Herzenssache Goslar: Die Fliegerhorstentwicklung OST zum Wohngebiet “Am Brunnenkamp”

In der nächsten Woche wird auf dem Fliegerhorst die Erschließung des Wohnquartiers „Am Brunnenkamp“ fertiggestellt und der Bereich mit einem symbolischen Akt offiziell eröffnet. Und deshalb ist es die richtige Zeit, an die jüngere Geschichte der Entwicklung zu erinnern.  Herzenssache Goslar: Die Entwicklung des Fliegerhorstgeländes Ost zum Wohngebiet “Am Brunnenkamp”

Bild: Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas (rechts) und Sylvia Viebach (Chefin der Liemak, das ist die Immobilientochter der Kosterkammer)

Mit der Erschließung des Wohnquartiers haben wir einen weiteren wichtigen Schritt in der Entwicklung des Fliegerhorstes vollzogen -ohne Frage ein aus gesamtstädtischer Sicht sehr bedeutendes Areal. 

Es ist doch tatsächlich Wahnsinn, wie sich das Gelände momentan verändert. Und im Hinblick auf die lange Zeit, die seit der Auflösung des Luftwaffenausbildungsregiments und die Übernahme der Liegenschaft durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) vergangen ist, sind doch alle Diskussionen, die wir momentan führen – ob der Fahrradweg straßenseitig links oder rechts verlaufen soll, ob das Abwasserrohr nun 100 oder 120 cm Durchmesser haben soll oder in welchen Abständen die LED´s auf den Erschließungsstraßen angebracht werden – tatsächlich Luxusdiskussionen.

Wer hätte 2012 daran geglaubt, dass es zu einer so schnellen Entwicklung kommen kann? 

Bild: Die Investoren für Mitte und West: Uwe Schwenke de Wall junior und Uwe Schenke de Wall senior (von rechts).


Entscheidend war zunächst unsere Entscheidung, dass Gelände überhaupt entwickeln zu wollen. 

Und auch entscheidend war es, dass ich Personalkapazitäten für die Fliegerhorstentwicklung bereit gestellt habe. Mrs. Fliegerhorst ist Claudia Marx, meine Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung, die sich seit vier Jahren mit ganzer Arbeitskraft und hohem Engagement und sehr erfolgreich um die Entwicklung gekümmert hat.

Und Dank ist auch dem Chefwirtschaftsförderer Dirk Becker zu sagen. Sein Verhandlungsgeschick in Magdeburg bei der BIma, in Hannover, in Braunschweig, in Goslar war ebenfalls mitentscheidend. 

 Nur mal so zu Erinnerung: Die letzten Soldaten sind 2009 vom Gelände gegangen und konkrete Ideen und Strategien zur Entwicklung lagen jedenfalls nicht vor als ich 2011 in Goslar erstmals über das Gelände (immerhin 62 ha) gegangen bin. Gute Grundlage war jedenfalls das ISEK-Gutachten von Prof. Ackers, aber das gehörte offenbar leider nicht zur Pflichtlektüre in der Stadt. 

Dann die Gespräche mit der BIMA, um diese davon zu überzeugen, Geld für die Investorensuche zuzulegen und schließlich die lokalen Investoren auch zu finden und mit den Herren Bruns, Lüder und Schwenke de Wall, der LIEMAK und der Klosterkammer die Fläche gemeinsam zu entwickeln. Viele Stunden Arbeit und lange Diskussionen, aber alle Mühen haben letztendlich zum Erfolg geführt. 

Hier nochmal die großen Eckpunkte, soweit ich sie aus dem Vorgang “Fliegerhorst” und meinem Kalender zusammentragen konnte:

Im Herbst 2004 wird die Strukturreform der Bundeswehr beschlossen. 

Am 12.12.2006 folgt die offizielle Auflösung des Goslarer Luftwaffenausbildungsregiments, wobei ein vorübergehender erhöhter Bedarf den Zeitpunkt der Standortschließung immer wieder verschieben lässt. 

Am 24.11.2009 wird das letzte Ausbildungsbataillon außer Dienst gestellt. 

Am 30.06.2010 verlässt auch das Nachkommando den Standort. 

Am 01.07.2010 wird die Liegenschaft durch die BImA übernommen. 

Im Januar 2011 liegt das Städtebauliche Gutachten Fliegerhorst Goslar vom Büro Ackers vor. 

Am 27.03.2012 gibt es ein Gespräch in Goslar mit dem Konversionsbeauftragten im Innenministerium Bach wegen Fördermitteln 

Am 30.04.2012 kommt der Vorstandssprecher der BImA Dr. Jürgen Gehb zu einem Gespräch nach Goslar; Danach Kurswechsel bei der BImA, das Gelände soll jetzt in Teilen veräußert werden 

Am 18.10.2012 sichert der damalige Innenminister Uwe Schünemann bei einem Treffen in Goslar die Unterstützung der Landesregierung zu. 

Am 27.05.2013 gibt es ein Gespräch mit Innenminister Pistorius in Hannover. Auch die neue Landesregierung hat Interesse an der Entwicklung.

Am 28.05.2013 werden die Planungen der LIEMAK und der Klosterkammer in einem Pressegespräch vorgestellt. 

Am 23.08.2013 gibt es ein Treffen mit Birgit Honé, Staatssekretärin der Nds. Staatskanzlei. 

Am 17.09.2013 folgt ein Gespräch mit Wirtschaftsminister Lies in Hannover wegen möglicher GRW-Förderung. 

Am 11.04.2014 unterzeichnen BImA und Klosterkammer einen Letter of Intent für die Entwicklung Fliegerhorst Ost zum Wohngebiet.  

Am 01.07.2014 werden die städtebaulichen Planungen in einer Info-Veranstaltung in Jürgenohl vorgestellt. 

Am 29.07.2014 stellen die Investoren Bruns, Lüder und Schwenke de Wall ihr Konzept öffentlich vor. Danach werden Fliegerhorst Mitte und West zum Gewerbe- bzw. Mischgebiet.  

Am 27.01.15 beschließt der Rat über die Investorenauswahl für die Bereiche „West“ und „Mitte“. 

Am 15.07.2015 ist der Auftakt der Kampfmitteluntersuchung Ost. 

Am 21.07.2015 folgt der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Ost. 

Am 23.10.2015 gibt es erneut eine Besichtigung des Geländes mit dem Innenminister. 

Am 19.11.2015 findet eine Besprechung zum Thema Kampfmittelräumung in Hannover statt. 

Am 17.12.2015 entscheidet die BImA, die restlichen Kosten der Kampfmittelräumung für Ost zu übernehmen. 

Am 16.03.2016 werden die Aufstellungsbeschlüsse der B-Pläne Mitte und West gefasst sowie der Projektfeststellungsbeschluss zur Erschließung Fliegerhorst Ost 

Am 21.04.2016 wird der Kaufvertrag für den Bereich Ost von der BImA, der Klosterkammer, der LIEMAK und der Stadt Goslar unterzeichnet. 

Am 20.02.2017 beginnt die Erschließung des Bereichs Fliegerhorst Ost. 

Aktuell werden im Hinblick auf Fliegerhorst Mitte und West die Planungen überarbeitet und ein Erschließungsvertrag ist in der Endabstimmung. Gerade gestern haben wir uns auf die durch die Investoren zu erbringenden Sicherheiten im Hinblick auf die Erschließung geeinigt. 

Die Stadt Goslar hat sich der großen Herausforderung gestellt und es sich als Trägerin der Planungshoheit zur Aufgabe gemacht, die gebotenen Handlungs- und Entwicklungsspielräume zu nutzen; mit dem Ziel, Goslar als attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort der Region in den Konzepten zu verankern.

Und wir haben es geschafft, dass 62 ha - unmittelbar angrenzend an Jürgenohl - nicht zuwuchern. Wildschweine und Rehe hatte ich schon mehrfach auf dem Gelände beobachten können und den Denkmalpflegern (Stichwort Casino) darf ich auch an dieser Stelle nochmals vortragen, dass ohne die aktuelle  Entwicklung die Gebäude auf dem Fliegerhorstgelände mittelfristig verfallen wären. 

Letztlich hat die Klosterkammer um Herrn Biallas herum die Initialzündung für die Entwicklung des Geländes gegeben und gezeigt: damit kann man etwas anfangen! Und ein persönlich gutes Verhältnis zwischen dem Klosterkammerpräsidenten und dem Oberbürgermeister hat dabei sicher nicht geschadet. 

Daher Dank an Herrn Biallas, dass er an das Projekt geglaubt hat und die Nachfrage gibt ihm recht. Wir haben es uns an dieser wichtigen Stelle der zukunftsweisenden Entwicklung unserer Stadt nicht leicht gemacht. 

Eine Parzellierung von einzelnen „Filetstücken“ zu Lasten einer städtebaulichen Gesamtentwicklung konnte verhindert werden. Diese Hartnäckigkeit wird sich nun Stepp bei Stepp im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung des Areals auszahlen.