Herzenssache Goslar - Die Judenteiche

Jetzt haben sie die Bezeichnung „Teiche“ endlich wieder verdient und verdient haben sie es auch, in meiner “Herzenssache” ganz besondere Erwähnung zu finden.

Die Judenteiche werden seit sechs Wochen aufwändig saniert und sind bald wieder frisch. Und sie sind mir vielleicht auch deshalb “wichtig”, weil sie Teil meines täglichen Weges zu Schule, Kindergarten und Arbeit sind.


Ohne Zweifel, es gibt nur wenige Plätze in Goslar, die so schön sind wie das Areal vom Jägerdenkmal über Kahnteich, Zwinger und Judenteiche bis runter zum Breiten Tor. 

Zuletzt war dieser Bereich aber nicht mehr ganz so schön. Die grüne Brühe war weder besonders ansehnlich noch geruchsneutral – die Teiche haben vor allem im Sommer fürchterlich gestunken. 


So ein Spaziergang ist weniger entspannend, wenn einem dabei der Geruch von Kloake um die Nase wabert. Ich persönlich hatte ja den Eindruck, als hätten selbst die Enten das Wasser gemieden. Wer will schon im stinkenden Tümpel schwimmen? 

 Schon 2011 wurde ich mit der Problematik konfrontiert. Alle drei Teiche, die Judenteiche und der Kahnteich, sind bzw. waren derart verschlammt – es gab nur Mief und von Leben im Gewässer keine Spur. Der Obere Judenteich ist vergangenen Sommer sogar umgekippt. Bei meinem Amtsantritt sagte ich mir: „Die Stadt wird ja wohl noch genug Geld haben, um einen Laster und einen Bagger da hinzustellen und den Schlamm auszubaggern.“ Tja, ich musste lernen, dass es sehr viel komplizierter ist. Die Sanierung eines Teiches gestaltet sich leider nicht so einfach wie beim Schwimm- oder Planschbecken. Schnell Wasser ablassen und das Becken schrubben, funktioniert da nicht. Der Schlamm ist mit Schwermetallen belastet und kann nicht einfach aufs nächste Feld gekippt werden. Ich bin froh über meine kompetenten Kolleginnen und Kollegen in der Unteren Wasserschutzbehörde, namentlich Frau Hansche und Herr Moll. 

Die Entsorgung belastet die Stadtkasse erheblich. Für unsere verschlammten Teiche braucht es eben mehr als Laster und Bagger – mehr Aufwand, mehr Technik und mehr Geld. 


Ich bin froh, dass wir alle Komponenten zusammenbekommen haben! Die Initialzündung kam über das Wallanlagenprojekt. Wir können schlecht die Wallanlagen neu gestalten und richtig schick machen und die Menschen dann an stinkenden Tümpeln entlang flanieren lassen. Das musste gemeinsam in Angriff genommen werden. 

Die Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde um Thomas Moll und Luise Hansche haben viele Ideen entwickelt, um eine Nassentschlammung zu stemmen. 


Das ist fürs Ökosystem viel verträglicher, als den Stöpsel zu ziehen und die Teiche trocken fallen zu lassen, um sie dann auszubaggern. Urig sieht es aus, wenn das sogenannte amphibische Gerät – in meiner Sprache ein Arbeitsboot – wie eine gründelnde Ente auf dem Wasser dümpelt und den Schlamm vom Boden absaugt. An manchen Stellen hatte er sich bis zu 1,30 Meter aufgetürmt! Der Schlamm wird zum Parkplatz in der Kötherstraße geleitet und in einem aufwendigen Prozess entwässert, bis ihn ein Fließband in einen Container befördert. Täglich werden drei Container voll Schlamm abgefahren. Das entspricht rund 20 Tonnen. 


 Bald sind die Arbeiten abgeschlossen. Dann können Goslarerinnen und Goslarer und auch all unsere Gäste von nah und fern wieder an den Teichen entlang spazieren, ohne die Nase zu rümpfen. 

Als nächstes steht der Kahnteich auf der Sanierungsliste, denn auch der hat einen inakzeptablen Zustand erreicht. 

In Zukunft soll es gar nicht erst soweit kommen. Die Stadt hat verschiedene Möglichkeiten geprüft, wie wir für genügend Frischwasser sorgen können, damit Kahn- und Judenteiche nicht wieder verschlammen. Favorisiert wird die Lösung, Wasser aus der Abzucht abzuzwacken, also einen Zulauf zu legen. In der Trockenzeit, wenn die Abzucht selbst wenig Wasser führt, wird die Menge entsprechend verringert. Beide Gewässer – Abzucht und Judenteiche – sollen im ökologischen Gleichgewicht bleiben. So tragen wir sowohl der Umwelt als auch der Naherholung unserer Bürger und Besucher Rechnung.

Klar ist auch: Eintrag über Laub, über absterbende Pflanzen, leider auch über Müll wird dazu führen, dass auch irgendwann wieder eine Entschlammung erfolgen muss. Mit Herrn Moll gehe ich davon aus, dass wir aber jetzt 25 Jahre - eine Generation - nicht mehr ran müssen. Sicher also: Die letzte Entschlammung der Judenteiche in meiner Amtszeit. Schön, an einem solchen Generationenprojekt mitzuarbeiten. Herzenssache Judenteiche!

Oliver JunkHerzenssache, Goslar