Herzenssache Goslar  - Das  Goslarsche Pancket

Wenn heute Abend in der Kaiserpfalz der Herold in alter Tracht mit seiner Hellebarde aufstampft und die Gäste zu ihren Plätzen bittet, ist wieder Zeit für das Goslarsche Packet. 


Die ehemalige freie Reichs- und Hansestadt Goslar hat 1967 eine alte hansische Kaufmannstradition wieder aufleben lassen: Mit prominenten Vertretern des öffentlichen Lebens aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien so über Geschäfte zu reden, wie es im Mittelalter der Rat mit Kaufleuten von nah und fern bei einem Glas Wein oder Bier getan hat. Glanzpunkt des Abends ist der mittelalterliche Schmaus, zubereitet nach Originalrezepten eines der ältesten in Deutschland erschienen Kochbücher von M. Marxen Rumpolt, Churfürstlich Meintzischen Mundtkoch – mit römisch kaiserlicher Maiestat spezial Privilegio – im Jahre 1587. Dazu wird ein nach alten Rezepten gebrauchtes Ainpöckisch Bier getrunken. 

Bier war zu jener Zeit das beliebteste Getränk und Goslar hatte im 16. Jahrhundert mehr als 300 Brauhäuser. Bei mir selbst ist es bis heute das beliebteste Getränk geblieben, vielleicht auch deshalb, weil ich die großartig vielfältige oberfränkische Braukunst in Niedersachsen vermisse. Was gäbe ich gerade jetzt beim Schreiben für einen “Krug” von Conny oder eine Flasche Reichhold. Naja, man kann nicht alles haben……

Zurück zum Pancket: Auch das 49. Goslarsche Pancket wird wieder dem traditionellen Ritual folgen, das schon im Jahr 1967 begründet wurde: Zu Beginn stellt der Herold einige besondere Gäste vor, wobei Funktionen und Ämter ins „Mittelalterliche“ übersetzt werden. Da wird aus einem Vertreter der chemischen Industrie ein „Vogt der Alchimisten, Farbmischer und Blaufärber“, aus einem Bänker ein „Verteiler der Dukaten und Taler“ oder aus einem Bundestagsabgeordneten ein „Abgesandter des Volkes im Thing des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen“. Nach Vorspeise und Suppe folgt die Bratenrede, heute Abend gehalten vom Präsidenten der TU Clausthal Prof. Dr. Thomas Hanschke. Mit einem Fackelzug durch die „Aula regis“ wird den Gästen dann der Hauptgang präsentiert. Sobald dieser verspeist ist, verordnet der sogenannte Leibphysikus den Verdauungsschnaps. Diese Aufgabe übernimmt diesmal aufgrund seiner medizinischen Kenntnisse Dr. Kurt Sontheim. 

Die mittelalterlichen Klänge von „NotaBene“, die das Pancket seit vielen Jahren musikalisch umrahmen, begleiten auch noch die Nachspeise, die den Abend kulinarisch beschließt. Doch die Gespräche werden mit Sicherheit noch lange weitergeführt werden – ganz im Sinne des Goslarschen Panckets. Auch heute hat das Pancket den Sinn, bestehende Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. 

Und wer könnte sich da besser als Ehrengast eignen als der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Dr. Rüdiger Grube? Die Deutsche Bahn als ein Unternehmen, das mit 40.000 Zügen auf 33.400 Kilometer Schienennetz jeden Tag 5,5 Mio. Kunden täglich und 607.000 Tonnen Güter befördert und damit wie kein zweites Wirtschaft, Menschen und Orte miteinander verbindet. Dr. Grube reiht sich ein in eine lange Liste hochkarätiger Ehrengäste. So waren zum Beispiel 1978 Helmut Schmidt als damaliger Bundeskanzler, 1995 Bundespräsident Roman Herzog, 2002 der Vorstandsvorsitzende der Preussag AG Dr. Michael Frenzel und zuletzt 2013 der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie Ulrich Grillo beim Goslarschen Pancket zu Gast. Ich freue mich auf einen besonderen Abend!