Der Goslarer Schiefer

„Der lokale Goslarer Tonschiefer ist als Dacheindeckung und Fassadenbehang stadtbildprägend für die seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Goslarer Altstadt.“ – so oder so ähnlich ist es immer wieder zu lesen. Aber ist denn der Goslarer Schiefer, den wir auf so vielen Dächern sehen tatsächlich Goslarer Schiefer?

Dieser Frage bin ich nachgegangen. **Herzenssache Goslar: Der Goslarer Schiefer! **

Zunächst waren die meisten Schiefergruben oder Schieferbrüche in und um Goslar überhaupt nicht dazu geeignet, Dachschiefer zu gewinnen. Wie etwa die Schiefermühle am Rammelsberg auch, wurden die meisten Schieferbrüche für die Gewinnung von Versatzmaterial für den Bergbau benötigt.

Deshalb war es ein ganz besonderer Reichtum, dass in Goslar gleich an drei verschiedenen Stellen Dachschiefer gewonnen werden konnte: Neben der Rathschiefergrube waren das die Gruben am Nordberg und am Glockenberg.

Was macht den Goslarer Schiefer nun aus?

Klar, man muss kein Dachdecker sein, um erkennen zu können, dass Schiefer nicht gleich Schiefer ist. Der traditionelle, klassische Goslarer Schiefer, zeichnet sich durch eine ganz charakteristische und abwechslungsreiche mittelgraue bis hellbraune Farbigkeit aus.

Seit den 1960er Jahren wird in Goslar kein Schiefer mehr abgebaut. Warum? Nun in den 1960er Jahren kam leider der Ethernit Schiefer bzw. Ethernit Schieferplatten auf. Die waren kostengünstiger und sollten wahrscheinlich auch länger halten als Naturschiefer. Dieses Material ist im Übrigen asbestbelastet und darf heute bei Fassaden- bzw. Dachsanierungen teuer entsorgt werden.

Das war es also mit den Ethernet-Platten; das war es aber auch mit dem Goslarer Schiefer.

Und wie erhalten wir nun in der Welterbestadt die so stadtbildprägenden Schieferfassaden und Schieferdächer?

Tatsächlich legen wir Wert darauf, dass der Schiefer nicht aus der Stadt verschwindet. Wer ist wir? Da heißt es immer schnell die Verwaltung und die Denkmalschutzbehörde. Dabei kommt aus meiner Sicht viel zu kurz, dass es viele, viele Eigentümerin und Eigentümer in Goslar gibt, die sich mit sehr viel Herz und sehr viel Geist und auch mit sehr viel Geld, um ihre denkmalgeschützten Häuser kümmern, weil sie - auch ohne Auflagen und Gesetzen - sensibel genug mit ihrer Stadt und ihren Häusern (und ihrem Schiefer!) umgehen.

Aber: Der Naturschiefer ist nun mal ein Material, dass nicht ewig hält. So nach 70, 80 Jahren muss neu gedeckt werden. Schadhafte Schieferdeckungen müssen durch neuen Schiefer ersetzt werden.

Naturschiefer kann inzwischen sehr kostengünstig aus Spanien importiert werden. Dieser ist aber erheblich dunkler, anthrazitfarbig.

Man sieht die Unterschiede dann ganz gut, wenn schadhafte Dächer repariert wurden und der Spanische Schiefer zwischen dem Deutschen Schiefer liegt.

Deshalb setzen wir - etwa bei dem Umbau des Goslarer Rathaus und der neuen Dacheindeckung - auf Schiefer aus dem Hochsauerlandkreis.

Exakt aus dem Verbundbergwerk Magogo-Gomer-Bierkeller. Das Schieferbergwerk liegt im Ortsteil Bad Fredeburg der Stadt Schmallenberg. Das ist die einzig übrig gebliebene Schiefergrube in Nordrhein-Westfalen. Früher war es mal über 100!

Dieser „Fredeburger Schiefer“ kommt dem Goslarer Schiefer von den Farbigkeit sehr nah.

Mich hat interessiert, wie solche Schieferdachplatten im Hochsauerland überhaupt gewonnen und hergestellt werden und die Frage dem Bergbauprofessor der TU Clausthal, Oliver Langefeld, gestellt.

Und der hat seine Kontakte genutzt und mich eingeladen: „Das schauen wir uns an! Wir fahren ein in das Schieferbergwerk und verfolgen den Schiefer auf dem Weg auf das Dach des Goslarer Rathaus!“ so die Idee von Prof. Langefeld.

Und genau das haben wir vor wenigen Tagen auch in die Tat umgesetzt.

Spannend - sage ich Euch. Mit schwerem Gerät und Presslufthammer werden riesige Schieferplatten aus dem Berg gesprengt.

Dabei wird darauf geachtet, dass die Schieferplatten beim Herunterbrennen nicht zerstört werden.

Mit Schaufel-Ladern wird der Schiefer aus dem Berg gefahren….

Und sieht dann in etwa so aus:

Direkt neben der Grube wird der feuchte Schiefer zugesägt und zugehauen; teils mit Maschinen, teils aber auch noch ganz klassisch - in Handarbeit.

_Hier versucht sich Prof. Langefeld! _

Blick in die Schiefergrube!

_Blick in die Schiefergrube! _

Wenn man sich tatsächlich die Zeit nehmen darf und nimmt, den Weg verfolgt: Das Auffahren und Bewirtschaften der Grube. Die ehrliche Arbeit des Schieferabbaus und die tatsächlich ebenso ehrliche Verarbeitung der großen Schieferquader bis hin zur Schieferplatte, die wir auf unsere Häuser bringen lassen — dann wird der “hohe” Schieferpreis für den deutschen Schiefer nachvollziehbar.

Aber vor dem Hintergrund der Kosten ist ein weiterer Punkt erwähnenswert, der die Bewahrung des Goslarer Schiefers wichtig macht. Es geht um die Art und Weise des Aufbringens, nennen wir es Verlegetechnik.

In Goslar wird der Schiefer nach der sog. Altdeutschen Technik aufs Dach gebracht. Menschen, Dachdecker, die das Können, werden immer weniger.

Immer weniger Menschen lernen den Dachdeckerberuf und immer weniger Menschen genießen die Möglichkeit, in einem Dachdeckerbetrieb auch diese Verlegetechnik zu erlernen. Achten wir auch darauf!

Ich freue mich jedenfalls darüber, dass Goslar sich eben nicht nur durch die zahlreichen Fachwerkhäuser auszeichnet, sondern dass auch und gerade der Schiefer - der Goslarer Schiefer - unsere Altstadt so sehr prägt.

Meine #Herzenssache #Goslar: Der Goslarer Schiefer!