Der mit 50.000 EUR dotierte Kaiserpfalz-Preis der Metallurgie überreicht


Redeauszüge:



 Honoriert werden herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Metallurgie. Aus unserem Leben sind die Produkte der Nichteisen-Metallurgie nicht mehr wegzudenken. Die „Tage der Metallurgie“ dokumentieren das neue Selbstvertrauen der Branche – dafür steht heute auch Goslar. Denn Selbstvertrauen ist etwas, das dieser Region bislang gefehlt hat. Eine Region, von der gern das Bild des Armen-hauses von Niedersachsen gezeichnet wird, das Epizentrum des demografischen Niedergangs Dabei haben wir allen Grund selbstbewusst in die Zukunft zu schauen: Mit dem Zukunftsvertrag und der Fusion mit Vienenburg haben wir unsere Strukturen und Finanzen in Ordnung gebracht. In diesem Jahr schaffen wir bei einem Haushaltsvolumen von ca. 95 Millionen EUR eine Investitionsquote von beachtlichen 10 Prozent. Und dieses Geld investieren wir in unsere Infrastruktur, in die Fußgängerzone, in neue Wohnquartiere wie den ehemaligen Fliegerhorst, in einen neuen Kulturmarktplatz als Umnutzung einer leerstehenden Schule, in den Ausbau von Kindergärten, in unser Welterbe. Alle diese Investitionen steigern die Attraktivität Goslars. Sowohl als Wohnstandort, denn wir dürfen uns aktuell über eine positive Bevölkerungsentwicklung freuen: Erstmals seit über zwanzig Jahren hat Goslar im letzten Jahr 200 Einwohner hinzugewonnen statt zu verlieren. Als auch als Wirtschaftsstandort, denn unserer Wirtschaft geht es gut (Arbeitsplätze/Pendler) und nach Jahren des Stillstandes können wir wieder die Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich die Unternehmen wohlfühlen, mit denen sie auch neue Mitarbeiter gewinnen können. 

 Nicht zuletzt, meine Damen und Herren, sind wir auf dem besten Weg zu einem Cluster für Metall- und Recyclingtechnologie. Die TU Clausthal, CUTEC und die weiteren Mitglieder von „Rewimet“ als Netzwerk von Partnern aus Wirtschaft, wissen-schaftlichen Einrichtungen und anderen Institutionen tragen mit ihrer geballten wissenschaftlichen und industriellen Kompetenz dazu bei, unsere Region zu einem Zentrum der modernen Metallurgie zu entwickeln, zur Rohstoffregion Harz. Denn, meine Damen und Herren, Gold und Silber liegen zwar nicht auf der Straße, das wussten damals schon die Bergleute und das ist auch heute noch so - im Harz allerdings liegen die neuen Schätze in den alten Halden und in den Bergetei-chen. Mehrere Millionen Tonnen Bergbau-Abraum lagern dort und warten darauf, dass man ihnen die darin enthaltenen selte-nen Metalle abgewinnt. Altlasten von einst sind also heute attraktive Sekundärroh-stoffe. Die Schatzsuche am Bollrich hatte Ende letzten Jahres bun-desweit für ein riesiges mediales Interesse gesorgt, als über mehrere Wochen Probebohrungen liefen, um die Lagerstätte zu charakterisieren und Material für Aufbereitungsuntersu-chungen zu gewinnen. Und wenn die dpa aus den vermuteten 1,5 Tonnen Gold sa-ge und schreibe 1,5 Millionen Gold gemacht hat, weil sie beim Abschreiben in die Zeile vom Schwerspat gerutscht war, dann wäre selbst dies eigentlich nur eine Zugabe. Denn den Forschern aus Clausthal geht um etwas anderes: 100 Tonnen Indium, 180 Tonnen Gallium, 1000 Tonnen Kobalt und weitere wirtschaftsstrategische Metallen sollen nach den Analysen in den Schlämmen lagern, die in der Halbleiter-technik für Smartphones, Flachbildschirme oder in der Photovoltaik genutzt werden. Beim Indium soll es sich sogar um eines der weltweit größten Vorkommen handeln - etwa ein Sechstel der Weltjahresproduktion. Material mit einem Wert von 350 bis 500 Millionen Euro wird in den Teichen vermutet. Allesamt Reststoffe der Erzaufbe-reitung des 1988 stillgelegten Bergwerks Rammelsberg. 

AUFWERTUNG DES MUSEUMS AM RAMMELSBERG

 Und vielleicht könnte man dieses neue Kapitel auch im Rammelsberg sichtbar machen, eine Art Showroom schaffen, der den jährlich über 100.000 Museumsbesuchern diese ein-zigartige Bedeutung des Berges über die Jahrhunderte und seine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufzeigt. Historischer Bergbau - Museum, Besucherbergwerk, Unesco-Weltkulturerbe - und jetzt Rohstoffquelle: Der Rammelsberg schreibt seine Erfolgsgeschichte fort, der Kreis schließt sich. Und so könnte der Berg, der zusammen mit den Unterharzer Metallhütten in den 1950er Jahren über 4.000 Menschen -Arbeit geboten hatte, heute für neue hochwertige Arbeitsplät-ze sorgen. Mit 4,2 Millionen Euro Fördermitteln wird ein Sekundärroh-stoffzentrum entstehen, in dem neue Verfahren zur Gewinnung der seltenen Metalle aus den Bergbaurückständen ent-wickelt werden sollen. Die beteiligten Unternehmen steuern noch einmal 2,1 Mio. Euro dazu. Bis zu 350 Arbeitsplätze könnten entstehen - das ist eine riesige Chance für die Region, eine tolle Entwicklung und das wollen wir als Stadt Goslar sehr gern unterstützen. Denn diese alte Bergbauregion hat Zukunft. Wir wollen uns nicht zum Freizeitpark umwandeln und nur mit schönen Landschaften und Tourismus punkten. Sondern hier werden weiter Industriearbeitsplätze sein und neue entstehen. All dies sind Aussichten, die uns positiv in die nächsten Jahre blicken lassen. 

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