Herzenssache Goslar: Die Bebauung am Kattenberg

Ja, Goslar hat ganz viel Geschichte. Und Goslar hat viele Geschichten zu erzählen – das war im vergangenen Sommer im übrigen der Grund, den Blog „Herzenssache“ zu starten. 

Aber Geschichte in Goslar bedeutet nicht nur Mittelalter und Weltkulturerbe. Geschichte in Goslar heißt auch, sich zu vergegenwärtigen, dass die Stadt für nationalsozialistische Propaganda missbraucht wurde. So wurde Goslar zur „Reichsbauernstadt“ ausgerufen – ja, auf Goslar „gründeten“ Nationalsozialisten in Bezug auf die Kaisergeschichte. So wurde die Reichsbauernhalle gebaut, oberhalb des heutigen Stadtgartens, am Kattenberg. Nun, diese Halle ist dann nach dem Krieg abgebrannt, übrig geblieben sind nur die Bunker-Fundamente und geblieben sind Nachnutzungsideen. 

Ideen um Ideen, die allesamt ein identisches Ergebnis hatten: Es blieb stets bei der Idee. Hotelentwicklung war wohl die jüngste dieser Ideen, wenn ich mir das richtig gemerkt habe. Und die Natur hat sich die Filetfläche in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Stück für Stück erobert. 

 „Warum das Gelände nicht sinnvoller nutzen?“ fragte ich 2012 in meine Verwaltung. Und fragte dabei auch ganz konkret nach Schaffung von attraktivem Wohnraum in Zentrumsnähe. 

 „Ganz schwierig“ war die Antwort und die Begründungen waren vielfältig: 

 1. Politik wünscht sich überhaupt nicht die Schaffung von neuem Wohnraum, da die Stadt ja schrumpft. 

 2. Hotelentwicklung sei gescheitert, weil das Grundstück im Hinblick auf die Hanglage nicht kostengünstig zu bebauen sei, komplizierte Standsicherheitsgutachten angefertigt werden müssten. 

 3. Die Entsorgung der Fundamente/Bunker der Reichsbauernhalle sei so teuer, dass eine Entwicklung unwirtschaftlich sei. 

 4. Die Stadt Goslar habe kein Investitionsspielraum, Wohnbaufläche zu organisieren. 

 5. Wir haben wichtigere Dinge in der Verwaltung zu tun als uns mit diesem Kattenberg zu beschäftigen. 

 Ich bin wirklich heute sehr froh darüber, dass ich erfolgreich für eine Nutzung werben konnte und hier im nächsten Jahr Häuser und Wohnungen entstehen: 

Zunächst habe ich in Verwaltung und Politik dafür geworben, dass eine Stadt mit sinkenden Einwohnerzahlen trotzdem, ja gerade, attraktiven Wohnraum schaffen muss, den es vor fünf Jahren in Goslar schlicht und einfach nicht gab. Natürlich erinnere ich mich an die rüden Vorwürfe gerade der FDP, die mir in diesen Zeiten „Ahnungslosigkeit“ unterstellten und behaupteten, dass in einer Stadt, die mit sinkenden Einwohnzahlen konfrontiert ist, immer genug Wohnraum vorhanden sei. 

Das Gegenteil war und ist der Fall. Wo waren vor fünf Jahren die Möglichkeiten in Goslar, ein neues Einfamilienhaus zu brauen? Wo gab es die attraktiven Eigentumswohnungen in Zentrumsnähe? Wo gab es die kostengünstigen Reihenhäuser mit Garten für die jungen Familien? Wo waren die barrierefreien, kleinen Wohnungen für Senioren in der Altstadt? Strategiewechsel war angesagt und das haben wir auch geschafft, Mehrheiten in Politik und Verwaltung! 

Dann haben wir Haushaltsmittel für eine gutachterliche Untersuchung der Fläche organisiert, die sich insbesondere mit dem Thema Gründungsmöglichkeiten und Altlastenproblematik beschäftigt hat. Ergebnis: Unproblematisch. 

Der nächste Schritt: Investoren für das Gelände finden, die die Überlegungen/Planungen der Stadt realisieren und die sich städtebaulich an den von der Stadt gesetzten Rahmen in Art und Umfang der Bebauung halten. Und diesen Investor haben wir mit der Klosterkammer Hannover gefunden. Die haben sich übrigen in einem Ausschreibungsverfahren durchgesetzt und für die Fläche, die sich im Eigentum der Stadt befunden hat, das höchste finanzielle Angebot gemacht. Ein Thema greift dabei stets in das andere Thema. Natürlich spielte und spielt es eine Rolle, dass die Klosterkammer auch auf dem Fliegerhorstgelände Wohnraum entwickelt. 


 Und zur Wahrheit gehört heute natürlich auch, dass wir niemals einer Entwicklung entgegensehen könnten, wenn sich nicht auch die Stadt mit dem  Thema „Bodenplatte Reichsbauernhalle“ beschäftigt hätte. Hier haben wir uns erfolgreich um ein Förderprogramm Brachflächenrecycling gekümmert. 

Den entsprechenden Zuwendungsbescheid der NBank haben wir im Oktober des vergangenen Jahres bekommen. Der Ablauf ist also jetzt wie folgt: Das Freiräumen des Grundstücks (Bewuchs) ist Ende 2016 / Anfang 2017 vor Beginn der Brut- und Setzzeit erfolgt. Der Kaufvertrag über das Grundstück ist am 02.05.2017 beurkundet worden. Ergo: Die Klosterkammer ist jetzt Eigentümer. Nun folgt die Sanierung bzw. das Entfernen und Entsorgen der Bodenplatte: Das Vergabeverfahren für Ing.-Leistung läuft derzeit. Danach müssen wir die Leistungen ausschreiben und beauftragen. Ich gehe aktuell von der Rückbauzeit im September 2017 aus. 

Danach können die Erschließlungsmaßnahmen starten, also auch noch im Herbst 2017. Die Bauantragsstellung könnte dann parallel erfolgen und der Beginn der tatsächlichen Hochbaumaßnahmen wäre dann im Frühjahr 2018. Nicht mehr lange hin und wir werden ganz nah am Zentrum, mitten in der Stadt attraktiven Wohnraum gewinnen. Freuen wir uns darauf, Goslar gewinnt!