Herzenssache Goslar: Die Bebauung des Kattenberg

Herzenssache Kattenberg: Bereits vor einem Jahr (Mai 2017) hatte ich eine „Herzenssache“ der Wohnbauentwicklung auf dem Kattenberg gewidmet. Heute wollte ich eigentlich über die Stubengalerie an der Abzucht (#abzuchtblumen :-)) schreiben, aber der Baustellenbesuch heute Vormittag auf dem Gelände hat mich sehr stark motiviert, mich noch einmal im Rahmen meines Blogs mit dem Areal der ehemaligen Reichsbauernhalle zu beschäftigen.

Goslars Geschichte bedeutet nicht nur Mittelalter und Kaiserpfalz. Unsere Stadt hat auch eine furchtbar braune Geschichte. 

Goslar wurde durch die Nationalsozialisten zur „Reichsbauernstadt“ ausgerufen. Und deshalb wurde auch die Reichsbauernhalle gebaut, oberhalb des heutigen Stadtgartens, am Kattenberg. 

Und in dieser tatsächlich imposanten Halle wurden auch  die sog. Reichsbauerntage abgehalten. Ich danke dem Stadtarchiv dafür, dass mir die Bilder zur Verfügung gestellt wurden. 

Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg diente die „Reichsbauernhalle“ der Unterbringung von Flüchtlingen, die in hoher Zahl in die Stadt Goslar kamen.

Es waren im übrigen über 12.000 „Neubürger“ – viele von ihnen siedelten sich später im neu gegründeten Stadtteil Jürgenohl an.

1948 brach ein Feuer aus – wie wir heute wissen in der Küche – und die Halle brannte ab.Übrig geblieben sind nur die Bunker-Fundamente und geblieben sind Nachnutzungsideen.

Ideen um Ideen wurden nach 1948 entwickelt und wieder verworfen. Im Grunde bis ins Jahr 2012 schlicht und einfach Stillstand. 

Bereits in meinem Wahlkampf 2011 hatte ich gefordert, dass sich die Stadt Goslar endlich mit dem Thema „Entwicklung von neuen Quartieren und Wohnraum“ zu beschäftigen hat und gemeinsam mit meiner Verwaltung und der Unterstützung des Rates konnte ich tatsächlich nach meiner Wahl sinnvolle Entwicklungen einleiten. Ich denke an den Fliegerhorst, Hoher Brink, an die Weidenstraße in Wiedelah - aber auch die Liethberg-Entwicklung in Vienenburg.

Auch der Kattenberg gehörte dazu. So zentrumsnah waren wir von Anfang an allerdings nicht in Richtung Einfamilienhäuser, sondern in Richtung Stadtvillen und Reihenhäuser/Mehrfamlienhäuser unterwegs. 

Über die politischen (wir brauchen keinen neuen Wohnraum) und verwaltungsinternen Bedenken (komplizierte Standsicherheitsgutachten erforderlich und Unwirtschaftlichkeit aufgrund der Fundamente der Reichsbauernhalle) konnte ich mich hinwegsetzen und so starteten wir den Prozess mit dem Ziel, verdichteten Wohnraum im Zentrum der Stadt Goslar zu schaffen.

Der Bebauungsplan wurde geändert, der war zuletzt beim Thema „Hotelnutzung“ – einen Investor gab es allerdings nicht.  

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Wir haben dann Investoren für die Wohnbebauung gesucht. Mehrere Bewerber hatten sich und ihre Pläne für die attraktive Fläche vorgestellt. 

Mit im Bild: Klaus-Dieter Friehe (Senior), Timo Friehe – beide Geschäftsführer von Bagger Friehe, Tobias Siebert – agc göttingen gmbh, Projektleiter/Geschäftsführer, Frau Götting von der Klosterkammer und GZ-Redakteur Steigleder. 

Die Klosterkammer Hannover hat dann unseren Zuschlag bekommen und darüber bin ich bis heute sehr froh. Die Klosterkammer selbst, aber auch die gewerbliche Tochter - Liemak - , sind sehr faire Partner der Stadt Goslar. 

Ganz aktuell sind wir dabei, die Bodenplatte der Reichsbauernhalle zurückzubauen.  Das macht die Stadt Goslar. Warum nicht der Investor? Wir haben ein Förderprogramm “Konversionsflächen” gefunden, sodass wir die Kosten der Investoren senken und damit den Kaufpreis zum Vorteil der Stadt Goslar erhöhen konnten.

Bisher wurde etwa ein Drittel der Rückbauarbeiten vor Ort umgesetzt. Die Arbeiten verrichtet gewohnt leistungsstark unsere Goslarer (Vienenburger) Firma Bagger-Friehe. Mit dem Seniorchef Friehe und dem Juniorchef Friehe durfte ich heute morgen auf der Baustelle sprechen.

Das ausgebaggerte Material wird auf unterschiedlichen “Mieten” auf dem Gelände gelagert: Mutterboden, Beton und Mauerwerk, Stahl- und Metall (z.B. Rohrleitungen) und die Altlasten, die infolge des Brandes der ehemaligen Stadthalle vor 70 Jahren verblieben waren.

Es wurden deutliche höhere Betonmassen gefunden, als auf dem alten Bauplan dargestellt. U.a. wurden zwei große Einzelfundamente (wohl für die Dachkonstruktion) sowie ein Fernwärmegraben  gefunden, der rings um das ehemalige Gebäude verläuft und ebenfalls verfüllt war (siehe Bild oben!)

Im Bauschutt wurden Schollen von asbesthaltigen Platten gefunden. Sie wurden per Hand aufgelesen und durch Sieben entfernt. Nach der Absiebung ist der Boden nicht als gefährlicher Abfall einzustufen und kann auf dem Grundstück an geeigneter Stelle wieder eingebaut werden.

Wie sieht nun der Zeitplan für die Bebauung aus?

Die Baumaßnahme der Stadt (Wiederherstellung und Verfüllung der Fläche) wird voraussichtlich Ende September 2018 abgeschlossen sein.

Dann können wir das Grundstück an die Investoren übergeben. Da der Bebauungsplan steht, kann dann unmittelbar mit der Erschließung des Grundstücks begonnen werden. Also je nach Geschwindigkeit der Planer der Investoren und der Wetterlage jedenfalls spätestens im Frühjahr 2019.

Wir stimmen gerade aktuell die Erschließungsthemen konkret ab: Entwässerung, Zufahrten, Wege und dergleichen.

Ja, und dann wird nach oben gebaut: Stadtvillen, Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser - attraktiver Wohnraum für junge Menschen, für Senioren - zum Mieten und Kaufen. 

#Goslar gewinnt - und diese Kattenbergentwicklung gehört für mich ganz prominent dazu. Ich bin glücklich zu dieser Wohnraumentwicklung meinen Beitrag zu leisten. Meine #Herzenssache in dieser Woche: Die Bebauung des Kattenbergs.