wert 100. In Goslar haben wir nach einer Erhebung im Auftrag der IHK Braunschweig aber einen Zentralitätsindex von 163,7. Das heißt: Bei uns kaufen auch Touristen und – wie ich bei meinen Besuchen in Goslarer Geschäften schon gelernt habe – vor allem Menschen aus der Umgebung ein. Das ist ein super Wert! Damit liegt Goslar noch vor Braunschweig. „321,74 Millionen Euro als Kaufkraft für Goslar – inklusive Ausgaben im Internet und beim Versand“, so war in der GZ zu lesen. „Der stationäre Umsatz (ohne Internet und Versandhandel) betrug aber 467,16 Millionen Euro. Macht im Ergebnis einen Zufluss von 145,42 Millionen Euro.“ Goslars Handel ist attraktiv. 

Patrick Werner, Vorsitzender der Kaufmannsgilde und Geschäftsführer von Werner und Habermalz wird zitiert mit dem Satz, Goslar besitze nach wie vor eine hohe Magnetkraft. Ganz genau. Und daran tragen er und seine Mitstreiter der Kaufmannsgilde einen wesentlichen Anteil. Die Kaufmannsgilde funktioniert so gut wie der Einzelhandel auch. 


Zahlreiche Jungunternehmer der Innenstadt habe ich ermuntert, nicht zu meckern und zu kritisieren, sondern sich konstruktiv einzubringen und mir in die Diskussion zu kommen: Wie soll die neue Fußgängerzone aussehen? Wie soll das werden mit dem neuen Busliniennetzplan? Wie finanzieren wir die Weihnachtsmarktbeleuchtung? Welche Veranstaltungen sollen in der Innenstadt stattfinden? Was wollen Händler von der Stadt, von der Goslar-Marketing-Gesellschaft? Das sind zum Beispiel Fragen, die wir diskutiert haben. 

Und ich habe die Jungunternehmer ermuntert, auch im Vorstand der Kaufmannsgilde Verantwortung zu übernehmen. Ist es nicht so, dass ein Geschäftsinhaber eines Einzelhandelsgeschäftes mit 40 Jahren noch mehr Interesse an der Fortentwicklung der Innenstadt hat als ein Inhaber mit 60 Jahren? Während die jungen Unternehmer frische Ideen und Tatendrang mitbringen, steuern die alten Hasen ihre Erfahrung bei. Das ist eine gute Mischung. Die Einzelhändler setzen sich dafür ein, Goslars Innenstadt noch attraktiver, lebendiger und aktiver zu machen. 

Die jungen Unternehmer übernehmen dabei eine zunehmend größer werdende Verantwortung innerhalb Goslars – das ist sehr, sehr positiv. Ich freue mich darüber, dass das eine oder andere meiner Gespräche vielleicht auch dazu geführt hat, dass sich der Vorstand der Kaufmannsgilde ganz erheblich verjüngt hat. 

Zum Beispiel mit den Brüdern Dominik und Patrick Werner, 5. Generation des Traditionsunternehmens Werner und Habermalz. Zum einen motivieren Sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, indem sie etwa mit einer schön gestalteten Dachterrasse dafür sorgen, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Zum anderen ersinnen sie Möglichkeiten, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen. 


Neben den Brüdern Werner denke ich da unter anderem an Andreas Keller (Foto Keller), Anna Seidel (Pizza-Treff), Markus Leon-Fernández (Fußball-Spezialist Goslar), Dirk Schneevoigt (Deckert), Volker Schmitz (Gästehaus Schmitz), Nadine Neumann (Karstadt) und natürlich auch an Matthias Schmidt (Augenoptik in der Rosentorstraße). Sie kreieren gemeinsam neue Synergieeffekte und nutzen die vorhandenen. „Man kann die Leute in Goslar mit solchen Ideen „mitnehmen“, motivieren und durch neue Anreize mehr Handel, mehr Bewegung nach Goslar bringen“, erzählt Patrick Werner. 

Dass das funktioniert, zeigen die „Wochenmarkttage“ dienstags und freitags, an denen ein reger Publikumsverkehr in der Stadt herrscht. Ein spannendendes Thema für die Stadt Goslar ist auch ihre Idee, den „Gesundheitsmarkt“ auf dem Jakobikirchhof weiter auszubauen. Wie Patrick Werner sagt: Altbewährtes neu inszenieren und ein „rund-um-Sorglos-Konzept“ im Bereich Ver- und Vorsorge schaffen – das sollte das Ziel sein. Apotheke, Altersvorsorgespezialist der Bank, Sanitätshaus, Optiker, … alles in greifbarer Nähe; die Lage passt perfekt zum Konzept. Ja, heutzutage reicht es nicht mehr, einfach vor Ort zu sein. Man braucht Ideen, um für Kunden attraktiv zu sein. Man braucht aber genauso genügend Mitstreiter. 


Wer könnte schon etwas mit dem Begriff „Black Friday“ anfangen, würden nicht so ziemlich alle Geschäfte (der Innenstadt) mitziehen und mit vergünstigten Preisen werben? Vereinzelte Rabattaktionen in zwei Läden – das hätte doch niemand mitbekommen. Nein, es braucht den Schwarm, und den bildet die Kaufmannsgilde. 

 Meine Verwaltung jedenfalls unterstützt innovative Projekte auch weiterhin sehr gern und ist stolz auf ihre jungen Unternehmer, gerade auch in der Innenstadt. Es gibt sie, die inhabergeführten Geschäfte in der Innenstadt! Es gibt ihn, den attraktiven Einzelhandel in Goslars Innenstadt. Händler können gute Angebote machen! 

Die Stadt kann einen guten Rahmen schaffen – ob Einzelhandel funktioniert oder nicht hängt aber ganz zuerst von Ihnen ab! Den Menschen, die sich für einen Kauf in Goslar entscheiden, nicht auf der Grünen Wiese oder in der Großstadt und eben auch nicht im Internet. Herzenssache Goslar: Die Kaufmannsgilde

Oliver JunkHerzenssache, Goslar