Herzenssache Goslar: Die Ehrennadel der Stadt

Neues Jahr, neue Herzenssache. Wie im vergangenen Jahr auch möchte ich wieder jeder Woche über “meine” Herzenssache schreiben, über kleine Dinge, über große Dinge, Menschen, Themen - einfach über das schreiben, was gerade in jeder einzelnen Woche meine “Herzenssache Goslar” ist. 

In dieser Woche: Die Ehrennadel:

Gestern war es einmal wieder soweit: Ich durfte die Ehrennadel der Stadt Goslar verleihen und zwar an Hansgeorg Engelke, den langjährigen Vorsitzenden des Geschichtsvereins Goslar und ehemaligen Direktor des Christian-von-Dohm-Gymnasiums. 


Solche Termine gehören zu den angenehmsten Amtspflichten, die ein Oberbürgermeister so hat, sind sie doch weniger Pflicht als vielmehr Anlass zur Freude. Freude über die Auszeichnung von Persönlichkeiten, die nach den Verleihungsrichtlinien „das allgemeine Wohl der Stadt oder ihrer Bürgerinnen und Bürger durch besondere Leistungen gefördert haben“. 

 Dass wir diese Ehrung nicht inflationär vornehmen zeigt ein Blick zurück:

In den gut fünf Jahren meiner Amtszeit wurde die Ehrennadel neunmal verliehen: 2011 an Axel Pfannkuche und Heinrich Wilgenbus für langjährige Verdienste im Ortsrat von Hahnenklee-Bockswiese, 2013 an das Ehepaar van Wezel für ihr jahrzehntelanges Engagement für die Internationalen Goslarer Klaviertage, 2014 an den ehemaligen GZ-Chefredakteur Andreas Mueller und an den Feuerwehrkameraden Michel Carrasset aus unserer Partnerstadt Arcachon, 2015 an Ingrid Mössinger als ausscheidendes Mitglied der Kaiserringjury und an Reiner Paul sowie 2016 an Bernd Meier für ihre Verdienste als Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr. 

Mit Hansgeorg Engelke wurde gestern ein ausgewiesener Experte der Goslarer Stadtgeschichte geehrt. Eingebunden in das Netzwerk des Geschichtsvereins hat er den Menschen unserer Stadt historisches Wissen über ihre Heimat erschlossen, das Geschichtsbewusstsein in der Bevölkerung Goslars gefördert, heimische Geschichte erforscht und die gewonnenen Erkenntnisse vermittelt. Die Zeugnisse unserer Geschichte zu erhalten und zu pflegen, ist eine wichtige und zentrale Aufgabe für Goslar: Ohne Vergangenheit ist die Zukunft nicht denkbar! Schließlich hat die Geschichte Goslar zu dem gemacht, was es heute ist. Und was es morgen sein kann… denn schon bald wird auch unsere Gegenwart ein Teil der Geschichte sein. 

„Grabe, wo du stehst“ bezeichnet eine Bewegung zur Erforschung der eigenen Geschichte und in diesem Sinne hat Hansgeorg Engelke sehr viel hier vor Ort in Goslar „gegraben“ und dem Geschichtsverein seinen sanften Stempel aufgedrückt. 18 Jahre lang, von 1993 bis 2011, dem Jahr seines 80. Geburtstags, stand Hansgeorg Engelke dem Verein engagiert und kompetent als Vorsitzender vor. Gemeinsam mit Oberstadtdirektor Primus initiierte er den Goslarer Geschichtspreis, der 1994 zum ersten Mal vergeben wurde. Die Hans-Joachim-Tessner-Stiftung dotiert diesen Preis, der die Auseinandersetzung vornehmlich jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Goslarer Stadtgeschichte und ihrer Einbindung in einen gesamtgeschichtlichen Kontext fördert. 


Unter der Ägide von Hansgeorg Engelke entstanden elf Beiträge zur Goslarer Geschichte, dem Goslarer Fundus, dazu sechs Quellenhefte. Die Reihe umfasst mittlerweile sage und schreibe 56 Bände und ist damit auch ein beeindruckendes Zeugnis der guten Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Ehrenamt, zwischen Stadtarchiv und Geschichtsverein. Darunter der „Goslarer Ratskodex – Das Stadtrecht um 1350“, der 2013 herausgegeben werden konnte und eine kultur- und rechtshistorische Fundgrube darstellt. Dieses Projekt hatte er bereits 1999 als Vorsitzender und Initiator angeschoben und auch beharrlich an der Umsetzung mitgewirkt. Diese Mammutaufgabe konnte nur umgesetzt werden, weil es Herrn Engelke gelang, Wissenschaftler zu einer ehrenamtlichen Mitarbeit zu gewinnen. Menschen zu gewinnen, die gern mit ihm zusammenarbeiten – das zeichnet ihn aus. Vielleicht eine Eigenschaft, die aus seiner beruflichen Tätigkeit als Lehrer resultiert. In den 20 Jahren (von 1975 bis 1995), die er Direktor unseres Christian-von-Dohm-Gymnasiums war, hat er immerhin den schulischen Weg von gut 2.000 Abiturienten begleitet. 


 „Der ärmste Mensch ist der, der keine Beschäftigung hat.“ Im Sinne dieses Ausspruchs von Albert Schweitzer, ist unser Ehrennadelträger ein wahrlich reicher Mensch. Und ich denke, dies trifft auf alle Menschen zu, die sich im Ehrenamt engagieren, denn sie füllen ihre Zeit mit einer sinnvollen Tätigkeit und geben ihre Ideen, Kompetenzen und Erfahrungen an andere weiter. Unser schönes Goslar ist nicht zuletzt deshalb so lebenswert, weil Bürgerinnen und Bürger wie Hansgeorg Engelke Verantwortung übernehmen und sich für die Allgemeinheit engagieren, ohne zu fragen: Was habe ich selbst davon? Heute ist fast die Hälfte der Menschen in Deutschland in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft freiwillig tätig. 46,8 Prozent – so die Zahl aus dem neuen „Freiwilligensurvey“ - setzen sich in ihrer Freizeit in Vereinen, Kirchen, Gewerkschaften oder in der Flüchtlingshilfe ein. Das heißt in Deutschland gibt es rund 30 Millionen Menschen mit Ehrenamt. Das ist eine beeindruckende Zahl, die aber auch deutlich macht, wie sehr unser Land auf dieses Engagement angewiesen ist. Grund genug also, die langjährige ehrenamtliche Arbeit von Hansgeorg Engelke mit der Verleihung der Ehrennadel der Stadt Goslar zu würdigen.