Herzenssache Goslar: Der Birkenhof wird Bio!

Der Birkenhof denkt um! 

Und deshalb meine Herzenssache in dieser Woche: Der Birkenhof wird Bio! 

Mit der Städtefusion Goslar-Vienenburg hat sich eine Berufsgruppe stärker in meinen Fokus gerückt: Es sind die Bauern, die landwirtschaftlichen Betriebe in unserer Stadt. 

In Alt-Goslar einige wenige Bauernhöfe  - in Jerstedt, in Hahndorf, ja auch der Birkenhof in der Immenröder Str. natürlich. Das hat sich jetzt geändert.  Schaut mal in unsere „neuen“ Ortsteile: Landwirtschaft ist ein sehr wichtiges Thema. 

Und mit der Landwirtschaft sind selbstverständlich auch viele Arbeitsplätze und Existenzgrundlagen verbunden. In den vergangenen Wochen war ich unterwegs, habe mir hier und da ein Bild machen können. In Immenrode erinnere ich mich gerne an meine Mähdrescherfahrt & die Maisernte, an die Begegnungen am Grill bei Breustedts, die Biogasanlage in Immenrode. 

Besucht habe ich u. a. auch den Schweinestall und den Betrieb von Gero Krumme, gerade gestern habe ich Konrad Görg auf dem Gut Grauhof kennengelernt. Ich denke auch an die Familie Zein in Wennerode, die Broihans und und und. 

Ja, die Landwirtschaft hat sich stark verändert. Ich bin auf dem Land groß geworden. Die Aussiedlerhöfe von einst, Betriebe mit 50 ha, die ich aus meiner Kinder- und Jugendzeit kenne und die damals unvorstellbar groß und modern waren, können heute keine Lebensgrundlage mehr bieten. Die Betriebe werden größer und größer, spezialisieren sich immer stärker auf Felderwirtschaft oder die Schweine oder (außerhalb Goslars) auf die Rinder. 

Bei allen Gesprächen spüre ich: Landwirt sein ist kein Beruf, das ist sehr stark Berufung und Leidenschaft und die Aufgabe ist von großer Verantwortung geprägt, nimmt Rücksicht auf Tier und Natur. Diese Verantwortung und diese Rücksicht spreche ich keinem Landwirt ab und doch wird bei den Betriebsbesuchen auch sichtbar, dass es keine Blaupause für einen funktionierenden Landwirtschaftlichen Betrieb gibt. Jeder Bauernhof funktioniert anders, findet sein eigenes wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell. 

 Und ein ganz spezielles, besonderes Angebot hält der Birkenhof in Goslar in der Immenröder Straße bereit. 

Der Birkenhof denkt um, die Familie Tatge denkt um. Der Birkenhof liegt vor den Toren Goslars mit Blick auf die Berge des Vorharzes und die Kirchtürme der Altstadt. Er besteht seit 1930 und wurde von Rudolf und Annaliese Thiele erbaut. Im Laufe der Jahre befand sich der Hof in einem stetigen Wandel. So gab es anfangs eine Milchkuhherde und einige Morgen Ackerland. Das Bauernhofleben wurde durch einige Hühner, Schafe, Gänse, Puten, zwei Pferde und zwei Zugochsen ergänzt. Die Ländereien wurden durch Kauf und Pacht erweitert. 

Später wurde der Kuhstall zu einem Schweinezuchtstall umgebaut. Heute wird die Landwirtschaft vor allem durch den Ackerbau und die Legehennenhaltung bestimmt. 

Seit 1967 ist der Hof Teil der Birkenhofstiftung – einer Familienstiftung, die von Annaliese und Rudolf Thiele gegründet wurde, um alle Kinder finanziell abzusichern. 

1986 wurde der Betrieb dann von Heidrun und Frank Tatge übernommen. Neben der Bewirtschaftung von über 100 ha bauten die Tatges das Thema Direktvermarktung auf und aus: Kartoffeln, Eier, Saisonartikel wie Spargel – natürlich auch der Weihnachtsbaumverkauf. 

Und die Direktvermarktung wurde Jahr für Jahr stärker auch zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein für den Hof. An jedem Tag ist der Hofladen geöffnet! 

Tochter Katharina, Jahrgang 1989, interessierte sich schon früh für die Landwirtschaft, studierte ökologische Agrarwissenschaften. Auf ihrem Lehrbetrieb im Norden lernte sie ihren Lebenspartner Frieder kennen und die beiden schmiedeten einen Plan! „Wir kommen nach Hause, wir kommen nach Goslar – aber nur dann, wenn der Betrieb ökologisch umgestellt wird!“ so Tochter Katharina. 

 Die Eltern stimmten zu, die Stiftungsmitglieder stimmten zu – die Landwirtschaft bleibt in der Familie. Und so sind die Tatges vor drei Monaten dem Naturland-Verband beigetreten (Wettbewerber sind z. B. Bioland und Demeter). Seit Mitte des Jahres befindet sich der Betrieb in der ökologischen Umstellung. 

Trotz Umstellungsprämie sind die nächsten Monate, die nächsten drei Jahre ganz besonders hart. Die „Umstellungsware“ ist eben noch nicht ökologisch, die Flächen müssen umgestellt werden, der Betrieb muss umgestellt werden, die Erträge werden geringer. 

Und deshalb setzt der Birkenhof in Zukunft noch stärker auf die Direktvermarktung, muss auch aus wirtschaftlichen Gründen darauf noch stärker setzen! 

Kartoffeln, Eier, Honig, Spargel, Gänse, Enten – natürlich auch die Weihnachtsbäume. Die Hühnerhaltung wird um einen Mobilstall erweitert, damit eine noch artgerechtere Tierhaltung ermöglicht werden kann! Ab Februar heißt es dann: Bio – Eier im Hofladen. 

„Und wer wird kaufen?“ fragte ich die Familie. „Das Alter der Kunden ist ganz gemischt!“ – war die Antwort und: „Direktvermarktung ist Zukunft!“. Und ich spüre: Das sind keine Floskeln, das ist wirklich Überzeugung. 

Wettbewerber des Birkenhofs sind weniger andere ökologische Betriebe, sondern der Supermarkt. 

Ich kann den Mut der jungen Landwirte und Eltern Katharina und Frieder nur bewundern! Und das Vertrauen der Eltern in junge Ideen und die Bereitschaft, mitzumachen und an der Umstellung mitzuarbeiten. Und ich drücke beide Daumen!

Für Goslar jedenfalls ein Gewinn in vielfältiger Hinsicht: Für Kunden, die an wirklichen ökologischen Produkten interessiert sind. Für Klatschmohn und Kornblume. Für Krabbelkäfer, Erdhummeln, Wildbienen, Rebhuhn und und und. Und ein Gewinn für uns alle, die wir uns an der Natur erfreuen.

Schaut mal rein: www.birkenhof-goslar.de! Es lohnt sich. Meine Herzenssache Goslar: Der Birkenhof wird Bio!