Herzenssache Goslar: Die Eis-Ecke in Vienenburg

Endlich hat sie wieder geöffnet: meine Lieblingseisdiele, die Eis Ecke in Vienenburg (www.facebook.com/EisEcke). Und damit ist genauso klar: Es wird endlich wieder Sommer!

Heute war Saisonstart und ich war tatsächlich der erste Kunde der Saison! 

Den ganzen Winter hab ich darauf gewartet, dass Annette Kampmann-Peters und ihr Mann Jürgen Peters wieder ihr leckeres Eis kredenzen – täglich selbst frisch hergestellt. 

Viele Stammkunden haben sich mit mir auf diesen Tag gefreut, wie die Chefin erzählt. „Jetzt hat das Leben wieder einen Sinn“, lautete zum Beispiel eine der Zuschriften. Dem kann ich nur zustimmen. 

Ich komme unheimlich gern hierher,  weil das Eis so lecker schmeckt und weil man immer jemanden trifft. 

Und ich komme auch unheimlich gerne in die Eis-Ecke, weil Frau Kampmann-Peters eine so eine fröhliche, sympathische Frau ist und - das möchte ich nicht unterschlagen - ihr Ehemann ihr nicht nachsteht. 

Heute z. B. haben wir uns ganz intensiv über unser gemeinsames Lieblingshobby unterhalten: Den Wohnwagen ans Auto hängen und losfahren……

Und ich radle im Sommer einfach gern mit meinen Kindern aus Goslar nach Vienenburg. Mit dem Ziel “Eis-Ecke” kann ich einfach leichter motivieren……

Für das Ehepaar ist es bereits die 31. Saison, seit sie das Geschäft von den Vorgängern übernommen haben. Da kommt einiges an Erfahrung zusammen. 

Die Klassiker gehen nach wie vor am besten: Schoko, Vanille, Erdbeer, Nuss. Ohnehin macht die Eis Ecke nicht jeden Trend mit. „Das muss zu uns passen und auch gut sein“, sagt Annette Kampmann-Peters. Als vor Jahren himmelblaues Eis den Markt flutete, war für das Ehepaar klar: Finger weg. „Wir schlachten keine Delphine und wir verstümmeln keine Schlümpfe“, scherzt sie. „Das ist nur Farbe und hat mit Eis nichts zu tun. Das ist sinnlos und dazu nicht gesund.“ 

Stattdessen setzen die Betreiber (aus Jerstedt!!) auf eigene Kreationen und Ideen. Ich liebe z. B. die Saisonbecher – immer kreativ und immer lecker.

Annette Kampmann-Peters und ihr Mann haben Freude an ihrem Beruf, das merkt man. Aber es ist eben auch eine Menge Arbeit. Von 10 bis 21 Uhr ist geöffnet. Jürgen Peters startet morgen um 7 Uhr mit der Eisproduktion. Abends muss aufgeräumt werden. Auch wenn sich das Paar den Arbeitstag aufteilt, unterstützt durch eine dritte Kraft, kommt jeder auf einen 7- bis 8-Stunden-Tag – unter der Woche wohlgemerkt; am Wochenende sind beide den ganzen Tag im Geschäft. „Wir versuchen, einmal die Woche nachmittags gemeinsam etwas zu unternehmen“, sagt die Chefin. Ein Privatleben hat man ja schließlich auch noch. 

Bis Ende Oktober dauert die Saison, dann können die Zwei wieder verschnaufen. Mittlerweile haben sie sich an das hohe Arbeitspensum gewöhnt. Die ersten Jahre waren schwierig, und doch was es die richtige Entscheidung. Annette Kampmann-Peters und Jürgen Peters sind glücklich. Sie arbeitete früher in der Stadtverwaltung Goslar, er war Kfz-Mechaniker. Beide erfüllte ihr Beruf aber nicht (was man sich bei der Stadtverwaltung Goslar gar nicht so richtig vorstellen kann) und so war die Entscheidung umzusatteln schnell getroffen. Die Eltern der Goslarerin hatten ein Großhandel und dadurch mitbekommen, dass die damaligen Betreiber einen Nachfolger für die Eisdiele suchten. „Wir wussten gar nicht, was da auf uns zukommt“, erzählt Jürgen Peters. Seine Frau war damals noch 28 Jahre jung. „Ich gehe gern Risiken ein“, sagt sie heute. Das war ganz offensichtlich damals schon so. Was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt. Für sie, ihren Mann, für mich und uns alle, die ihr leckeres Eis genießen können. 

Bild: Mein Marzipanbecher von heute Mittag 

80 Prozent ihrer Gäste sind Stammkunden. Einige kommen täglich in die Eis Ecke, andere nehmen den für einen Eisbecher vergleichsweise weiten Weg aus Braunschweig auf sich. Kein Wunder, denn wo gibt es heutzutage noch selbst produziertes Eis? Das macht doch kaum noch einer, die meisten scheuen den Aufwand. Allein die Eisproben, die mehrfach jährlich für horrendes Geld eingeschickt werden müssen, um die Auflagen zur Kontrolle der hygienischen Standards zu erfüllen. 

Annette Kampmann-Peters zieht einen passenden Vergleich. „Die meisten Bäcker nehmen doch auch schon nur noch fertiges Mehl.“ Wasser dazu, fertig. Das Brot schmecke von der Küste bis zu den Alpen gleich. „Wo schmeckt denn das Brot noch richtig nach Brot?“ Recht hat sie. Solche Bäcker muss man suchen. (Deshalb bin ich auch ein riesen Fan von Bäcker Bachmann. - dazu gibt es im übrigen auch eine Herzenssache: http://oliver-junk.de/post/156726421936/herzenssache-goslar-b%C3%A4cker-bachmann) 


Ich bin jedenfalls froh, dass es noch Bäcker und Eisdielen gibt, die auf eigene Produktion setzen. In der Eis Ecke Vienenburg werden in der Hochsaison rund 250 Liter frische Milch und 125 Liter frische Sahne pro Woche verarbeitet. Das kann sich sehen und schmecken lassen.

Also, wir sehen uns hoffentlich häufig in diesem Jahr - in der Eis-Ecke in Vienenburg!