Herzenssache Goslar: Christine Hochreuter

Wer meine „Herzenssachen“ regelmäßig liest, der weiß wohl schon, dass ich Fan des Hotels Villa Saxer in der Mauerstraße bin. Ein echter Gewinn für unsere Stadt!

 

Und auch ein persönlicher Gewinn für mich. Nun benötige ich in Goslar kein Hotelzimmer, aber hin und wieder finde ich Zeit, um in der Villa Saxer zu frühstücken. Die Wurst von einem meiner Lieblingsschlachter Claus Brennecke gemeinsam mit dem Rührei hat besonderes Lob verdient!

 

Als Stammgast möchte ich mich zwar nicht bezeichnen, aber ich kenne einen Frühstücksstammgast im Hotel Villa Saxer. 

 

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Christine Hochreuter! 

 

Und deshalb war es ganz naheliegend, dass ich mich dort zu meinem „Herzenssache-Interview“ mit ihr getroffen habe. 

 

Es war ihr erster „Ausflug“ nach einem längeren Klinikaufenthalt. Und ich bin richtig froh darüber, dass Frau Hochreuter wieder auf die Beine gekommen ist. Sie startet unser Frühstück sehr erfrischend mit folgenden Worten:

 

„Ich war richtig krank. Mein Kopf war so leer. Ich wusste noch nicht einmal mehr, wann die Bundesliga beginnt und wann der FC Bayern spielt. Dass man nicht weiß, wieviel Geld man im Geldbeutel hat, ist normal, aber so etwas vergisst man doch nicht.“

 

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Frau Hochreuter wurde in Nürnberg geboren und ist in Mittelfranken groß geworden. 1963 ist sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern nach Goslar umgezogen. Sie hatte ein Haus von ihren Großeltern in der Tappenstraße geerbt. In diesem Haus wohnt sie bis heute. Ihr Ehemann war bei der AOK in Braunschweig beschäftigt und Frau Hochreuter selbst startete ihren beruflichen Neuanfang nach der Kinderzeit 1969 in einer Buchhandlung in Goslar. Dann wechselte sie 1972 zur Stadt und arbeitete dort in verschiedenen Abteilungen bis 1998.

 

„Die schönste Zeit war bei Herrn Stelle im Bereich der Liegenschaften!“, erzählt sie mir und berichtet, dass zu dieser Zeit auch eine wunderbare Freundschaft zu Wiebke Debes entstanden ist, die bis heute hält. Auch meinen Kollegen Andi Klose erwähnt sie. „Wir konnten gerade auch nach der Grenzöffnungszeit 1989/1990 so viel bewegen und so viel erleben in der Stadt Goslar!“, berichtet Frau Hochreuter. 

 

Sie erinnert sich an die Grenzöffnung. Ihr Mann war nach langer Krankheit am 18.12.1989 gestorben. „Es war schön, dass er die Grenzöffnung noch erleben durfte. Er war der glücklichste Mensch der Welt, als ihn die ersten DDR-Bürger an der Grenze begrüßt haben!“ 

 

Nach ihrem Ausscheiden als städtische Mitarbeiterin engagierte sie sich u. a. in der CDU und wurde 2001 in den Rat der Stadt gewählt. Diesem gehörte sie eine Ratsperiode an. Gerade die Kultur war ihr wichtig. „In der CDU war das damals nicht so ein wichtiges Thema. Da hat man nur einen Heiligenschein über das ODEON gehängt, mehr war da nicht“, sagt sie und lächelt. 

 

„Ich wäre gerne länger dabei geblieben“, räumt sie ein. „Aber die Männer haben die Ellenbogen ausgefahren und mich von aussichtsreichen Listenplätzen verdrängt.“ 

 

An dieser Stelle bitte ich alle Leser um Verständnis, dass ich die Fortsetzung der Gedanken von Frau Hochreuter mal bei mir behalte…….

 

Christine Hochreuter fand allerdings Erfüllung auch in anderen Bereichen der ehrenamtlichen Arbeit. Sie engagierte sich zum Beispiel massiv in der Seniorenvertretung und zwar im Zeitraum 2006 bis 2015. 

 

Genau an der Stelle habe ich sie auch kennengelernt. Das Büro der Seniorenvertretung war nämlich nach meinem Amtsantritt im heutigen Büro des Ersten Stadtrats Burkhard Siebert und – beinahe Zimmer an Zimmer – tauschte ich mich deshalb gelegentlich mit Frau Hochreuter aus; am Liebsten zum Thema Fußball, denn Frau Hochreuter ist ein echter Bayern-Fan. Und dieser Verein ist so meine „Herzenssache“ überhaupt nicht. (Mit Werder immer Sieger und so!!! #lebenslanggrünweiß)

 

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Nach der schönsten ehrenamtlichen Tätigkeit befragt antwortet Christine Hochreuter schnell: „Die Arbeit im Vorstand des Frauenhauses war das Schönste: Keine Ellenbogen und echte, wirksame Hilfeleistung für Frauen und Kinder!“

 

„Ich habe mich immer engagiert. Schon für die Elternvertretung in der Schule konnte ich nicht „Nein“ sagen“, so Hochreuter. „Christa macht des schoa!“, war der Satz in Bayern.

 

Mich fasziniert Frau Hochreuter, insbesondere ihre Leidenschaft für das Thema Fußball. Und weil mich der FC Bayern überhaupt nicht fasziniert, musste ich sie natürlich fragen, wie man als Fränkin FC Bayern Fan werden kann! „Als Fränkin ist man doch Clubberer, oder?“, frage ich. „Und als in Goslar reingeschmeckter Oberfranke ist man auch keiner Werder-Fan“, antwortet sie. „Nur weil es alle machen, muss man es ja nicht machen“, ergänzt sie. Und so war sie in Franken mit ihrer Bayern-Leidenschaft schon Exotin; aber sie war auch oft mit ihrem Vater bei den Fürthern… Jedenfalls hat sie nach dem Tod ihres Ehemannes – gegen das „Alleinsein“ – einen FC Bayern Fanclub gegründet. 1993 war das. Viele Besuche im Olympia-Stadion wurden organisiert. 

 

Belit Onay war mit seinem Vater oft dabei“, erzählt sie. Einig sind wir uns. Ein sympathischer Kerl, ein toller Botschafter unserer Stadt, ein engagierter Landtagsabgeordneter und natürlich schauen wir auch gespannt auf seine OB-Kandidatur in Hannover. 

 

Politisch ticken Frau Hochreuter und ich ähnlich. Wir mögen die braunen Zeitgenossen überhaupt nicht und wir beide sind leidenschaftliche Fans von Angela Merkel. „Ohne Merkel wäre die CDU heute überhaupt nicht mehr so stark, das sollten viele alte Männer mal nicht vergessen! Merkel nötigt mir allerhöchsten Respekt ab. Das alles so durchzustehen – auch gegen die Männer“, sagt Hochreuter. 

 

„Und was kann der Oberbürgermeister in Goslar besser machen?“, frage ich sie. Frau Hochreuter antwortet: „Seit es mir körperlich nicht mehr so gut geht, merke ich, wie wichtig das Thema Barrierefreiheit ist. Wieviel Unsicherheit und Ängste schon kleine Wege auslösen. Geländer, Pflaster, Treppenstufen – wir müssen in Goslar das Thema im Hinblick auf die alternde Bevölkerung stärker betrachten.“ Besonders gefällt ihr die Fliegerhorstentwicklung. „15 Jahre war doch nur Gerede, jetzt geht es richtig voran. Und immer wenn ich Besuch habe, zeige ich den Fliegerhorst zuerst.“

 

Ich hätte gerne noch ein wenig geplaudert mit ihr. Aber leider gab es mein Terminkalender nicht her, das Frühstück auszudehnen.

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„Ich mag die Politik, Fußball und ab und zu einen Kuchen backen“, sagt Frau Hochreuter.

Ich freue mich, sie wiederzusehen. Vielleicht beim Kaisermahl am Freitag? Ganz sicher aber im Rahmen der Kaisserringverleihung am Samstag.

 

Herzenssache Goslar: Christine Hochreuter.

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