Der Harz wird Regiopolregion

EIN-HARZ Initiative benötigt institutionellen Rahmen

Im Zuge der bis heute anhaltenden Diskussion um die notwendigen Veränderungen der Kommunal-strukturen in Süd- und Ostniedersachsen habe ich bereits im Januar 2014 eine neue Variante ins Gespräch gebracht - einen vereinigten Harz.

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Zugespitzt zwar, doch mit einem echten Verflechtungsraum als konzeptionellen Untergrund, hieß es seinerzeit in meinem “Zwischenruf”:

 

„Wenn die Zerschlagung von Landkreisen zur Debatte steht, wieso also nicht den großen Wurf wagen und den Landkreis Goslar mit Teilen der Nachbarkreise Nordhausen in Thüringen und Teilen des Landkreises Harz in Sachsen-Anhalt fusionieren und so einen Großkreis Harz entstehen lassen. Dieser, gemeinsam vermarktet, gemeinsam entwickelt und gemeinsam die wirtschaftlichen Chancen nutzend und nicht an rückwärtsgewandten Neiddebatten orientiert, das erscheint mir im Jahr 25 der Wiedervereinigung eine zumindest diskussionswürdige Idee.“

Anknüpfend an das gewaltige Echo aus der kommunalen Familie und den Medien fand im März 2014 ein erstes Treffen von über 30 Kommunalvertretern in Goslar/Hahnenklee statt. Unter der Überschrift „Eine Utopie zum Frühstück“ wurde über den Harz als Einheit diskutiert. Es wurde dabei klar, dass alle Kommunen im Harz, verteilt auf fünf Landkreise (Mansfeld-Südharz, Osterode am Harz (bis 31.10.2016, dann Landkreis Göttingen), Harz, Goslar und Nordhausen), in den Bundesländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auch nach 25 Jahren Wiedervereinigung eine Randlage in den einzelnen Bundesländern einnehmen. Landkreise, Städte und Gemeinden kooperieren noch nicht ausreichend und haben gerade im Hinblick auf die einschneidende demographische Entwicklung, die überproportionale Abhängigkeit vom Tourismus und eine unzureichende verkehrliche Erschließung ähnliche Herausforderungen. 

Nach dem Auftakttreffen hat sich die „Ein Harz“-Initiative – um die Motoren Goslar, Nordhausen, Osterode am Harz, Sangerhausen und Wernigerode – sehr schnell verstetigt und einen nicht geahnten Prozess vorangebracht.

Die Runde der Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte – jeweils mit ca. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus allen drei Ländern und fünf Landkreisen – trafen sich im Juni 2014 in Nordhausen, im September 2014 in Wernigerode,  im Februar 2015 in Sangerhausen sowie aktuell im Mai 2015 in Osterode. 

Daneben wurden Arbeitsgruppen zu den Themen Wirtschaft, Verkehr, Bildung, Image und institutionelle Rahmenbedingungen gebildet. Diese Arbeitsgruppen tagten mehrfach, insbesondere auch unter Beteiligung der jeweiligen Wirtschaftsförderungsgesellschaften, der Hochschulen in Clausthal, Nordhausen und Wernigerode, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern sowie von Tourismusmarketinggesellschaften. Der gemeinsame Vorstoß für einen vierspurigen Harzring ist dabei die wohl bekannteste Initiative, die neben den Ministerpräsidenten der drei Bundesländer auch an fast vierzig Abgeordnete aus Landtagen und Bundestag sowie natürlich an den Bundesverkehrsminister gerichtet war,.

Die Initiative „Ein Harz“ ist sich einig, zwingend einen institutionellen Rahmen für die zukünftige weitere Arbeit zu schaffen. Nach Prüfung verschiedener Rechtsforme (u. a. Zweckverband oder GmbH-Struktur) wird vorgeschlagen, eine „Regiopolregion Harz“ zu gründen.

Regiopolregion - Begriff

Regiopole und Regiopolregionen sind Begrifflichkeiten, die seit 2006 in Stadtplanung und Raumordnung Einzug gehalten haben.

Als Regiopole werden Städte außerhalb sogenannter Metropolregionen, d. h. außerhalb stark verdichteter Ballungsräume von Großstädten, bezeichnet, die einen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Mittelpunkt darstellen und als regionale Entwicklungsmotoren dienen.

Regiopolregionen sind meist die Regionen und Verflechtungsräume, die eine solche Stadt umgeben. Dieser Verflechtungsraum ist frei von politischen, geografischen oder administrativen Grenzen. Er richtet sich eher nach der Lebenswirklichkeit der Bewohner, z. B. regelmäßigen Pendelstrecken, einer gemeinsamen Identität und auf die Städte verteilte überörtliche Versorgungsangebote im Bereich Kultur, Bildung, Sport, Handel und Gesundheit.

 Eine Regiopole - zumeist auch ein Oberzentrum - erfüllt folgende Kriterien:

·     mind. 100.000 Einwohner (Kernstadt o. gesamter Verbund)                          

·     gute Erreichbarkeit von anderen Regionen                                                   

·     gut ausgebaute Infrastruktur                                                                             

·     Knotenpunkt zwischen Metropolregionen                                                      

·     wirtschaftliche Bedeutung, Standort von international tätigen

Unternehmen                                                                                                       

·     Standort einer Universität oder großen Fachhochschule                           

·     konzentriertes Innovationspotenzial                                                                

Mögliche Regiopolregionen

Quelle: in Anlehnung an http://de.wikipedia.org/wiki/Regiopole#/media/File:M%C3%B6gliche_Regiopolen_Deutschland.jpg

 Bisher bestehende Regiopolregionen

 

  • Rostock
  • Regensburg
  • Paderborn
  • Bielefeld (in     Gründung)
  • Harz (in     Gründung)


Motivation für die Gründung einer Regiopolregion:

Vorteile einer Regiopolregion sind:

  • Förderung von Kooperationen, Vernetzungen und gemeinsam agierenden Strukturen     zwischen den Regionspartnern
  • Einwerben von Landesmitteln und Fördergeldern      speziell für die „Regiopolregion Harz“
  • Einwerben von Europäischen Förderungen aufgrund      neuer Handlungsbündnisse
  • Steigerung der Ausstrahlungs- und      Anziehungskraft der Region
  • institutionelle Form interkommunaler      Zusammenarbeit
  • abgestimmte, räumlich übergreifende Planungen      und Entwicklungen und unmittelbare Kooperationen in der      Aufgabenerledigung (Verzahnung und gegenseitige Kooperation, Doppelstrukturen      vermeiden)

 

  • Handlungsraum schaffen, in dem Projekte über administrative     Grenzen hinweg angegangen, in Interkommunaler Zusammenarbeit initiiert und     im partnerschaftlichen Schulterschluss ohne Rücksicht auf kommunale     Grenzen und Ländergrenzen umgesetzt werden
  • den Harz als qualitativ hochwertigen Lebens- und Wirtschaftsraum noch     stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, insbesondere bei möglichen     Investoren, jungen Familien und Fachkräften

 

  • länderübergreifende Strukturen bilden, die sich regionalen Herausforderungen (Demografie,     Image, Infrastruktureinrichtungen, Verkehr, Arbeit, Tourismus, Energie) gemeinsam     stellen und Potenziale für eine erfolgreiche Regionalentwicklung mit Hilfe     eines Vernetzungsansatzes erschließen
  • inhaltliche und konzeptionelle     Weiterentwicklung des Regiopolen-Ansatzes zu einem Konzept für die Regionalentwicklung des Harzes

 

  • Entwicklungsmotor für eine neue regionale Identität und positive     Außenwirkung
  • Erfahrungs- und Informationsaustausch

 

  • Wahrnehmung auf regionaler, nationaler und internationaler     Ebene verbessern

Die Mitgliedschaft in der „Regiopolregion Harz“ schließt die Mitgliedschaft und Teilhabe in anderen Regionsverbünden, insbesondere Metropolregionen, nicht aus. Besonders für Kommunen, denen ein Zugang zu bereits bestehenden Metropolregionen aus geografischen Gründen verwehrt wurde, ist die Teilhabe an der „Regiopolregion Harz“ besonders interessant.

Im Hinblick auf die Kommunen im Landkreis Goslar ist offensichtlich, dass der Landkreis Goslar nur ansatzweise vom Zentrum der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg berührt wird. Mit insgesamt 13 Landkreisen und 34 Städten als Mitglieder im Verein „Kommunen der Metropolregion“ sind die in der Randlage liegenden Städte und Landkreise zu weit weg, um von den Synergien einer – viel zu großen – Metropolregion optimal profitieren zu können.

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Metropolregion_Hannover-Braunschweig-G%C3%B6ttingen-Wolfsburg#/media/File:Metropolregionhabsg%C3%B6.jpg

Und auch die Kommunen der Landkreise Harz und Mansfeld-Südharz profitieren - bedingt durch die Entfernung zu den Kernstädten der Metropolregion - nur unzureichend von den Verdichtungsräumen.

Bedingt durch die Entfernung zu den Kernstädten der Metropolregion „Mitteldeutschland“ profitieren sie – besonders nach dem Austritt des nächstgelegenen Oberzentrums Magdeburg – kaum spürbar von der dortigen dynamischen Städteentwicklung.

Aus diesem Grund ist die Teilhabe an einer von der Struktur kleineren und den besonderen Gegebenheiten angepassten „Regiopolregion Harz“ für die Kommunen interessant.

Quelle: in Anlehnung an MDR.DE/ Metropolregion Mitteldeutschland

 „Regiopolregion Harz“

 Die geplante „Regiopolregion Harz“ stellt in ihrem länderübergreifenden Konzept eine herausragende und bisher einmalige Erweiterung des üblichen Konzepts dar.

Die „Regiopolregion Harz“ beschreibt nicht den Raum um ein Oberzentrum als Regiopole herum, sondern bezeichnet den Verbund der Mitgliedskommunen, die sich untereinander in ihren jeweiligen Teilfunktionen eines Oberzentrums ergänzen und gemeinsam auch die Kriterien für eine Regiopole erfüllen. Dabei kommt den Städten als Mittelzentren mit oberzentralen Teilfunktionen folgende Bedeutung zu:

  • alle Gründungspartner nehmen innerhalb ihres     Bundeslandes eine Randlage ein und profitieren nur unzureichend von Metropolregionen     und angrenzenden Oberzentren

 

  • allein die Kernstädte Goslar, Nordhausen,     Osterode am Harz, Sangerhausen und Wernigerode haben zusammen ca. 175.000     Einwohner; bei Einbeziehung der gesamten Landkreise ergibt sich eine     Gesamteinwohnerzahl von etwa 665.000 Menschen
  • mit der A7 im Westen, der A38 im Süden, der A72     im Osten und der A395 und B6 im Norden ist die Harzregion aus allen     Richtungen gut angebunden

 

  • die Harzregion liegt zentral zwischen den Metropolregionen     Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg, Berlin-Brandenburg,     Mitteldeutschland, Nürnberg und Frankfurt-Rhein-Main
  • mit international tätigen Unternehmen (z.B. in Goslar     H.C. Starck GmbH,in Clausthal-Zellerfeld Sympatec GmbH, in Osterode am Harz die Firmen Sigma-Christ Laborzentrifugen und Kodak, in Nordhausen das „Industriegebiet Goldene Aue“) ist die Regiopolregion Harz auch wirtschaftlich von Bedeutung

 

  • in der Technischen Universität     Clausthal (4.877 Studierende im     Wintersemester 2014/15), der Fachhochschule Nordhausen (ca. 2.500     Studierende im Wintersemester 2013/14) und der Hochschule Harz in     Wernigerode (3.218 Studierende im Wintersemester 2012/13) entwickelt sich     ein stetig wachsendes wissenschaftliches und wirtschaftliches Potenzial
  • eine „Regiopolregion Harz“ bietet die Chance, das     für den Harz zentrale Thema Tourismus noch effektiver zu entwickeln und     auszubauen

 

  • eine länderübergreifend, abgestimmte     Regionalplanung ist zwingend erforderlich und kann im Rahmen der     Regiopolregion verankert werden


 

Gedanken zur Struktur


Die „Regiopolregion Harz“ wird von einer Vereinsstruktur getragen. Vereinsmitglieder sollten alle interessierten Kommunen der Harzregion sein. Darüber hinaus sind auch Vereinsmitglieder außerhalb der kommunalen Familie denkbar.

Für eine zielgerichtete und bedarfsgerechte Projektarbeit werden folgende Organe eingerichtet:

  • Lenkungsausschuss

 

  • legt Leitlinien, Ziele und Projekte fest
  • Mitglieder sind alle Hauptverwaltungsbeamte der      Mitgliedskommunen
  • evtl. ein bis zwei Wirtschaftsvertreter
  • trifft sich mindestens 2-mal im Jahr
  • Steuerungskreis

 

  • gewählt durch den Lenkungsausschuss
  • je zwei Vertreter aus einem Bundesland
  • benennt einen Sprecher, der die „Regiopolregion      Harz“ repräsentiert
  • Facharbeitsgruppen

 

  • projektbezogene Zusammensetzung
  • Umsetzung der gefassten Ziele
  • Geschäftsstelle mit Sitz in Goslar

 

  • operatives Umsetzen von Strategien und Konzepten
  • regelmäßige Berichte an den Lenkungsausschuss
  • organisiert Sitzungen der Facharbeitsgruppen,      des Lenkungsausschusses und des Steuerungskreises
  • Kooperation mit anderen Netzwerken,      Regiopolregionen
  • Einwerbung öffentlicher und privater Mittel

 

Finanzierung

Finanziert werden könnte das Projekt über Mitgliedsbeiträge. Grundgedanke ist dabei ein niederschwelliger Mitgliedsbeitrag für die beteiligten Kommunen. Die „Regiopolregion Harz“ hat die Möglichkeit Landes- und EU-Fördermittel einzuwerben. Ferner sind Sponsoren, insbesondere aus der Wirtschaft, zu gewinnen.