Herzenssache Goslar: Die Feuerzangenbowle im Goslarer Theater

Zur Adventszeit gehört für mich traditionell auch der Film „Die Feuerzangenbowle“ von und mit Heinz Rühmann. 

Und jeder Studierende und Ex-Studierende erinnert sich doch auch gerne an das gefüllte Audi-Max und gerade diesen besonderen Filmabend. 

Um so dankbarer bin ich für die Kinotradition im Goslarer Theater in der Breiten Straße. 

Hier wird seit Jahrzehnten (schon der Vater der heutigen Kinoeigentümerin Jill Wildmann hat das organisiert) die Feuerzangenbowle gezeigt. 

Seit 2011 habe ich mir der Goslarer Tradition angeschlossen und bin dabei. 

Was mir aufgefallen ist? Das ist in Goslar noch zu viel Kinofilm (passiv) und zu wenig Zuschauerkino (aktiv). 

Mir scheint, dass hier und da die Regieanweisungen für das Publikum nicht ernst genommen werden: Also: 

1. Die Texte sind – immer wenn möglich – mitzusprechen: Ausrufe und Kommentare sind nicht nur erlaubt, sondern geradezu notwendig. 

 2. Zu einem Film mit einem so hochprozentigen Namen passen auch hochprozentige Getränke. Die werden im übrigen auch durch die Familie Wildmann und ihre Mitarbeiter verteilt und verkauft. Und: Wenn die Herren (und manchmal auch Damen) im Film ihr Glas erheben, dann ist das gleiche zu tun und kräftig anzustoßen. 

 3. Noch was zum Thema Anstoßen: Immer dann, wenn der Name des „Klassenstrebers“ Ackermann genannt wird, dann ist sein Name im Chor laut zu wiederholen: (ACKERMANN!!!) und anschließend mit dem Nachbarn – natürlich - anstoßen. 

 4. Unterstützung der Tonspur des Films: Zugegeben ist, „Die Feuerzangenbowle“ ist ein alter Film von 1944. Und die Tonqualität ist für unsere verwöhnten Ohren gewöhnungsbedürftig. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Toneffekte des Films ein wenig unterstützt werden. Dafür sind Fahrradklingeln oder alte Wecker (die Art, die wirklich noch klingelt) besonders geeignet. Und immer, wenn im Film ein Wecker klingelt, eine Schulglocke schlägt oder Fahrradfahrer vorbeikommen, unterstützt sie mit euren eigenen Klingeln oder Weckern! 

 5. Bitte die Bildqualität des Films auch unterstützen: Sie kennen die Szene – mit dem Spiegel zeigt Pfeiffer mit 3 F (also eins vor dem „ei“ und zwei hinter dem „ei“) die Wanderungsbewegung der Westgoten und der Ostgoten. Genau hier also sind die Taschenlampen zu zücken und die Völkerwanderungen im Kinosaal nachzuzeichnen. 

 6. Vergesst die Wunderkerzen nicht! – Zum Finale des Films wird im Chemieunterricht ein wenig Feuer gemacht – Und wir wollen dem natürlich nicht nachstehen! Wenn es aufgrund von Brandschutzregeln nicht möglich ist, Wunderkerzen anzuzünden, greift auf eure Taschenlampen zurück. 

 7. Das Thema Schmalzbrote: Zur Feuerzangenbowle müssen Butterbrote oder Schmalzbrote, eingewickelt in Butterbrotpapier, organisiert werden. Diese sind geräuschvoll auszupacken, wenn Pfeiffer - auf dem Pausenhof Butterstulle essend – Pläne schmiedet. 

Und genau an dieser Stelle wurde Goslarer Tradition vor drei Jahren gebrochen – hatten die Lions bis dahin die Schmalzbrote organisiert. Im vergangenen Jahr wurden dann „nur“ noch Plätzchen zur Feuerzangenbowle gereicht. Und gegenüber der Kinoeigentümer- und Kinobetreiberfamilie Wildmann hatte ich dann im vergangenen Jahr eine „große Klappe“: „Wenn Ihr keine Schmalbrote organisiert, dann mache ich das im nächste Jahr!“ so meine Ansage. Und Florian Wildmann erinnerte sich. Und vor 4 Wochen erreichte mich der Anruf! „Oliver, in 4 Wochen zählt es, ich brauche 500 Schmalzbrote!“ Tja, versprochen wird nicht gebrochen. 

Die Bäckerei Helge Koch hat mir leckeres Brot zur Verfügung gestellt. Die Metzgerei Kluss das Schweineschmalz. Und dann wurde geschmiert und – zugegeben – ich habe mir auch ein wenig dabei Helfen lassen. 

Weit über 500 Brote geschnitten, geschmiert und verpackt; in der Küche von Bianca und Henning Kluss. 

Und natürlich auch zwischendurch mal probiert, ob die tatsächlich auch schmecken:

Und dann haben wir die Brote ins Kino in der Breiten Straße geschoben ……

und verteilt: Für die Vorstellung um 17 Uhr, um 20 Uhr und einen Teil auch noch für die Vorstellung um 20:30 Uhr. 

„Noch nie mussten wir einen dritte Veranstaltung organisieren. So hoch war das Interesse noch nie!“ so Jill Wildmann am Abend. 



Also mir hat es jedenfalls ganz viel Spaß gemacht - der Film ohnehin, wie jedes Jahr. Dann die besondere Atmosphäre im Goslarer Theater bei den Wildmanns. Und das Schmalzbroteschmieren und Verteilen auch. 

Danke an alle, die mitgemacht haben! Und danke an alle, die im nächsten Jahr wieder mithelfen wollen.

#Herzenssache Goslar: Die Feuerzangenbowle im Goslarer Theater. 

Oliver JunkHerzenssache, Goslar