Herzenssache Goslar - Der kommunale Forstbetrieb

 „Ich und mein Holz!“: Gerade weil die Stadtforst Goslar kürzlich wegen ihres negativen Jahresabschlusses völlig zu unrecht durch Ratspolitik in die Kritik geraten war, möchte ich sie in dieser Woche zu meiner Herzenssache machen. 

Herzenssache Stadtforst:


Der Wald ist die grüne Lunge unserer Erde. Seit Jahrmillionen prägen Wälder das Erscheinungsbild unseres Planeten. Goslar besitzt mit rund 3.000 Hektar den größten Kommunalwald in ganz Niedersachsen. Er ist Teil des Goslarer Dreiklanges Stadt – Bergwiesen – Wald und trägt ganz maßgeblich zum hohen Naherholungswert unserer Stadt bei. 

Damit ist der Wald auch nicht nur schön und ökologisch wertvoll, sondern echter Standortfaktor. 

Seit dem 1. Januar 2013 wirtschaftet die Stadtforst Goslar als Eigenbetrieb der Stadt und konnte bereits finanzielle Beiträge zur Haushaltskonsolidierung der Stadt Goslar leisten. In den ersten beiden Jahren gab es positive Betriebsergebnisse (2013: 370.230 Euro, 2014: 182.673 Euro). Das Forstwirtschaftsjahr 2015 nun schloss mit einem Verlust von knapp 28.000 Euro. Zu kurz gesprungen scheint mir die These, dies liege nun am Management und fehlendem betriebswirtschaftlichem Handeln. Meine Kolleginnen und Kollegen, und dazu gehören auch die Damen und Herren im Eigenbetrieb Stadtforst, arbeiten sehr engagiert, sehr fleißig. Den Eindruck von Seiten der Politik zu erwecken, meine Mitarbeiter interessierten sich nicht für Zahlen, könnten sie nicht lesen, schon gar nicht rechnen, ist mindestens unfair. 



Schließlich war Hauptursache für den Betriebsverlust der Frühjahrssturm „Niklas“, der allen Waldbesitzern das Leben erschwert. Der Sturm im März 2015 hatte aufgrund des Überangebots an Holz zu sinkenden Preisen um mehr als 20 Prozent geführt, wovon sich der Markt bis heute nicht völlig erholt hat. Dazu kamen hohe Pensionsrückstellungen im Betrieb, die aufgrund der Niedrigzinsphase deutlich höher ausfielen als erwartet. Dabei geht es also um Versorgungsleistungen des Betriebes für ehemalige Förster und Beamte. Vielleicht sollten die Kritiker sich die Wirtschaftlichkeit des Betriebes mal bereinigt um diese „Altlasten“ anschauen?! 

Der Wegebau ist bei einer Gesamtwegelänge in der Stadtforst von ca. 200 km eine Daueraufgabe. Zur Verbesserung der Wegesituation fielen ebenfalls höhere Kosten an als im Vorjahr, allerdings war hierbei der Anteil der grundhaft sanierten Wege hoch. Das alles ist mir aber ist mir noch gar nicht so wichtig. 

Denn: Ist es wirklich erste Aufgabe unseres kommunalen Forstbetriebes, Gewinne zu erwirtschaften und dem Kernhaushalt Geld zuzuführen? Oder geht es nicht auch um vernünftige Wege für Wanderer und Mountainbiker? Geht es nicht auch um Naherholung und Freizeit? Um Tourismus? Um den ökologischen Wert? Klimawandel? 



Der Wert der Stadtforst an sich beträgt immerhin gut 34 Millionen Euro, aufgeteilt u.a. auf den Bodenwert und den des sogenannten stehenden Holzes. Ist es deshalb nicht viel richtiger das Vermögen insgesamt zu betrachten, unabhängig von Jahresgewinnen. Es ist doch bestimmt richtig, auch mal weniger zu schlagen (gerade wenn die Holzpreise nicht passen), Tafelsilber zu mehren! 

Unser Wald ist so etwas wie unser Tafelsilber und wie Tafelsilber dürfen wir ihn nicht verhökern. In der Vergangenheit gab es ja immer wieder Überlegungen, den Stadtwald zu verkaufen wie es viele überschuldete Kommunen mittlerweile auch getan haben. 

Doch ein schneller Verkaufserlös stünde für mich im Gegensatz zu einer langfristigen nachhaltigen Nutzung, die unserem Jahrhunderte alten Wald gebührt. Auch im Rahmen des Zukunftsvertrages war unsere Stadtforst „Schonvermögen“ und dabei bleibt es auch, wenn es nach mir geht! Regelmäßiger, aber mäßiger Holzeinschlag – immerhin dauert es je nach Baumart um die 100 Jahre ehe dieser nachgewachsen ist. 

 Der Wald ist kein kurzfristiges Tagesgeschäft. Dazu gehört auch, den Wald im Hinblick auf den Klimawandel für die Zukunft aufzustellen. So treibt unsere Stadtforst den Waldumbau weiter voran, um das Ziel eines stabilen, artenreichen Mischwaldes aus Laub- und Nadelbäumen zu erreichen. Denn Vielfalt, Quantität und Qualität unserer Wälder sind keine Laune der Natur – auch wenn sie dafür den Grundstock gelegt hat. Die Wälder, die wir heute so selbstverständlich als natürlichen Teil unserer Heimat wahrnehmen, sind Ergebnis harter Arbeit und einer jahrhundertelangen nachhaltigen Forstwirtschaft. 

Lassen wir unsere Stadtforst also in Ruhe weiter daran arbeiten, unseren Wald gesund und attraktiv zu erhalten – für die Goslarer, für die Touristen, für die Jäger und dies auch in den nachfolgenden Generationen.  

Die kommunale Forst Goslar ist kein Unternehmen, sondern Vermögen und Verpflichtung. Tafelssilber pflegt man und plündert es nicht.