Herzenssache Goslar: Anja Voges

Ja, das Hochwasser hat schwere Schäden in Goslar und beinahe allen unseren Ortsteilen hinterlassen. Insbesondere die Schäden bei privaten Eigentümern, bei Mietern und bei den Unternehmen machen mich dabei sehr betroffen. 

Aber: Das Hochwassser hat tatsächlich auch „schöne“ Geschichten geschrieben. Und die erzählen von Menschen, die angepackt haben, die zusammengestanden haben. Diese Geschichten erzählen von einer Stadt, die stolz sein kann auf ihre Bürgerinnen und Bürger: Solidarität, Hilfsbereitschaft und hohes Engagement habe ich erlebt und gespürt. 

Ich danke dabei allen Helferinnen und Helfern der Hilfsorganisationen, der Feuerwehren. Ich danke aber dabei auch allen Bürgerinnen und Bürgern, die gesichert, geschöpft, geputzt und aufgeräumt haben. 

Ein solche Bürgerin, im übrigen eine Ratskollegin von der SPD , habe ich heute morgen getroffen und mich bei ihr bedankt – nicht nur persönlich, sondern auch im Namen der Stadt. 

Und zwar deshalb, weil sie eine solche „schöne“ Geschichte im Rahmen der Hochwasserkatastrophe geschrieben hat: 

Frau Anja Voges ist nämlich nicht nur Ratskollegin, sondern auch Leiterin des Kindergartens St. Paulus in Oker. Konfrontiert mit den Wassermassen in Oker hat sie sich am Mittwoch der vergangenen Woche gleich früh ins Auto gesetzt, um selbst nachzuschauen, ob auch „ihr“ Kindergarten betroffen ist. Tatsächlich war ja Ferienzeit und auch sie im Urlaub. Mit Schrecken hat sie dann vor Ort festgestellt, dass die Oker – verläuft gleich unmittelbar hinter dem Altbau des Kindergartens St. Paulus– über die Ufer getreten ist und den Neubau/Rohbau des Kindergartens bereits geflutet hatte. 

Auch die Keller der Nachbarhäuser waren bereits vollgelaufen. Auch in die Grundschule in Oker war bereits das Wasser eingedrungen. Entgegen einer ersten Stellungnahme meiner Verwaltung, der Kindergarten sei nicht zu retten und gegen die Wassermassen nicht zu sichern, hat Frau Voges dann selbst Hand angelegt und sich die Hilfe selbst organisiert. Es ist „ihr Kindergarten“, wie sie sagt. Seit 1982 arbeitet sie in dieser Einrichtung. Den Kindergarten aufgeben war für Anja Voges keine Option. Sie trommelte weitere – im Urlaub befindliche – Erzieherinnen und Erzieher des Kindergartens zusammen, aktivierte Nachbarn, ja aktivierte auch viele Flüchtlinge, die in Unteroker leben und zu denen sie über ihre Hilfs- und Netzwersarbeit einen guten, engen Draht gefunden hat. Menschen, denen sie in der Vergangenheit geholfen hat und die sofort und gerne bereit waren, auch sie selbst zu unterstützen. 

 Auch Mitarbeiter des Goslarer Gebäudemanagements (Herr Zeiske, Herr Walter), sowie die Dachdecker, die am Neubau arbeiteten, wurden durch Frau Voges gewonnen. Fehlende Sandsäcke waren für Anja Voges ein nur kleines Problem. 

Sie aktivierte die Stoffbeutel der Kinder (genutzt für Wechselwäsche etc.), der Sand wurde vom noch nicht überfluteten Sandkasten der Kita organisiert. Damit wurde das Wasser abgelenkt und der Kindergartenaltbau wirkungsvoll geschützt. 

 Im Altbau sicherten die Helfer Tische und Stühle mit Plastiksacküberschuhen. Elektrische Geräte wurden hochgestellt, die Teppiche weggeräumt. Konzentriert, fleißig und schnell wurde durch viele Hände gearbeitet sowie jederzeit gut koordiniert alle von Frau Voges. Und im Ergebnis? Die Sicherungsmaßnahmen waren wirkungsvoll. Vielleicht hat auch das Glück des Tüchtigen geholfen! Das Wasser wurde gestoppt. 

 Der Kindergarten wurde gerettet. Die Kinderbetreuung konnte jetzt nach den Ferien – wie gewohnt – pünktlich starten. Danke Frau Voges! Danke im Namen der Kinder und Eltern, Danke im Namen der Stadt, Danke ganz persönlich. Herzenssache Goslar: Ratskollegin Anja Voges