“Herzenssache Goslar” - Barbara Trumpfheller

“Herzenssache Goslar” - das Format macht mir Spaß. Woche für Woche berichte ich in meinem Blog über meine aktuellen Herzenssachen.

Und weil in den vergangenen Wochen meine “Herzenssache ODEON” im Internet so viel positive Resonanz erfahren hat, habe ich heute über die Goslarsche Zeitung einen Schwung als Printausgabe verteilen lassen. 

Ich bin auf die Resonanz angespannt; vielleicht in Zukunft öfter mal …. 

Meine “Herzenssache” möchte ich heute aber nicht dem ODEON, sondern Frau Barbara Trumpfheller widmen.

Gestern wurde im Großen Heiligen Kreuz Barbara Trumpfheller nach 38 Jahren segensreicher Arbeit für den Hospizverein Christopherus Haus e.V. offiziell verabschiedet. 

Und kann es einen passenderen Ort dafür geben als dieses Große Heilige Kreuz? Denn der Hospiz-Gedanke wurzelt im mittelalterlichen Hospitalwesen. Hospitäler waren nicht - wie wir es vielleicht aus dem heutigen Sprachgebrauch rückschließen wollen - in erster Linie Einrichtungen der Krankenpflege, sondern „Gasthäuser“ (hospes=Gast) für alle diejenigen, die aus den unterschiedlichsten Gründen hilfebedürftig waren: Bettler und Pilger, Waisen und alte Menschen. 

Für alle, die keine Angehörigen hatten, die Krankenpflege und Altenfürsorge leisteten sorgten Kirchen, Klöster, Bruderschaften und zunehmend ab dem 13. Jh. die Städte, vornehmlich in Institutionen wie den Hospitälern als sozial- karitative Einrichtungen. In Goslar sind bis zum Ende des Mittelalters zehn Hospitalgründungen nachweisbar. Das Große Heilige Kreuz, als eines von heute fünf noch als Gebäude erhaltenen, zeugt also von solcher Fürsorge. 

Und diese Fürsorge, das „für andere sorgen“ hat auch das Wirken von Barbara Trumpfheller bestimmt. Ihr haben wir es zu verdanken, dass es das Hospiz hier in Goslar gibt. 

Ich durfte das Haus 2012 kurz nach meinem Amtsantritt im Zusammenhang mit dem damals zehnjährigen Bestehen kennenlernen und war tief beeindruckt von den freundlichen Räumlichkeiten und der angenehmen Atmosphäre, die dort herrscht. Für ihr Hospiz hat Frau Trumpfheller lange gekämpft.

Als gelernte Krankenschwester kam sie schon als junger Mensch in Berührung mit Schwerkranken und Sterbenden und so entstand bei ihr bereits früh der Wunsch, ein Hospiz zu gründen. 

Auch später dann als Leiterin des Alten- und Pflegeheimes Krugwiese war sie viele Jahre in der Sterbebegleitung engagiert.

Im Jahr 1981 hat Barbara Trumpfheller mit dem Christophorus-Haus e.V. den ersten Hospizverein Deutschlands gegründet. 

Die Hospizarbeit begann mit der ambulanten Betreuung und Begleitung der Pflegebedürftigen zuhause in ihrem gewohnten Umfeld. Dies wird auch heute noch vorrangig praktiziert, da es das Anliegen der Hospizbewegung ist und auch der Wunsch der meisten Patienten. Der Gedanke, ein Hospiz zu bauen, hat Frau Trumpfheller allerdings nie losgelassen. Der Weg bis zur Einrichtung eines ehrenamtlich geführten stationären Hospizes war lang und steinig, aber sie hat den Plan hartnäckig und mit selbstlosem Einsatz verfolgt. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich der Satz: „Für revolutionäre Ideen ist Goslar ein schweres Pflaster. Man braucht einen langen Atem, wenn man – ohne Kompensationsgeschäfte – Ziele erreichen möchte.“ Annelies Tschupke hatte mit diesem Satz im Jahre 2009 ihre Laudatio auf Frau Trumpfheller bei der Verleihung des Karl-Wiehenkel-Preises begonnen.

Barbara Trumpfheller hat einen langen Atem bewiesen und unermüdlich gekämpft. Sie hat Rückschläge hingenommen und sich nie entmutigen lassen. Nur dank der unermüdlichen Bereitschaft Frau Trumpfhellers, das Privatvermögen einzubringen, konnte im Jahr 2002 endlich das Goslarer Hospiz in dieser wunderschönen Umgebung gebaut werden. 

Im Januar 2003 nahm es seinen Betrieb auf. Damit erfüllte sie sich einen Lebenswunsch. 

Frau Trumpfheller war selbst ehrenamtlich im Einsatz, um Sterbenden, Schwerkranken und deren Angehörigen beizustehen und leistete Trauerarbeit in den Familien. Sie zeichnet sich durch besonderes Einfühlungsvermögen und großes Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Gästen und Angehörigen aus. 

Das hat auch Landrat Thomas Brych in einer sehr eindrucksvollen und persönlichen Rede im Großen Heiligen Kreuz zum Ausdruck gebracht.

Solche Eigenschaften kann  man nicht erlernen kann, sondern sind einem gegeben. Es stehen Hospizhelferinnen und –helfer zur Seite, die Frau Trumpfheller auch regelmäßig ausbildete. Diese Ausbildung lag ihr sehr am Herzen. 

Der Tod bleibt oft ein Tabuthema. Viele sind unsicher, wie sie mit Menschen umgehen sollten, die in Trauer sind, haben Berührungsängste und meiden vielleicht den Kontakt. Dabei gehören Leben und Tod doch zusammen. Man könnte sagen: „Leben mit dem Tod“ – das tun wir doch alle! Dennoch lassen wir uns vieles einfallen, um unsere eigene Endlichkeit zu vergessen. Es ist schwer, einzusehen, dass das Leben zu Ende geht. Und dieses Ende kann ein langer Prozess sein, der mit körperlichem und seelischem Leid verbunden ist. Die Betroffenen und ihre Angehörigen sind hier besonders auf Hilfe und Unterstützung erfahrenen, mitfühlenden Betreuerinnen und Betreuern angewiesen. 

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Dabei wissen diejenigen, die viel Zeit für die Begleitung aufbringen, dass sie auch selbst dabei etwas gewinnen. Barbara Trumpfheller machte die Erfahrung, dass Begegnungen mit Schwerstkranken häufig von Aufrichtigkeit und Nähe geprägt sind. Gleichwohl ist es eine anspruchsvolle und schwierige Aufgabe, die Kraft kostet und die Anerkennung verdient. 

Die Leistung von Frau Trumpfheller, gemeinsam mit allen Helferinnen und Helfern ist von unschätzbarem Wert für die Menschen, die auf diese Angebote angewiesen sind. Aber auch für uns alle ist es gut zu wissen, dass es diese Form der Unterstützung und des Rückhalts in unserer Stadt gibt. In den 1980er Jahren war der Hospizgedanke etwas völlig Neues. Frau Trumpfheller hat ihn dennoch trotz aller Schwierigkeiten nach Goslar gebracht und die Goslarer nehmen das Hospiz an. Auch in der Region ist es eine feste Institution geworden. 

Dem besonderen Engagement von Barbara Trumpfheller über die Jahrzehnte ist es zu verdanken, dass das Hospiz zu einer festen Institution in der Region geworden ist und schon viele Bürgerinnen und Bürger davon profitieren konnten. 

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Deshalb war es im Rahmen ihrer offiziellen Verabschiedung angezeigt, dass Goslar Frau Trumpfheller auch etwas zurückgibt. Und mit großer Freude und großer Dankbarkeit durfte ich ihr deshalb gestern die Ehrennadel der Stadt Goslar verleihen.

Nach den Richtlinien für die Verleihung kann die Ehrennadel an Persönlichkeiten verliehen werden, die das allgemeine Wohl der Stadt oder ihrer Bürgerinnen und Bürger durch besondere Leistungen gefördert haben. Und genau das trifft auf Frau Trumpfheller zu. 

Ich habe große Hochachtung, dass Frau Trumpfheller und alle in diesem Bereich ehrenamtlich Tätigen sich den mit der Hospizarbeit verbundenen Aufgaben stellen und mithelfen, das Sterben menschlich und in Würde zu gestalten. 

Herzlichen Dank an Frau Trumpfheller und ihr Team, dem ich für die weitere Hospizarbeit viel Kraft und Stärke wünsche, den Menschen die Last des Abschiednehmens ein wenig zu erleichtern und sie nicht allein zu lassen.

Meine #Herzenssache #Goslar: Frau Barbara Trumpfheller

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Oliver Junk