Herzenssache Goslar: Die ehrenamtliche Ratsarbeit

In der kommenden Woche konstituiert sich der neue Rat der Stadt Goslar. 38 Ratsfrauen und -herren übernehmen damit für die kommenden fünf Jahre die Verantwortung für das Fortkommen unserer Stadt. Ja und weiter könnte man fragen? 

Meine Herzenssache in dieser Woche ist die Ehrenamtliche Ratsarbeit. Denn das politische Engagement ist wichtig, für unsere Demokratie und unsere Kommunen.

Und leider werden es immer weniger, die sich für das Gemeinwohl einer Stadt einsetzen, sich für Ratslisten zur Verfügung stellen, sich in Parteien engagieren.

Das spüren wir auch in Goslar. Besonders dramatisch finde ich das Fehlen der politischen Jugendorganisationen in der Stadt. Wo sind hier die jungen Menschen, die die “alten Hasen” in ihren Mutterparteien unter Dampf setzen, den Oberbürgermeister kritisieren und gute Ideen für die Stadt entwickeln. Junge Union? Jusos? Julis? Junge Grüne? Leider Fehlanzeige in #Goslar und diese Generation fehlt natürlich auch im Rat. Hier haben nicht die Parteimitglieder die Verantwortung für das Aufbauen von Jugendorganisationen, sondern die jungen Menschen haben Verantwortung dafür, auch Verantwortung zu übernehmen. Auf geht´s! Bei Facebook “einfach”, gar gelegentlich “dämlich” und “hässlich” zu kommentieren, geht ziemlich einfach. In Gremien für die eigenen Interessen streiten, ist nicht ganz so einfach….. 

Ich schätze die Ehrenamtliche Ratsarbeit sehr. In Goslar sind sie der „Aufsichtsrat“ der Verwaltung und ihrer Mitarbeiter, natürlich auch des Oberbürgermeisters, sie verantworten ein Haushaltsvolumen von fast 100 Mio. Euro und sie haben die Chance und die Verpflichtung zugleich, Initiativen und Ideen für Goslar zu entwickeln und mit Leben zu füllen. 

Vor nunmehr 14 Jahren – im Jahr 2002 – bin auch ich erstmals in einen solchen Rat, den Rat der Stadt Bayreuth, eingezogen. Und ich durfte diesem Rat in Bayreuth fast 10 Jahre angehören, zuletzt als Fraktionsvorsitzender der großen CSU/BTgo! Stadtratsfraktion. Und ich habe viel gelernt in dieser Zeit, und es hat tatsächlich aus Spaß und Erfüllung gegeben, an so wesentlicher Stelle  - eben im Rat - die Geschicke der Richard-Wagner-Stadt mitgestalten zu dürfen.

Ich habe die Abstimmungsrunden im Vorfeld der ersten Sitzung miterlebt und die Spannung bei allen Beteiligten. Denn ganz gleich ob „alter Hase“ oder „junge Wilde“, die erste Sitzung setzt alle Ratsmitglieder unter Strom, sorgt für Herzklopfen und manch feuchte Hand. Und das ist gut und richtig so. 

 Es geht nämlich um etwas. Es geht um mehr, als das beste Ergebnis für die eigene Fraktion, es geht um die Zukunft der eigenen Stadt. Diese Erfahrung habe ich seinerzeit sehr schnell machen dürfen und es hat mich darin bestärkt, Politik vor Ort machen zu wollen. Heute stehe ich als Oberbürgermeister – und Ratsmitglied – auf der anderen Seite, arbeite aber für dieselbe Sache. 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine spannende konstituierende Ratssitzung, ein wenig politisches Theater, das gehört einfach dazu und danach fünf gute Jahre für Goslar. Mögen wir alle am selben Strang und in dieselbe Richtung ziehen. Goslar hat das verdient.

Oliver JunkHerzenssache, Goslar