Die Harzer Betonwarenwerke

Beton – ist das denn wirklich eine Herzenssache? Wir brauchen Beton, sehen und betreten ihn täglich. Aber lieben wir Beton? 

Gerade deshalb. Zeit für eine Herzenssache: Die Harzer Betonwarenwerke in Vienenburg. 

Die Baubranche boomt momentan und aktuell kann ganz gewiss auch gutes Geld verdient werden. Aber ein Beton-Unternehmen über 70 Jahre zu führen – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – das verdient schon auch ganz besondere Anerkennung. Inzwischen in dritter Generation sind die Betonwarenwerke in Vienenburg ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen, zu dem jetzt 70 Mitarbeiter gehören, mit Standorten bei uns in Vienenburg und Wiedelah, aber auch in Hoym in Sachsen-Anhalt. 

Einer der Geschäftsführer ist Klaus Kümper. Man kennt ihn, ich kenne ihn. Denn er engagiert sich ehrenamtlich in der Stadt, z. B. bei ProGoslar. 

Ebenso kontinuierlich wie das Unternehmen ist auch das Sortiment an Betonwaren gewachsen. Während früher vor allem „graue Ware“ angefragt wurde, das heißt Beton wie wir ihn aus den eintönigen Plattenbauten der 70er Jahre kennen, wird heutzutage auch eingefärbter Beton eingefordert. 

 Z. B. durch die Stadt Goslar. Deshalb sind „wir“ auch ins Geschäft gekommen. Denn vor circa 10 Jahren hatte sich die Kommunalpolitik in Goslar aufgemacht, um ihr Wohnzimmer – damit meine ich die Fußgängerzone – in Ordnung zu bringen. Die alten und kaputten Pflastersteine raus, neue Gestaltung, neue Stadtmöbel. Ein Ideenwettbewerb wurde ausgelobt. Die Umsetzung hätte zwischen 15 und 20 Millionen EUR gekostet. Viel zu viel in einer Stadt, die damals in einer desolaten finanziellen Situation war. 

Deshalb wurde aus diesem großen Konzept nur die Fischemäkerstraße umgesetzt. Ja, richtig – manche erinnern sich an die Diskussionen zum China-Pflaster. 

 Wir haben dann das ganze Konzept nach der Kommunalwahl 2011 in den Mülleimer geworfen und uns auf ein neues Modell geeinigt. Schlanker, finanzierbar, funktional – und dafür sorgen, dass wir nicht 50 Jahre brauchen, um die Fußgängerzone schick zu machen, sondern nur 5. Und wir haben uns darauf verständigt, eben kein Pflaster aus China auszuschreiben, sondern Betonsteine. Hässlich? Mitnichten. 

Beton kann auch gut aussehen. In unserer sanierten Fußgängerzone haben wir beispielsweise Steine in verschiedenen Farben verlegt. Die einen sind rötlich, andere blau-grau. Dieses Farbenspiel lockert das Stadtbild auf.

Produziert wurden diese Steine in unserem Stadtteil Wiedelah durch Harzer Betonwaren. Die Stadt hat inzwischen deutlich über fünf Millionen EUR in den Umbau der Fußgängerzone investiert. Und es geht weiter! Momentan gestalten wir zum Beispiel die Fußgängerzone in der Bäckerstraße um. Das alte marode Pflaster weicht den neuen mehrfarbigen Betonsteinen. Das sieht nicht nur schöner aus – vor allem die Sicherheit ist wieder hergestellt. Zuletzt war dieser Teil der Bäckerstraße eine Stolperpiste mit lockeren, fehlenden oder gebrochenen Steinen. Wenn wir vor der Sparkassenpassage fertig sind, ist das Areal bei Karstadt an der Reihe. Ich sage deutlich: Nur der städtische Bereich. Leider gestalteten sich die Gespräche mit Karstadt schwierig. Es wäre schön gewesen, wenn sich das Unternehmen auf ihrem eigenen Grund und Boden auch engagiert hätte. 

 Ich freue mich jedenfalls über die Aufträge an die Harzer Betonwarenwerke. Passt doch gut. Und noch dazu bleibt das Geld in der Stadt, bei unseren eigenen Unternehmen. Farbiger Beton ist jedoch etwas aufwändiger herzustellen. Deswegen hat das Unternehmen die Halle an seinem Standort in Wiedelah den aktuellen Sicherheitsvorschriften angepasst, umgebaut und erweitert. 

Wo vorher nur in kleineren Mengen produziert werden konnte, kann die Firma jetzt dem gestiegenen Bedarf gerecht werden. Der Firmenhauptsitz in Vienenburg koordiniert die Produktion. 

Dort werden aber auch Schachtsysteme und die hoch belastbaren Ribelithrohre hergestellt, deren Verbauung besonders umweltgerecht ist. Auch dieser Standort musste den neuesten Sicherheitsstandards angepasst werden. 

Klaus Kümper nutzt aktuell die Zeit. Er investiert. Deutlich über vier!! Millionen EUR investiert er aktuell in seine Standorte in Wiedelah und Vienenburg. Und die städtische Wirtschaftsförderung, meine Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung, haben mitgeholfen, dass das Unternehmen dafür auch Fördermittel ergattern konnte. Es werden nämlich neue Arbeitsplätze entstehen bzw. sie sind schon entstanden. 

Ich war kürzlich (richtig, es war vor den Herbstferien - noch ohne Regenschirm und dicke Jacke) mit meiner Kollegin Sandra Bogisch von der städtischen Wirtschaftsförderung zu Besuch bei Herrn Kümper, um mich über das Unternehmen und die Investitionen zu informieren. 

Goslar kann sich freuen und Goslar ist stolz,  solche investitionskräftigen Unternehmen zu haben. Herzenssache Goslar: Die Harzer Betonwarenwerke in VIenenburg.