Herzenssache Goslar: Die Abzuchtblumen

Fast jeden morgen bringe ich meine Kinder in den Kindergarten bzw. zur Schule. Und unser gemeinsamer Weg führt entlang der Abzucht, entlang an farbenfrohen Abzucht-Blumen. Und das freut - noch mehr freut: Das ist das Ergebnis von ehrenamtlichen Blumenpflegern. Jahr für Jahr werden Blumenkästen entlang der Abzucht bepflanzt, die Blumen gehegt und gepflegt. 

Bild: Frauke Gollmitz ist mit ihrer Gießkanne am Abzuchtufer unterwegs. Sie ist die am längsten amtierende Blumen-Fee.

Dieses Projekt hat eine jahrelange Tradition. Die Abzucht-Blumenaktion hat nämlich die ehemalige Lokalchefin der Goslarschen Zeitung, Dr. Ursula Müller, begründet. Sie feiert in wenigen Tagen ihren 90. Geburtstag und ich hoffe sehr, dass Sie sich an Tradition und Blumenschmuck auch heute noch erfreuen kann.

Mit dabei waren damals Mitarbeiter aus Schriftsetzerei und der Druckerei. Auch Volontäre und Jungredakteure wurden quasi verpflichtet, wie GZ-Redakteurin Sabine Kempfer jüngst erzählte. Mittlerweile hat sie seit einigen Jahren die Federführung. 

Tatkräftige Unterstützung bekommt sie von einem neunköpfigen Team plus einigen Helfern, die die Urlaubsvertretung übernehmen. Sie bepflanzen die Blumenkästen, gießen ihre Schützlinge regelmäßig und zupfen trockene Blätter heraus. Das ist harte Arbeit. Die Gießkanne wird per Seil in die Abzucht gelassen und voll wieder hochgezogen. Im Sommer manchmal mehr als einmal pro Tag. 

Das Budget besteht übrigens aus Spendengeldern. Bei jedem Neujahrsempfang der Stadt Goslar in der Kaiserpfalz sammelt Frau Kempfer  Geld für die Abzuchtblumen. Die Spender tragen also auch dazu bei, dass unsere Stadt diesen Farbtupfer bekommt. 

 Leider müssen die ehrenamtlichen Blumengießer auch immer mal wieder nachpflanzen und Schäden beheben, denn von Zeit zu Zeit werden die Blumenkästen Opfer von Vandalismus. 

Frau Kempfer musste ihren Helfern schon so manches Mal seelischen Beistand leisten. Klar, wenn irgendwelche Rüpel die mühsame Arbeit zur Nichte machen, kann man die Freude daran verlieren. Aber Sabine Kempfer hat die Verluste eingedämmt. Auf ihre Initiative wurden diebstahlsichere Halterungen entwickelt und angebracht. Seitdem können nicht mehr ganze Blumenkästen in die Abzucht geworfen werden. Not macht erfinderisch. Außerdem hat die GZ-Redakteurin Stadtfeste im Hinterkopf, wenn es an die Planung geht. So habe man die Blumenkästen dieses Jahr ganz bewusst erst nach dem Bierfest aufgehängt. 

Ein bisschen Schwund gibt es trotzdem. Kürzlich berichtete Sabine Kempfer, dass wohl jemand noch Blumen für die eigene Terrasse gebraucht habe. In jedem Blumenkasten auf einer längeren Strecke fehlte eines der Gewächse. Das könnte man natürlich auch als Kompliment für die gute Pflege verstehen. Die Blumen sind eben schöner als die aus Gärtnerei und Baumarkt… Kempfers Team hat die fehlenden Blumen direkt nachgepflanzt, damit die Abzucht weiterhin so fröhlich, bunt und frisch aussieht. 

Eine tolle Aktion. 

Danke dafür und ein kräftiges Dankeschön allen weiteren Grünflächenpaten und Grünflächenpflegern in der Stadt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Verkehrsinseln oder andere kleinere städtische Flächen ehrenamtlich zu bepflanzen und zu pflegen. Das tut Goslar richtig gut - und mir auch, wenn ich mit den Kindern auf dem Weg ins Büro bin.