Herzenssache Goslar: Der traditionelle Neujahrsempfang in der Kaiserpfalz

Traditionell lädt die Stadt Goslar zum Jahresstart in die Kaiserfalz. Und der Oberbürgermeister hat nicht nur die Ehre, den Kaiserringpreisträger bekannt geben zu dürfen, sondern auch die Möglichkeit der Standortbestimmung.

Für alle Interessierten meine Neujahrsrede 2018:

Anrede, Dank an Schornsteinfeger, namentlich Obermeister Frank Dornemann 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, verehrte Gäste, wenn ich jetzt so demonstrativ auf meine Uhr schaue, dann sei dies symbolisch gedacht, ein kleiner Stoßseufzer sozusagen, den viele von uns in diesen Tagen ausbringen, etwa mit Worten wie „Schon wieder ist ein Jahr vergangen!“, „Wo ist nur die Zeit geblieben?“ und „je älter wir werden, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen.“ 

Solche Gedanken gehören zur verbalen Begleitmusik der Jahreswende. Wir starten in ein neues Jahr, zu dem ich Sie alle hier in der Kaiserpfalz sehr herzlich willkommen heiße. 

Besondere Begrüßung Minister Gabriel 

Besondere Begrüßung Minister Stahlknecht 

Verehrte Gäste, Wir wissen heute noch nicht, was das Neue Jahr uns bringt, aber ich bin sicher, dass wir die Aufgaben und Überraschungen meistern und bewältigen werden. Denn wir sind, gerade nach dem vergangenen Jahr, eine Gemeinschaft, die mit größten Herausforderungen fertig geworden ist. 

Lassen Sie uns alle stolz darauf sein! Nach den ruhigen Tagen ist unsere Uhr aufgezogen, wir starten neu. 

Tempus fugit – Dass die Zeit flieht, ist eine Erkenntnis, die älter als die Menschheit ist. Und was sind unsere Höhepunkte, unsere Projekte des vergangenen Jahres im Angesicht einer Stadtgeschichte von jetzt bald 1100 Jahren? Was sind unsere bleibenden Marksteine, mit denen wir Goslar aktuell für die Zukunft prägen? Wenn wir gemeinsam darüber nachdenken, so erscheint manche hitzige Diskussion doch beinahe überflüssig, meine Frage: Sollten wir hier und da nicht etwas demütiger sein? 

Ich will heute keine lange Rückschau auf das Jahr 2017 halten. Alle Stationen des Geschehens, Werkens und Wertens sind noch gegenwärtig in unseren Köpfen, ich kann uns das also – auch mit Blick auf die Uhr - ersparen. 

 Meine Damen und Herren, unvergessen bleibt jedoch ein Naturereignis, das wir bislang nur aus der Bibel kannten: Die Goslarer Sintflut, als solche hat sie eine Online-Zeitung bezeichnet. Wildgewordenes Wasser rauschte durch die Stadt, durch Straßen, die Gassen, spülte Schönes und Wertvolles weg, zerstörte Haus und Heim und da und dort den blinden Glauben, dass man mit der Natur und der Umwelt und dem Klima umgehen kann, wie man will. Ich erwähne das heute nicht, um das Unglück gedanklich nochmal aufleben zu lassen. Ich erwähne dies, weil die Sintflut eine andere Flut in Gang setzte, nämlich die beispiellose Flut einer Hilfsbereitschaft, wie man sie nicht für möglich gehalten hätte. Hier und jetzt waren wir in der Stunde eine Gemeinschaft, eine spontane, eine starke Gemeinschaft mit dem mutigen, entschlossenen Willen zur selbstlosen Hilfe. 

Dank an Sie stellvertretend für alle unsere Bürgerinnen und Bürgern und alle Helfer. 

Und ich freue mich mit Ihnen darüber, dass die Jury der Hans-Joachim-Tessner Stiftung in diesem Jahr den mit 10.000 EUR dotierten Bürgerpreis all diesen Helferinnen und Helfern widmen wird. Das ist doch eine wirklich gute Entscheidung! Wie Sie alle wissen, gab es vor wenigen Tagen einen Aufruf in der Goslarschen Zeitung und es sind viele gute Vorschläge eingegangen, berührende Berichte über spontane Hilfe. Die Jury will es sich deshalb nicht einfach machen und auch die Tessner-Stiftung möchte ganz genau schauen, wer den Preis bekommt und in welcher Form dies geschehen wird. Geplant ist eine persönliche Auszeichnung im Rahmen eines Dankesfestes, bei dem auch eine von der Familie Tessner gestiftete Gedenktafel enthüllt werden soll. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass ich Ihnen heute hier noch keine Namen nennen kann. 

Meine Damen und Herren, was kommt 2018 auf uns zu? Nun, so einiges haben wir uns bereits ins Aufgabenbuch geschrieben: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier nur einige Schlaglichter, buchstäblich im Sekundentakt: 

 Ich stelle bewusst an den Anfang: Die ganz wichtigen Städtebauförderprogramme in der Unterstadt (Städtebaulicher Denkmalschutz) und Jürgenohl (Soziale Stadt)! Bis 2025 tickt die Uhr für diese Förderprogramme, sie werden unsere Stadt enorm verändern. Ganz positiv verändern durch Investitionen in Häuser, Dächer, Fassaden, Straßen und Plätze sowohl durch die Hauseigentümer als auch durch die öffentliche Hand. Jeweils 10 Millionen Euro öffentliche Gelder stehen bereit, mit den Beiträgen der privaten Eigentümer, die ja jeweils noch addiert werden, dürfen wir nach Berechnungen des Sozialministeriums in Hannover von deutlich über 50 Millionen EUR Investitionen in Jürgenohl und über 50 Millionen EUR in der Unterstadt ausgehen. Eine Generalüberholung also für beide Stadtteile, an denen doch schon ein wenig der Zahn der Zeit genagt hatte. 

Freuen Sie sich mit mir darauf! Eine neue, eine junge Zeit bricht an auf dem Energiecampus. Dieser Tage werden die letzten Umbauarbeiten des Casinos abgeschlossen und ab dem kommenden Montag ziehen die Kinder mit ihren Erziehern um. Für rund 1,9 Mio. ist dort ein Haus für Kinder und Wissenschaft entstanden, denn neben der Kita lädt künftig ein modernes Tagungszentrum zu Seminaren und wissenschaftlichen Treffen ein. 

Das Projekt „Sanierung der historischen Stadt- und Feldmauern“ inklusive der Entschlammung von Kahnteich und Judenteichen sowie der neuen Frischwasserzufuhr mit einem Volumen von fast 2 Millionen wird abgeschlossen. Hier werden wir nicht nur der Verantwortung für Denkmal und Weltkulturerbe gerecht, sondern wir machen dort unsere Stadt richtig hübsch und attraktiv. Haben wir nicht lange genug darauf gewartet? 

Die Erweiterung des Gewerbegebietes in Vienenburg wird voranschreiten. Keine Ankündigungspolitik, sondern konkreter Erfolg meiner Wirtschaftsförderung und damit der Lohn für beharrliches Arbeiten seit 2014 – 

Es tut sich auch Erfreuliches in der Baßgeige, auch hier sind weitere Grundstücke entwickelt worden bzw. sind noch in der Entwicklung. Schauen Sie bitte verstärkt auf die Firmen, die sich dort in Kürze ansiedeln und für neue Arbeitsplätze sorgen. 

Apropos Hotels: Das Hotel Liono von Herrn Gaidatzis im Schieferweg und die Villa Saxer in der Mauerstraße der Familie Suliktsis, die Erweiterung der Alten Münze von Priens beweisen, dass auch in diesem Bereich Goslar tüchtig aufholt. Unser Übernachtungszahlen sind weiter richtig positiv – das gilt im übrigen für den ganzen Harz. 

Über den Fliegerhorst habe ich den vergangenen Jahren zwar hinreichend gesprochen. Ich spreche das Thema dennoch erneut an, weil an keiner anderen Stelle die Prosperität, die Dynamik unserer Stadt sichtbarer wird. Wer von uns hat vor 5 Jahren wirklich daran geglaubt, diese 62 ha sinnvoll entwickeln zu können? Wohnhäuser und Gewerbeimmobilien wachsen aus dem Boden, denkmalgeschützte Gebäude werden umgenutzt. Ein neues, attraktives Quartier entsteht mit dem richtigen Namen „Fliegerhorst“ im übrigen. 

Meine Damen und Herren, die Entwicklung konnte ich mir immer vorstellen, aber schien es nicht beinahe utopisch, dass wir sogar einen Kindergarten und eine Kinderkrippe auf dem Fliegerhorstgelände etablieren können? Wir sind uns doch einig: Lieber Kinderlärm statt Fluglärm! Salutschüsse statt Kanonenschüsse habe ich im letzten Jahr formuliert. Ohne die Risikobereitschaft, das Engagement, den Geschäftswillen von Unternehmern wäre diese so rasche Entwicklung nicht möglich gewesen. Ein herzliches Willkommen – verbunden mit einem herzlichen Dank! Macht weiter so! Folkert Bruns, Uwe Schwenke de Wall junior und Uwe Schwenke de Wall senior für die Investorengruppe BLB, Sylva Viebach für die Liemak und die Klosterkammer, Sowie Herrn Ingolf Fölsch als Geschäftsführer der Oskar Kämmer Schule. Die Osker-Kämmer-Schule, meine Damen und Herren, wollen wir als zusätzlichen Freien Träger gewinnen. 

 Apropos Kindergärtenplätze und Krippenplätze: Es sind richtig, richtig gute Nachrichten, dass wir unsere Krippenplätze und Kindergärtenplätze erweitern dürfen. Für die Bereiche Altstadt/Jürgenohl/Oker werden wir uns über den Fliegerhorst hinausgehend um einen zweiten Neubau kümmern dürfen. Aber, meine Damen und Herren, Haben wir nicht eben erst Schul- und Kindergarteneinrichtungen geschlossen und jetzt drehen wir die Uhr in die andere Richtung? Haben da wirklich kluge Menschen entschieden, dürfen Sie fragen? Ich meine, dass es vor allem wichtig ist, überhaupt Entscheidungen zu treffen. Und natürlich treffen wir alle, treffe ich, auch nicht immer die richtigen Entscheidungen. Doch wir können die Uhren nicht rückwärts drehen. Und, meine Damen und Herren, wer keine Entscheidungen trifft, den treffen Entscheidungen. 

 Das Thema Betriebshof ist so ein Thema, das rückblickend betrachtet schlicht und einfach in der Stadt nicht schnell genug entschieden wurde, auch von mir nicht. Seit 15 Jahren Diskussionen um die Struktur des Betriebshofs. Die Zeit stand förmlich still. Damit ist jetzt Schluss. Wir haben das letzte halbe Jahr sehr intensiv das Angebot geprüft, ob der Betrieb mit einem privaten Partner – also teilprivatisiert – wirtschaftlicher für uns ist. Über das Ergebnis und meine Interpretation werde ich am Montag die Fraktionsvorsitzenden informierten, am Dienstag die Belegschaft und die Personalvertretungen, sodass wir – nach meiner Einschätzung - eine Ratsentscheidung am 6. Februar erhalten werden. Und dann, das versichere ich Ihnen, geht die Arbeit erst richtig los. Unser Betriebshof muss endlich zukunftsfähig werden und dafür müssen wir der Belegschaft auch den passenden Rahmen und die passende Ausstattung geben. Meine Damen und Herren, Rathaus und Kulturmarktplatz hatten wir in den vergangenen Jahren beständig „auf der Uhr“, ich habe darüber stets berichtet. Kostensteigerungen bei diesen Großprojekten sind keinen Planungsfehlern oder Verwaltungsdummheiten geschuldet, sondern allein den überlaufenden Auftragsbüchern der Handwerker. Die Konjunktur-Uhr tickt nun mal rasend schnell in der momentanen Boom-Phase. Aber die Realisierung ist eben auch nur deshalb überhaupt möglich weil wir ordentliche und nicht selbstverständliche Bundesförderungen in den Projekten haben. 

Und hier erwähne ich auch gerne nochmals Sigmar Gabriel als wichtigen Teil unseres funktionierenden Uhrwerks in der Stadt, gewissermaßen unsere Weltzeit. Lieber Herr Gabriel, danke für Ihr vielfältiges, engagiertes, positives Wirken in ihrer, in unserer Stadt. 

 Ich nenne das Pfalzquartier! Das ist gleichsam die Rolex. Hier haben sich all die vielen Vorarbeiten gelohnt. Und – da sind wir sicher einer Meinung - das permanente Festhalten an einer ganzheitlichen Entwicklung. Mit der im Dezember unterzeichneten Entwicklungsvereinbarung mit Ehrenbürger Hans-Joachim Tessner, den ich für heute entschuldigen darf, haben wir die Chance, das „scheußlichste Stück Goslar“ (so hat es der Vizepräsident des Landesdenkmalamtes mal formuliert) zu entwickeln und unsere Kaiserpfalz aus „unwürdiger Nachbarschaft“ (Zitat Prof. Stölz) zu befreien. Wir werden Goslar stadtbildprägend verändern und wir werden im Prozess viel diskutieren und dürfen dabei auch gerne mal streiten. 

Im Rahmen jeder Diskussion sollten wir uns aber stets vergegenwärtigen, dass es ein großes Geschenk und eine große Chance ist, dieses Pfalzquartier überhaupt verändern zu dürfen und zu können. Und das liegt an der Kraft der Tessner-Gruppe und der Tessner-Stiftung, aber auch ganz maßgeblich an der neugewonnen Kraft der Stadt. Sie geben mir sicher recht, wenn ich behaupte, dass wir vor 5 oder 10 Jahren unsere nötigen städtischen Eigenanteile von sicherlich reichlich 10 Millionen EUR sowie jährliche Unterhaltungskosten – die trotz des großzügigen privaten Zuschusses auf uns zu kommen – nicht hätten stemmen können. 

 Aber die Kraft der Stadt kommt nicht nur in einem gesunden städtischen Haushalt zum Ausdruck. Die Kraft der Stadt sind Ihre – meine Damen und Herren, verehrte Gäste, sind Ihre Frauen und Männer, die in der Stadtverwaltung für unsere Stadt arbeiten. Es sind meine Kolleginnen und Kollegen, die Geld auch verbauen müssen, die planen müssen, die engagiert und fleißig und nicht überbezahlt ihren Dienst tun. Bei aller notwendigen und berechtigten Kritik an Verwaltungswirken sage ich – ich hoffe auch in ihrem Namen – herzlichen Dank allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Kernverwaltung, aber auch in Museen, am Rammelsberg, in Schwimmbädern, bei den Stadtbussen und Stadtwerken, beim Betriebshof, beim Gebäudemanagement, in Schulen und Kindergärten. Erlauben Sie mir die namentliche Erwähnung von Ersten Stadtrat Burkhard Siebert, von Frau Siegmeier, Herrn Becker und Herrn Kasties als Fachbereichsleiter, Herrn Dorloff aus Chef des Gebäudemanagements Auch deshalb wehre ich mich entschieden gegen Kritik an gestiegenen Personalausgaben der Verwaltung wie in den jüngsten Haushaltsberatungen zu erleben. Es sind gerade meine Kolleginnen und Kollegen die Stadtentwicklung jeden Tag begleiten und befördern. Wachstum und Fortschritt braucht – neben mutigen Investoren – auch immer eine Verwaltung die die Kraft auf die Straße bringen kann

 Zurück zum Pfalzquartier: Wir alle dürfen an diesem großartigen Veränderungsprozess teilhaben. Wir werden Akzente setzen für kommenden Generationen! Und wir werden unsere Entscheidungen deshalb so sorgsam abwägen und so sorgfältig treffen, wie wir es die vergangenen 5 Jahre auch gemacht haben. 20 Jahre Stillstand werden eben nicht in einem Jahr aufgelöst. Zur Klarstellung: Die Kaiserbleek-Kaserne (heute Amtsgericht) von 1928 und die Krahmer-Möllenberg Kaserne (heute Stadtverwaltung) von 1902 bleiben als denkmalgeschützte Gebäude erhalten und sind nicht Teil der Vereinbarung. Alles andere, möchte ich fast sagen, wird neu: • Wir reden über die Fläche, die Anfang der 1970 Jahre als Parkplatz hergerichtet wurde. • Wir reden über das Waschbetongebäude, das die 1965 abgerissene Domkaserne ersetzt hat. • Wir reden über die Hintergebäude und Fahrzeughallen. • Wir reden über die Freiflächen, die heute als Parkplatz genutzt werden. • Wir reden, meine Damen und Herren, über einen gigantischen Städtebaulichen Impuls für diese Stadt. • Und wir reden eben heute neben Hotel und Parken auch über einen Kulturbaustein, den wir gemeinsam in dieser Stadt in eine andere Richtung entwickelt haben als es unsere ursprüngliche Idee war. Denn wir sind weg von dem zweiten Museum für zeitgenössische Kunst in der Stadt und sind ganz stark bei einer Kultur-, Veranstaltungs-, Tagungs- und Eventstätte. Kultur in der Stadt Goslar ist eben nicht nur der Kaiserring. 

Aber: Der Kaiserring ist von besonderer Bedeutung. Im letzten Jahr haben wir erlebt, dass der Kaiserring stetig an Kraft gewinnt, auch in der 20.00 Uhr Tagesschau haben wir es – nach längerer Abstinenz – mal wieder geschafft ganz groß auf Millionen von Bildschirmen zu kommen. Meine Damen und Herren, und es ist eine schöne Tradition, dass der Ringträger im Rahmen des Neujahrsempfangs bekannt gegeben wird. Eine Tradition, die wir erhalten haben und erhalten werden. Und ich möchte das auch in diesem Jahr tun. Der Kaiserringträger 2018, unser 43., heißt Wolfgang Tillmans. Der 1968 in Remscheid geborene, in Berlin und London lebende Künstler zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Fotografen. In ihrer Begründung schreibt die Kaiserring-Jury unter anderem: „Wolfgang Tillmans hat bisher bereits ein dichtes, vielschichtiges Lebenswerk geschaffen, das international intensiv rezipiert worden ist. Angetrieben wurde er dabei von den großen Fragen: nach der Wahrheit (auch nach der des Bildes), nach Erkenntnisgewinn, nach der Wahrnehmung der Gestirne, nach der Dokumentation der Fülle und Flüchtigkeit des unmittelbaren Lebens, nach Schönheit, nach Freundschaft, nach Freiheit. … Die Kamera war ihm daneben auf seinen zahlreichen Reisen Instrument, um die Vielfalt der Erscheinungen unserer globalisierten Welt wie auch die Einzigartigkeit der Orte festzuhalten. … Die Analyse des Mediums der Fotografie, das Ausloten ihrer Grenzen, sowie das Austarieren zwischen Poesie und Ernüchterung machen Wolfgang Tillmans zu einem der bedeutendsten Fotografen unserer Zeit.“ Soweit die Jurybegründung im Auszug. Weitere Informationen über den Preisträger liegen gleich auf den Tischen aus. Meine Damen und Herren, liebe Kulturfreunde, ich freue mich auf die Verleihung am 28. September 2018 hier in der Kaiserpfalz. 

 Und wenn ich jetzt erneut auf die Uhr schaue, so hat es mit der Eigenkritik zu tun, dass ich auch heute wieder zu lange spreche, aber vor allem damit , dass ich auf das Innenleben der Uhr hinweisen möchte. Es sind die vielen Rädchen, die sinnvoll ineinandergreifen, in ihrer Gemeinschaft das Werte in seiner Komplexität zustanden bringen. Das macht nicht nur eine gute mechanische Uhr, sondern auch eine Stadt aus. Ist es nicht so, dass auch wir nur erfolgreich sind in unserem Schaffen für unsere Stadt, wenn ein Prozess, ein Rädchen in das andere greift, wenn alle Zusammenarbeiten, der eine mit und für den anderen? Und ist es nicht so, dass wir in Goslar unsere Uhr selbst wieder aufgezogen haben? Meine Damen und Herren, gerne nehmen wir die gute Konjunktur mit, ABER: Und darüber habe ich hier von dieser Stelle aus in den vergangenen Jahren stets gesprochen: Es gibt im Rahmen von guter und schlechter Konjunktur, hoher oder niedriger Steuereinnahmen oder Finanzzuweisungen, immer eigenes kommunales Wirken, es gibt gute und schlechte Politik vor Ort. 

 Wir alle haben es nachhaltig geschafft, den städtischen Haushalt auf solide Füße zu stellen. Der sechste ausgeglichene Haushalt in Folge zeigt, dass die Instrumente Fusion und Zukunftsvertrag dauerhaft wirken. Wo stünde die Stadt Goslar heute, wenn wir diesen Weg nicht gegangen wären? So jedoch bauen wir weiter Schulden ab und erwirtschaften Überschüsse, die Luft für Investitionen möglich machen. Und die sind weiter notwendig – ich bin heute über den Marktplatz gestolpert. Auch der hat eine Kur nötig. Und mit mir können doch ganz viele das Gerede gerade von den Menschen nicht mehr hören, die an diesen historischen und wirksamen Instrumenten Zukunftsverträge und Städtefusion nicht mitgearbeitet haben, nicht zugestimmt haben und heute so tun als ob die Dynamik dieser Stadt allein guter Konjunktur zu verdanken ist. Nein, meine Damen und Herren, Es gibt eben Stadtgesellschaften, die im Zusammenspiel gut wirken oder eben nicht. Und ich kann und mag das Gerede nicht hören: Wir können ja nichts tun, die Konjunktur ist schuld, Hannover ist schuld, Berlin ist schuld, die Flüchtlinge sind schuld, der Rat ist schuld oder der Oberbürgermeister – letzterer ja besonders gern. 

 Stadtentwicklung ist Mannschaftsleistung. Alle Rädchen müssen funktionieren! Rat, Verwaltung, Oberbürgermeister, Wirtschaft, Kulturvertreter, Erzieher, Lehrer, Bürgerschaft, Ehrenbürger, Außenminister – Alle! Und ich meine damit insbesondere Sie alle, meine Damen und Herren! Sie alle, wir alle - sorgen für eine funktionierende Stadt Goslar, in der wir uns doch richtig wohlfühlen. Verehrte Gäste, Die Weichen für die Zukunft zu stellen, Zahnräder im Uhrwerk nachzuziehen und sich fit für die Zukunft und den Wettbewerb zu machen, das war und ist die entscheidende Leistung des Zukunftsvertrages und macht uns – gerade im Vergleich zu anderen – stark. Die Goslarsche Zeitung hat in den letzten Wochen im Rahmen der Haushaltsplanberatungen vielfach darüber berichtet. Um uns herum werden Hebesätze „angepasst“, was ja Erhöhung bedeutet und werden Gebührenschrauben „neu justiert“, was übrigens auch Erhöhung bedeutet. Ich bleibe beim Bild der Uhr: Schließlich sind es die Zeiger, der große wie der kleine, die uns vorne zeigen! Und wo ist vorne? Wohin zeigt die Entwicklung der Stadt? Wie sieht die Stadt in 5, in 10, in 20 Jahren aus? Mit diesen strategischen Fragen haben wir uns mindestens genauso intensiv zu beschäftigen wie mit der Frage, welche Bordsteinkanten in den kommenden 12 Monaten saniert werden müssen.

 Meine Damen und Herren, ich erinnere mich noch gut an eine intensive Strategiediskussion mit Michael Bitter im Frühjahr 2012, die wir damals dem Zukunftsvertrag vorschalten mussten, da das Innenministerium für unsere Konsolidierungsmaßnahmen auch einen gedanklichen Überbau sehen wollte. Michael Bitter: Auch einer – gerade auch bei allen unterschiedlichen Meinungen zwischen ihm und mir – dieser Menschen, ohne den die positive Entwicklung der Stadt nicht denkbar gewesen wäre. Der Ideen hatte und nach vorne gearbeitet hat. Denken Sie nur an den Weihnachtsmarkt! In allen Beziehungen großartig. Und ein riesen Geschäftsbetrieb für Gastronomen, Schausteller und Hoteliers – aber auch für unseren Einzelhandel. Bei aller auch von mir gerne entgegengenommenen Kritik zum geplanten Tourismusbeitrag: Bleibt fair in der Stadt. In dieser Stadt wird eben deutlich mehr als in anderen Städten vom Tourismus profitiert. Und dann dürfen sich gerade die, die besonders profitieren, auch stärker in die finanzielle Pflicht als andere nehmen lassen. 

 Das nur zu dem wirklich sehr unqualifizierten Stammtischgerede bei den Themen Gästebeitrag und Tourismusbeitrag. Man muss nicht dafür sein, aber sich wenigstens Argumente anhören, Und man muss keine Online-Petition mitzeichnen, wenn man sonst eher 1.0 als 4.0 unterwegs ist. 

 Zurück zur Strategiediskussion mit Michael Bitter in meinem Büro: „Wachsende Stadt mit Zukunft“ hatte er auf einen Zettel geschrieben und wir diskutierten einen halben Nachmittag über diesen Satz: Was soll denn wachsen in der Stadt? Meine Damen und Herren, können Sie sich an die Jahre der Bedarfszuweisungen, Haushaltssparrunden und dramatisch sinkenden Einwohnerzahlen, an die Jahre des Stillstands erinnern? Verlorene Jahre – so lange ist das noch nicht her. „Wachsende Stadt mit Zukunft“ – der Satz von Michael Bitter war dann selbst mir im Frühjahr 2012 zu mutig. Und trotzdem haben wir an diesem Nachmittag Weichen gestellt, weil wir die Vorzüge unserer Stadt, Vorzüge des Ländlichen Raums klar herausgearbeitet haben. Und festgehalten haben, dass es eben keinesfalls angesagt ist, den Kopf hängen zu lassen, sich mit sinkenden Einwohnerzahlen und leerer Stadtkasse einfach so abzufinden.

 Der Ländliche Raum, die Ländlichen Räume, sind kein Auffangbecken der Abgehängten! Gesunde Mittelstädte wie Goslar sind die Zukunfts- und Gewinnerstädte der nächsten Jahre, gerade deshalb weil Digitalisierung und das gerne verteufelte Internetz die Schwächen der Ländlichen Räume kompensieren. Ich habe dazu vor zwei Jahren sehr ausführlich Gedanken mit Ihnen im Rahmen des Neujahrsempfangs geteilt – vielleicht erinnern Sie sich? Achten Sie in den nächsten Jahren darauf, meine Damen und Herren, Arbeit folgt in Zukunft immer stärker dem Wohnen und nicht mehr umgekehrt. Und genau da ist unser Hebel, deshalb entwickeln wir attraktive Angebote in einer attraktiven Stadt, damit in Goslar gerne gewohnt und gelebt wird. Denn wer möchte in Großstädten leben, in denen Wohnen nicht mehr bezahlbar ist oder das, was bezahlbar ist, nicht mehr als Wohnen empfunden wird? 

 Die gesunde, ganz nahe Natur! Die Nachbarschaft ist bekannt! Bekannte und Freunde auch erreichbar. Das schafft Identität und Lebensqualität. Es ist doch total schräg, dass in Großstädten mit staatlichen Mitteln zu horrenden Preisen Grundstücke gekauft werden, dann mit teuren Wohnungen bebaut und teuer vermietet werden. Ich denke, da sind wir uns einig: Diese Politik ist ein Totalversagen in der Entwicklung unseres Landes: Und was verfehlte Politik – Stichwort Zonenrandförderung – mit einer ganzen Region machen kann, sehen wir hier jeden Tag mit traurigen Augen. 

 Meine Damen und Herren, ich freue mich auf jeden Neubürger – gleichgültig welchen Alters und welcher Herkunft. Neubürger zahlen Steuern, füllen Grundschulen und kaufen Eigenheime, Goslar rückt in den Blick als alternativer Wohnort zu den übervollen Groß- und Universitätsstädten. Und nicht nur Wohnungen, auch Arbeitsplätze sind da. Deshalb, meine Damen und Herren, konnten wir den Fliegerhorst so schnell entwickeln, haben wir Bewegung am Kattenberg haben wir Bewegung am Odeon, haben wir Bewegung mit 12 neuen Einfamlienhäusern in Wiedelah, Deshalb interessieren sich Investoren für unsere Stadt. Das hat immer auch ganz viel mit Psychologie zu tun. Meine Damen und Herren, ich bin wirklich froh darüber, dass wir die Zeit der Depression, der roten Laterne, hinter uns lassen konnten. Aufbruch und Dynamik sind in der Stadt zu spüren. Aufbruch und Dynamik – das ist unsere gemeinsame Arbeit und Engagement. Dafür bin ich Ihnen allen sehr, sehr dankbar! Diese Stadt holt aktuell eine lange Stillstandsphase auf, das ist gut so! 

Die Zeiger drehen sich schneller. An vielen Stellen in der Stadt bewegt sich etwas, bewegen wir etwas. Wir tun dies, weil wir die Stadt Goslar attraktiv machen wollen. Und das schlägt sich auch in den Einwohnerzahlen nieder: 50.652 Einwohner zeigen erneut, dass die Talsohle tatsächlich durchschritten ist und sich Goslar für den Wettbewerb um Fachkräfte und Bevölkerung gut aufgestellt hat. Ich denke, Wir können daher selbstbewusst in die Zukunft blicken und ich setze weiter auf fröhliche und optimistische Menschen in der Stadt, die Chancen sehen und nicht nur Risiken. Goslar als Gewinnerstadt – mein Thema vom Vorjahr - funktioniert nur im Verbund einer der starken Region. Wir gehen Hand in Hand und profitieren voneinander. Und Sie erlauben mir an dieser Stelle der Verweis auf meine innere Uhr, meinen Kompass. 

 Unter Region begreife ich nicht, dass wir der schicke, gute Luft- und tolle Natur-Vorgarten von Braunschweig sind. Mein Kompass zeigt nicht nur nach Norden, sondern ist auf die gesamte Region ausgerichtet. Bis 1989 haben wir uns natürlich nur in den Norden bewegen können, Geschäfts- und Freundschaftsbeziehungen aufbauen können. Der Verflechtungsraum ist aber doch heute ein anderer: Wir sind wichtiger Teil der Tourismusdestination Harz! Wir sind wichtiger Teil des Harzes. Und wir werden in Zukunft auch Wirtschafts- und Wissenschaftskontakte zwischen unseren Mittelstädten im Harz weiter ausbauen! Meine Damen und Herren, es ist mir persönlich eine große Freude und Ehre, es tut richtig gut, dass heute so viele Ehrengäste hier sind, die mit mir gemeinsam für unsere Städte, für unseren EINEN HARZ arbeiten. Nicht mit Parallelstrukturen und richtig viel Geld, sondern mit Engagement und dem Herz auf dem rechten Fleck. Ein Herzliches Willkommen und ein kräftiges Dankeschön allen anwesenden Freunden der EIN-HARZ-Initiative. Namentlich Peter Gaffert, Minister Stahlknecht, Herrn Uhlenhaut von der Harz Energie, Frau Mertelsmann vom Arbeitgeberverband und den Ehrenpräsidenten des Harzklubs Michael Ermrich. . Meine Damen und Herren, ein letzter Blick auf die Uhr und auch wenn dem Glücklichen keine Stunde schlägt, ist meine Zeit für heute – aber nur für heute – abgelaufen: Sie alle, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, aber auch alle Gäste und Freunde der Stadt machen unser Goslar aus. Und deshalb sage ich Ihnen sehr herzlich vielen Dank. Viele von Ihnen leisten einen beispielhaften persönlichen Einsatz in Schulen, Vereinen, Kirchen, im kulturellen, sportlichen oder sozialen Bereich, in den Rettungseinrichtungen und an vielen anderen Stellen ehrenamtlich für die Gemeinschaft, für unsere Stadt Goslar. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle unsere ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden. Lieber Stadtbrandmeister Christian Hellmeiner, richtig, richtig gute Arbeit die Du mit Deinen Ortsfeuerwehren leistest. Das Ehrenamt trägt die Stadt, sorgt für Lebensqualitität. Danke dafür! Lassen sie mich das Blumenpflegeteam der Abzucht nochmal ganz besonders herausstellen. Meine Twitter-Freunde wissen ja, dass ich mich beinahe jeden Tag an den Abzuchtblumen erfreue, die mich bunt und fröhlich in den Tag starten lassen, wenn ich meine Kinder in die Schule bzw. den Kindergarten bringe. #Abzuchtblumen!

 Ich danke den Spendensammlern Frau Kempfer und Frau Pätzold-Belz von der GZ und noch mehr, denen die heute auch großzügig gespendet haben. 

 Und danke allen Helferinnen und Helfern, allen Sponsoren heute Abend: Der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine, namentlich dem Vorstand Dirk-Peter Vorderstemann, die erneut zu diesem Neujahrsempfang gemeinsam mit der Stadt Goslar eingeladen hat. Unterstützt haben uns weiterhin: Moritz Schwartz der Harzer Grauhof Brunnen) die Altenauer Brauerei ) Unterstützt haben auch wieder ganz viele Helferinnen und Helfer aus meiner Verwaltung. Meine Damen und Herren, Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien für das Jahr 2018 viel Glück, Gesundheit und persönliche Zufriedenheit und uns allen weiterhin ein gutes, erfolgreiches Miteinander. Wir erleben in Goslar aktuell richtig gute Zeiten, die vielleicht besten seit Jahrzehnten, lasst Sie uns nutzen! Ich wünsche uns abschließend. Weite des Geistes, gegen die Engstirnigkeit der Populisten Hoffnung gegen lähmende Angst vor der Zukunft Mut anzupacken gegen die Resignation Geöffnete Hände gegen geballte Fäuste, GLÜCK AUF MEINE DAMEN UND HERREN! –

Oliver JunkHerzenssache