Bericht aus der Mitteldeutschen Zeitung zur Fusionsdebatte

GOSLAR/QUEDLINBURG/MZ

Mit seinem Vorschlag zur Bildung eines „Großkreises Harz“ sorgt Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk für Unruhe. Junk reagiert mit seinem überraschenden Vorstoß auf die seit Jahren laufende Gebietsreform-Diskussion in Niedersachsen. „Wenn die Zerschlagung von Landkreisen zur Debatte steht, wieso also nicht den großen Wurf wagen und den Landkreis Goslar mit Teilen der Nachbarkreise Nordhausen in Thüringen und Harz in Sachsen-Anhalt fusionieren und so einen Großkreis Harz entstehen lassen?“, fragt der Goslarer Oberbürgermeister provokativ. „Dieser, gemeinsam vermarktet, gemeinsam entwickelt und gemeinsam die wirtschaftlichen Chancen nutzend und nicht an rückwärtsgewandten Neiddebatten orientiert, das erscheint mir im Jahr 25 der Wiedervereinigung eine zumindest diskussionswürdige Idee.“

Alte Landkreise würden auseinandergerissen

Diskussionswürdig vor allem deshalb, weil Junk die Fusion nicht nur über Ländergrenzen hinweg betreiben will - Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wären mit im Boot -, sondern auch, weil dieses Projekt die alten Landkreise auseinanderreißen würde. So würden nach den Plänen des Goslarer Oberbürgermeisters zwar Wernigerode, Harzgerode, Thale, Blankenburg und Ballenstedt zum Großkreis gehören. Halberstadt, Quedlinburg oder Osterwieck wären aber draußen. Was mit diesen Fragmenten werden würde, lässt Junk offen.

Zerschlagung des Landkreises Helmstedt

Klar ist dagegen, woher Junks Idee prinzipiell kommt. In Niedersachsen sind dem Landkreis Goslar bis auf Salzgitter im Norden mögliche Fusionspartner abhanden gekommen. „Die niedersächsische Diskussion orientiert sich derzeit weg vom Landkreis Goslar - hin zu einer Zerschlagung des Landkreises Helmstedt und damit zu einer Stärkung der Nachbarn Wolfenbüttel, Braunschweig und Wolfsburg. Damit wäre der Landkreis Goslar, nach der klaren Orientierung Osterodes nach Göttingen, auf Salzgitter als Partner beschränkt.“

In Salzgitter beobachtet man Junks Bestrebungen skeptisch, aber zurückhaltend. „Es gibt einen klaren Auftrag des Stadtrates an die Verwaltung, einen künftigen Weg für Salzgitter zu suchen“, sagt Stadtsprecher Norbert Uhde auf MZ-Anfrage. „Oberbürgermeister Frank Klingebiel hat die benachbarten Städte und Landkreise angeschrieben, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen können.“

Landkreis Harz soll bestehen bleiben

Den Landkreis Harz zu Gunsten eines Großkreises auseinanderreißen? Davon hält der Harzer Landrat Martin Skiebe nichts: „Der Landkreis Harz ist eine Einheit und soll es auch bleiben.“ Ansonsten gibt sich Skiebe gesprächsbereit: „Die Kreisgebietsreform in Niedersachsen bleibt einer Entscheidung in diesem Bundesland vorbehalten. Unabhängig davon wird der Landkreis Harz alle Initiativen unterstützen, die die Region voranbringen.“ Wer eine Zusammenarbeit „in vielen Sachfragen“ wolle, müsse aber nicht „zwangsläufig an eine Korrektur von Verwaltungsgrenzen“ denken. Also: Absage an den Großkreis.

Oliver Junkpresse, goslar