Goslars Rathaus muss wieder Rathaus werden

- Ein Zwischenruf -


Goslar steigt nach der Sommerpause wieder ein in die politische Arbeit. Und ein zentrales Thema wird der Fortgang der Rathaussanierung sein.

Wie geht es weiter?


Ausgangspunkt war und bleibt die Tatsache, dass das bedeutende, historische Rathaus in der Substanz bedroht war,  dringend saniert werden musste. Die Abdichtung des Daches, die Sicherung der Fundamente, das alles ist Pflicht – mehr aber auch nicht. Die Kostenschätzung für dieses Pflichtprogramm hat sich im Jahr 2011 mit 6,2 Millionen EUR dargestellt. Die Finanzierung war ungeklärt.

Wir haben uns deshalb Gedanken darüber gemacht, wie wir das Rathaus nicht nur sanieren und damit das Rathaus als Denkmal erhalten, sondern wie wir für Bürger und unsere Gäste nicht im Rahmen der Sanierung und der im Raum stehen nicht nur unerheblichen Kosten auch einen Mehrwert organisieren können.

Und wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie wir diese Gedanken auch finanzieren  - im Hinblick auf die Sanierungs- und Ausstattungskosten UND – das ist genauso wichtig – im Hinblick auf den laufenden Betrieb/die dauerhafte Unterhaltung des Gebäudes. Und deshalb, das ist zuzugeben, haben wir auch nicht so schnell loslegen können, wie wir uns das gewünscht hätten. Aber mit leeren Taschen lässt sich weder planen noch bauen. Und schönste Architektenbilder helfen nicht, wenn sie nicht zu finanzieren sind.

Im Rahmen des Diskussionsprozesses sind – insbesondere in den vergangenen 12 Monaten - folgende Gedanken entstanden, die wir nun in den kommenden Wochen in der Stadt, in der Politik abschließend diskutieren wollen:

·      Das Rathaus ist ein zentraler, interessanter Ort, insbesondere für Touristen – deshalb sollte die Nutzung für Verwaltungsmitarbeiter und Oberbürgermeister keine hohe Priorität besitzen. Verwaltungsarbeit kann auch in weniger attraktiven Gebäuden erledigt werden.

·      Die Kommunale Selbstverwaltung ist ein hohes Gut. Das Rathaus heißt Rathaus und nicht Markthaus. Deshalb sollten Ratssitzungen, die Arbeit der Ratsgremien wieder im Rathaus möglich werden und sichtbar sein (Unser Ausweichquartier ist aktuell seit Frühjahr 2012 das Kreishaus)

·      Die Gastronomie im Ratskeller muss nicht zwingend erhalten werden. Die gastronomischen Angebote in Goslar sind vielfältig. Die Stadt Goslar muss dabei – wenn auch nur als Verpächter – nicht in den Wettbewerb einsteigen. Die Stadt Goslar muss – und sollte – keine Infrastruktur für Gastronomie vorhalten.

·      Goslar ist stolz auf den Titel Weltkulturerbe. Die Altstadt von Goslar hat dieses Prädikat seit 1992, das Rathaus ist dabei neben der Kaiserpfalz ein deutliches Symbol des Welterbes, die Krone der Stadt. Deshalb sollten wir das bisher in Goslar unbearbeitete Thema im Rathaus darstellen, erklären und damit im Rathaus (höchste Frequenz aller Touristen in Goslar) auf die authentischen Orte verweisen. Das heißt mit anderen Worten: Schaffung eines Welterbeinformationszentrums in diesem zentralen Ort.

·      Die Verknüpfungen zwischen Welterbe (Kultur) und Marketing (Tourismus) sind in Goslar ausbaufähig. Deshalb erscheint es sinnvoll und richtig, die Tourismusmarketinggesellschaft auch im Rathaus unterzubringen und damit Verbindungen zum Welterbeinfozentrum zu intensivieren. Goslar ist keine Stadt, die nur vom Tourismus abhängig ist, die sich nicht auf „tolle touristische Destination“ reduzieren lässt. Dafür sind wir dankbar. ABER: Der Tourismus ist ein wichtiger, wirtschaftlicher Bereich. Hier findet Wertschöpfung statt. Deshalb ist die attraktive Darstellung und die Zugänglichkeit unserer Marketinggesellschaft, des Tourismusbüros wichtig. Das Rathaus, als 1A Immobilie in der Stadt, bietet sich dafür an.

·      Die Stadt Goslar kann diese große Lösung nicht aus eigener Finanzkraft organisieren. Deshalb sind Fördermittel einzuwerben. Dies ist mit der Aufnahme in das Bundesprojekt (Nationale Projekte des Städtebaus, dies ist der alte Weltkulturerbetopf) gelungen. Mit diesen Mitteln, BKM Mitteln und städtischen Mitteln ist der Sanierungsaufwand von 8 bis 10 Millionen EUR zu schaffen.

·      Der Rathausumbau ist im guten Einvernehmen mit ICOMOS, dem Landesamt für Denkmalpflege zu organisieren. Hier steht „Demut vor dem Denkmal, Schutz des Denkmals) an der einen oder anderen Stelle im Widerstreit zu Nutzungsmöglichkeiten und Nutzungszwängen. Nach meiner festen Überzeugung erhält man Denkmal aber nur durch Nutzung und deshalb müssen auch im Hinblick auf Barrierefreiheit, Zugänglichkeit, Beleuchtungs- und Klimavorgaben Kompromisse gemacht werden (dürfen).

·      Der Umbau muss so gestaltet werden, dass mit geringem Aufwand auch mittelfristig andere Nutzungen unproblematisch dargestellt werden können, wenn sich Anforderungen/Trends an Welterbeinfozentren oder Tourismusbüro ändern. Also Flexibilität der Nutzungen schaffen.

Ich hoffe, dass es uns gelingt, im Rat eine breite Mehrheit für die konkretisierten Planungen zu organisieren. Diese werden durch das Planungsbüro Gildehaus aus Weimar in den Gremien (Lenkungsausschuss, Betriebsausschuss Gebäudemanagement, Rat) in den kommenden Wochen dargestellt und erläutert. Auch mit der Goslar Marketinggesellschaft und der Stiftung Welterbe Harz sollte ein Konsens zu erzielen sein.

Gleichzeitig hoffe ich, dass die Überlegungen bei der Bürgerschaft auf positive Resonanz stoßen und die Baustelle Rathaus jetzt endlich zu einer brummenden Baustelle werden kann.

Lasst uns aus dem Rathaus endlich wieder ein Rathaus machen und es nicht bei einem unzulänglichen Markthaus belassen.