Herzenssache Goslar: Dirk Walter

Wir kennen sie alle, die großen Fussballtrainer wie Ernst Happel, Erich Ribbeck, Udo Lattek, Otmar Hitzfeld – nicht zu vergessen Otto Rehagel. 

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Foto: Uwe Epping


Aber auch bei uns in Goslar gibt es große Trainer. 

Und insbesondere nach seinen Erfolgen in der vergangenen Saison mit dem SV Rammelsberg gehört Dirk Walter ganz sicher dazu.

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Zeit für eine „Herzenssache“ meine ich. Und bestimmt auch deshalb, weil Dirk Walter nicht nur ein erfolgreicher Trainer, sondern ein wirklich sehr sympathischer Typ ist.

 Die meisten Fußballaffinen sitzen - so wie ich - entweder vor dem Fernseher bzw. im Stadion. Dann gibt es noch die mit Talent oder höherem Ehrgeiz, die stehen  selbst auf dem Spielfeld. Die Aufgabe als Trainer oder Schiedsrichter wird seltener übernommen.

 

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Foto: Uwe Epping

Woran liegt das? 

 

Wie ist Dirk Walter überhaupt dazu gekommen, Trainer zu werden?

 Ich habe ihn vor dem jüngsten Heimspiel gegen die 2. Mannschaft aus Wolfenbüttel befragt und ihm vor dem Spiel ein wenig über die Schulter schauen dürfen.

 Er berichtete mir, dass er in seinen Jugendmannschaften nahezu immer auch das Amt des Mannschaftsführers innehatte. Deshalb war er zwingend im Austausch mit dem Trainer zum Thema Taktik und Aufstellung.

 Und genau das setzte sich dann auch als Spieler im Herrenbereich fort. 

 Und so hat Dirk Walter nach seiner aktiven Zeit Lust auf die Aufgabe als Trainer bekommen, erst für den Jugendbereich, später dann für die Herren.

„Wie sah denn so Ihr sportlicher Werdegang und der Einstieg in Ihre Trainerkarriere aus?“ war meine nächste Frage.

 

„Im Jahr 1966 (damals war ich 8 und der Kleinste) hatte ich mein erstes Spiel in St. Andreasberg und wir verloren 0:26 in 2 x 20 Minuten! Puh, dachte ich, das muss besser werden und so war es. In meinem zweiten Spiel - das wir nur 0:9 gegen den SV Lautenthal verloren hatten - war ich derjenige, der jeden Einwurf, Freistoß und Eckball ausführen durfte. Diese Situation prägte meine ganze Fußballerkarriere und so kam es wie es kommen musste: 1996 wurde ich Spielertrainer in Seesen bei meiner ersten Trainerstation.“ so Walter.

Zwischen seinen Antworten beobachtet Dirk Walter seine Spieler beim Aufwärmen und studiert nochmal die Aufstellung des Gegners aus Wolfenbüttel.

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Ob es immer so zugeht vor einem Heimspiel, möchte ich wissen. Walter berichtet, dass sich die Mannschaft schon 90 Minuten vor dem Spiel trifft. Zusammensitzen, ein wenig plaudern, dann das Briefing zum Spiel, Mannschaftsaufstellung, Warmmachen. Aufstellung und Taktik macht er nicht allein, sagt Walter, denn schließlich habe er die „Fussballerweisheit ja auch nicht mit Löffeln gefressen“ – auch das Training gestaltet ein Trainerteam. 

 

„Eine Mannschaft auf diesem Niveau kann man nicht allein trainieren. Mit Marcel Herbst habe ich einen super Co-Trainer, der mich in der täglichen Arbeit entlastet!“ sagt Walter.

 

Aber pro Woche kommen schnell 15 Stunden zusammen. Es ist ja nicht allein das Training, sondern die inhaltliche Vorbereitung einer Trainingseinheit, die Spielanalysen, die Einzelgespräche mit den Spielern und die Abstimmung mit dem Betreuerteam, den Trainern der 2. Mannschaft und die Absprachen mit den Vereinsverantwortlichen für den folgenden Spieltag. 

 „Und es gibt fast jede Woche eine Überraschung, für die eine Lösung gefunden werden muss!“ schmunzelt Walter.

 Viel Zeit für andere Hobbies bleibt da nicht und Dirk Walter ist deshalb dankbar dafür, dass seine Frau Rosemarie die Fussballverrücktheit erträgt.

 Soll aber noch mehr gleichgerichtete Interessen des Ehepaares geben…… Rosemarie und Dirk Walter arbeiten nämlich beide dafür, dass die Wirtschaft im Land funktioniert. Dirk Walter im Wirtschaftsministerium in Hannover, Rosemarie Walter bei der Stadt Goslar als Leiterin der Abteilung Wirtschaftsförderung. Auch nicht immer leicht, Freizeit und Beruf unter einen Hut zu bringen. 

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Zurück zum Fussball. Warum war nun Dirk Walter in der Vorsaison mit dem SV Rammelsberg so erfolgreich? 

Dirk Walter antwortet wie folgt: „ Als Trainer ist man mehr als ein Übungsleiter. Ich versuche - wenn die Jungs es zulassen - Werte zu vermitteln. Kameradschaft, Wille, Ehrgeiz und Respekt stehen für mich an erster Stelle und das versuche ich vorzuleben. Ehrlich, das gelingt mir mal sehr gut und manchmal sind die Widerstände so groß, dass es besser ist sich nicht zu verbeißen!“


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Es scheint zu funktionieren. Denn auch das Heimspiel gegen Wolfenbüttel II gewinnt Walters Mannschaft, vielleicht nach dem Verlauf der 1. Halbzeit etwas glücklich, mit 1:0. Der SV Rammelsberg hat nun schon zwei Heimsiege in der neuen Saison eingefahren und steht auf dem 6. Tabellenplatz.

 

Aber als Trainer ist man noch mehr. Da hilft Dirk Walter auch mal bei Bewerbungen, ist Ansprechpartner für privaten Kummer oder berufliche Sorgen.

 

„Das gehört dazu! Aber meine Jungs beim SV Rammelsberg sind echt klasse. Eine super Mannschaft, super Jungs!“ Und Walter erklärt mir, dass das Gefüge der Mannschaft stimmt. Es wird eben kein Geld bezahlt. 

 

Und auf die Niederlage gegen den GSC angesprochen sagt Walter, dass die Niederlage in der Liga und auch im Pokal gegen den GSC heilsam war. „Das erdet nach der Aufstiegseuphorie beim SV Rammelsberg!“.

 

Dirk Walter ist gerne Trainer am Trebnitzer Platz. Das ist zu spüren. Und er war nach seiner erfolgreichen Arbeit beim FC Othfresen eigentlich schon in Fußballrente. 

 

Aber meine städtischen Verwaltungskollegen Andreas Zimmer und Felix Görtz sowie Rainer Kurs haben Dirk Walter überzeugt, dass er der richtige Trainer zu dieser Zeit für den SV Rammeisberg war und ist. 

 

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„Da es keine intakte Mannschaft gab, gab es auch kein Potential und genau das war die Herausforderung, die mich reizte, das Traineramt beim SV Rammeisberg zu übernehmen!“ so Walter. 

Auf meine Frage, welchen großen Club -  BVB, FC Bayern, Werder, Barcelona Manchester United, er gerne mal trainieren würde, überrascht mich die Antwort nicht:

 

„ Natürlich den SV Werder Bremen. Ein Club mit wahnsinnigem Ehrgeiz, viel Akribie und großer Bodenständigkeit. Meine Frau und ich sind Vereinsmitglieder und Dauerkarteninhaber. Auch bin ich Mitglied in einem besonderen Fanclub: dem „Grün-Weiß Leineschloß“ und habe regelmäßig Kontakt zur Vereinsführung vom SVW!“

 
Dirk Walter drängelt. Er will jetzt vor dem Spiel wieder zur Mannschaft, aber ihm ist wichtig zu sagen, dass er Trainer in einem super Verein ist: 

 „Wenn ich zur Sportanlage am Trebnitzer Platz komme und sehe, wie dieser Verein lebt. Alle im Verein, die Verantwortlichen, die Spieler, ob Groß oder Klein, der Platzwart und die Fans sorgen mit ihrer Art für ein tolles Gefühl. Der SV Rammeisberg ist sprichwörtlich der Prototyp eines Arbeitervereins, sympathisch, bodenständig und ehrlich. Hier fühle ich mich wohl.“

Nur noch 15 Minuten vor dem Anpfiff muss ich jetzt zum Schluss kommen. Aber mich interessiert natürlich schon, ob es Situationen gibt, wo Sie einem Ihrer Spieler am liebsten den Ball wegnehmen und selbst kicken würden?

 

Walter antwortet wie folgt: „Ja, natürlich. Aber seien wir mal ehrlich, der Fußball ist mit den Jahren immer dynamischer geworden und im Vordergrund steht doch das offensive Spiel. Ich dagegen war ja eher immer nur der klassische Spielmacher, der zwar Tore schießen konnte, aber meine Aufgabe war es, ein Spiel zu lenken mit allen fairen und unfairen Mitteln. So etwas gibt es heute nicht mehr und das ist auch gut so.!“

 

Bei Walters ist auch Fussball zu Hause ein Thema, besser formuliert: Es gibt im Leben von Dirk Walter keine fußballfreie Zone. 

„Es richtet sich alles danach. Ich kann froh sein, dass meine Frau diese Fußballverrücktheit größtenteils mit mir teilt und mich immer unterstützt. Aber manchmal ist es auch ihr zu viel!“ räumt Dirk Walter ein.

 

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Ich beobachte Dirk Walter im Anschluss während des Spiels. Ganz sicher kein Trainer wie Ernst Happel, der rauchend ganz ruhig auf der Trainerbank sitzt. Da sind schon ordentlich Emotionen im Spiel und deutliche, laute Ansagen an seine eigenen Spieler. Da spielt und geht einer mit über 90 Minuten, wenn auch nur in der eigenen Coaching – Zone….

 

Lieber Dirk Walter, vielen Dank, dass ich so dicht dran sein durfte. Glückwunsch zum Heimsieg – Herzenssache Goslar: Der Erfolgstrainer Dirk Walter. 

 

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 Foto: Uwe Epping

 











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