Herzenssache Goslar: Der Ortsbrandmeister Olaf Laue

In wenigen Tagen wird Olaf Laue als Ortsbrandmeister verabschiedet. Er stand in den vergangenen 18 Jahren, seit 2001, an der Spitze von fast 300 Feuerwehrleuten – gestandene Kameradinnen und Kameraden haben unter Olaf Laue den aktiven Dienst verlassen, junge Nachwuchskräfte sind nachgerückt.

 Das ist großen Dank und Anerkennung, das ist mir eine echte „Herzenssache“ wert.  Ich habe mich deshalb dieser Tage mit ihm getroffen und habe Olaf Laue befragt. 

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Warum geben Sie Ihr Amt ab? Warum haben Sie es über viele Jahre so motiviert ausgefüllt?

 

Olaf Laue hat mir verraten, dass er im Alter von 13 Jahren 1982 in die Feuerwehr eingetreten ist. Zunächst in Oker, denn da gab es zum damaligen Zeitpunkt schon eine Jugendfeuerwehr.

 

1984 wechselte Olaf Laue dann in die Ortsfeuerwehr Goslar.

 

Außerhalb der Feuerwehrwelt startete Olaf Laue seine Lehre bei Riedel und Neumann zum Radio und Fernsehtechniker, so hieß das damals. 

 

Es schloss sich eine Ausbildung als Rettungssanitäter an. Seit 1992 ist er Mitarbeiter der Leitstelle und bildete sich weiter zum Rettungsassistenten und Rettungsmeister.

 

In all den Jahren seines ausfüllenden Berufes ist Olaf Laue der Feuerwehrwehr treu geblieben.

Seit 1985 absolvierte er eine Vielzahl von Lehrgängen, angefangen beim Grundlehrgang über Sprechfunker, Atemschutz und Maschinist bis hin zu Truppführer-, Gruppen- und Zugführer, Führer von Verbänden, Leiter einer Feuerwehr und Einführung in die Stabsarbeit.

 

Und über drei Amtszeiten war Olaf Laue Chef der Ortsfeuerwehr Goslar.

Bild: Uwe Epping - vielen Dank dafür.

Bild: Uwe Epping - vielen Dank dafür.

Eine große Verantwortung für den abwehrenden Brandschutz einer 50.000 Einwohner großen Stadt. Und das bei über 300 Einsätzen im Jahr – insgesamt sollen es in Olaf Laues Amtszeit mehr als 6.000 Einsätze gewesen sein, die die Ortsfeuerwehr zum Wohle der Bevölkerung abarbeiten konnte.

Ich möchte nochmal sehr deutlich machen: Es gibt kleinere Städte, ich wage zum Beispiel den Blick in die Nachbarstädte Wernigerode oder Nordhausen, die sich auf ein System von Berufsfeuerwehren stützen. Die kommunale Pflichtaufgabe „Brandschutz“ lässt die Stadt Goslar bis heute rein ehrenamtlich organisieren, in aktuell elf Ortsfeuerwehren. 

 

Dabei ist die Ortsfeuerwehr Goslar die größte Feuerwehr des Stadtgebietes, ja auch des Landkreises. Sie umfasst zwei Löschzüge, einen Rüstzug, eine Gefahrgutgruppe und 100 aktive Mitglieder in der Einsatzabteilung. Darüber hinaus gehören zur Ortsfeuerwehr noch ein Spielmannszug, ein Musikzug, eine Jugendfeuerwehr und 100 Mitglieder in der Altersabteilung. 


 

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Aber nach dieser Auflistung hält Olaf Laue inne und sagt: „Ich schaue aber durchaus mit Respekt auf alle kleineren Feuerwehren in den Ortsteilen! Und ich bin dankbar dafür, dass ich auch an der Fusion der Feuerwehren mit der Städtefusion Goslar-Vienenburg mitarbeiten durfte. Und es war richtig, dass wir zunächst sehr schnell Ausrüstung und Ausstattung in den neuen Ortsteilen nachgebessert haben und dafür etwas langsamer bei diesen Themen in den Goslarer Wehren weitergearbeitet haben.“

 

Was waren die Meilensteine, die größten Erfolge, in Olaf Laues Amtszeit?

 

Olaf Laue sagt zu mir sehr bescheiden: „Ich hoffe, nicht zu viele Fehler gemacht zu haben!“

 

Also wage ich selbst den Versuch einer Antwort:

 

Es ist Olaf Laue gelungen, das Ehrenamt, die Truppenstärke der Wehr stabil zu halten. Das war und ist keine einfache Aufgabe. Der Blick in den Landkreis Goslar und das Nachbarland Sachsen-Anhalt beweisen, dass viele freiwillige Ortsfeuerwehren ganz erhebliche Sorgen haben, hinreichendes ehrenamtliches Personal zu finden.

 

Ein Erfolg Laues ist sicher auch die permanente Anpassung und Verbesserung von Einsatztaktik, der Ausbildung, der Ausstattung und der Technik.In Laues Amtszeit wurden insgesamt sieben Fahrzeuge beschafft: zwei Drehleitern, ein Tanklöschfahrzeug, drei Löschgruppenfahrzeuge und ein Einsatzleitwagen.

 

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Des Weiteren hat Olaf Laue auch die Gründung eines Fördervereins der Feuerwehr Goslar maßgeblich mit organisiert. Dieser Gründung ist es zu verdanken, dass die Feuerwehr Goslar heute in vielen Bereichen durch den Förderverein unterstützt wird. Beispielsweise konnte dank des Fördervereins ein Kommandowagen für den Brandmeister vom Dienst (BvD) eingeführt werden, der vorher mit seinem Privatwagen ohne Blaulichtfunktion und somit ohne Sonderrechte zu den Einsätzen gefahren war.

 

Ich könnte weitere Themen nennen: Stärkung und Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit, Umbau und Weiterentwicklung der Zentrale des Feuerwehrhauses Goslar, des Stabsführungsraumes und der Atemschutzwerkstatt.

Vielleicht darf ich aber auch die Einführung von Kindergeburtstagen im Feuerwehrhaus Goslar nennen. Die mittlerweile bis auf Bundesebene ausgezeichnete Einrichtung hat das Ansehen der Feuerwehr in der Bevölkerung sehr positiv beeinflusst und trägt sicherlich mit dazu bei, die Kinder immer wieder aufs Neue für die Feuerwehr zu begeistern und so letztendlich für den so nötigen Nachwuchs zu sorgen.

 

Olaf Laue hat die Schwerpunktfeuerwehr Goslar in der Größe eines mittelständischen Unternehmens in den letzten 18 Jahren geführt. Da ist man nahezu 365 Tage im Jahr im Einsatz. Das ist kein Ehrenamt, das man so nebenbei betreibt.

 

Und dabei bleibt natürlich nicht viel Zeit für „weitere“ Hobbies. Gibt es die überhaupt?

Olaf Laue antwortet, dass die Feuerwehr ein mehr als ausfüllendes Hobby ist. Daneben Reisen, vielmehr war nicht drin. 

 

Ist das ein Grund, warum Olaf Laue freiwillig als Ortsbrandmeister aus dem Amt ausscheidet?

 

„Natürlich!“ sagt Olaf Laue. „Nach 18 Jahren muss man sich auch mal die Frage stellen, ob nicht einmal ein anderer ran muss und sollte. Und es ist doch nicht schlecht, wenn auch mal neue und andere Ansichten in den Vordergrund rücken. Mit Udo Löprich steht auch gerade jetzt ein motivierter Nachfolger bereit. Und ich freue mich auch darauf, etwas mehr für mich selbst tun zu können!“ „Z. B. Sport!“ fügt Laue mit einem Schmunzeln an.

 

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Und was waren nun die härtesten, schwierigsten, stärksten in Erinnerung gebliebenen Einsätze oder Eindrücke Ihrer Amtszeit, fragte ich Olaf Laue.

 

Olaf Laue muss nicht lang überlegen. Er erinnert an den Brand in der Bäringerstraße im Februar 2002. An einem sehr kalten Sonntag war er mit Ulrich Kohl der erste am Ort. Ein Haus brannte. Zwei Kinder im Alter von 6 Monaten und 4 Jahren starben in den Flammen.

 

Seit dieser Zeit werden auch solche Einsätze professioneller nachbereitet. Kameradinnen und Kameraden müssen ihre Erfahrungen auch verarbeiten und verkraften können.

 

„Einsätze in der Altstadt sind immer besonders schwierig!“ sagt Laue und betont, dass auch „kleinere“ Einsätze viele Schicksale offenbar machen. Oft grübelte er Zuhause über das Erfahrene nach. 

 

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„Verkehrsunfälle gehören auch dazu, etwa ein Verkehrsunfall 2008 zwischen Goslar und Vienenburg. Ein 20jähriger junger Mann war mit schweren inneren Verletzungen im Fahrzeug eingeklemmt. Über eine Stunde redeten wird mit dem Verletzten und über eine Stunde benötigten wir, um den jungen Mann aus dem Fahrzeug zu befreien. Und dann ist er uns doch unter den Händen weggestorben und dann klingelte noch sein Handy und auf dem Display leuchtete als Anrufer „Mama“ auf. Das sind Grenzerfahrungen, die man sein ganzes Leben nicht vergessen wird!“ sagt Laue.

 

Ich frage Olaf Laue anders: „Was war besonders schön? Was macht sie bis heute stolz?“

 

Laue berichtet, dass erfolgreiche Einsätze immer auch aufbauen. Über Sätze wie „Das war ne Leistung!“ freut man sich immer. Er nimmt sehr wohl Anerkennung und Wertschätzung der Bevölkerung und auch der politisch Verantwortlichen in Goslar war. „Wir haben einen guten Stand in der Stadt Goslar!“ sagt Laue.

 

„Wird die ehrenamtlich organisierte Feuerwehr in Goslar so in 10 Jahren noch funktionieren?“ frage ich den ehemaligen Ortsbrandmeister. Laue antwortet durchaus kritisch: „Die Aufgaben werden komplexer. Es wird ehrenamtlich weitergehen, aber wir werden wohl gewisse Führungsämter perspektivisch hauptamtlich organisieren müssen. Er denkt an den Stadtbrandmeister, vielleicht auch der Ortsbrandmeister einer Schwerpunktfeuerwehr wie Goslar. Es fehlt schlicht und einfach Zeit für viele wichtige Aufgaben!“

 

Und was wünscht sich Olaf Laue für seine Feuerwehr in Goslar. Er spricht das Thema Neubau der Wache an. Er spricht aber auch über das Thema Feuerwehrrente: Wertschätzung für die Kameradinnen und Kameraden, Zukunftssicherung für die Feuerwehr. 

 

„Haben Sie auch Fehler gemacht in Ihrer Zeit?“ frage ich Laue. „Hoffentlich nicht zu viele in meinen Einsätzen, aber in der Führung habe ich natürlich auch Fehler gemacht. Es wäre vermessen zu sagen, ich hätte das nicht getan.“




Olaf Laue gibt das Amt des Ortsbrandmeisters mit Wehmut auf, aber er freut sich auch auf einen neuen Abschnitt. Er bleibt, wie ich inzwischen weiß, in anderer Funktion dem Stadtkommando erhalten. 

 

Es passt zu unserem gemeinsamen Kaffeetrinken, dass der Feuerwehrpieper bei Olaf Laue Alarm schlägt. Die Brandmeldeanlage bei der Firma Liszt wurde ausgelöst. Konzentriert überwacht er den Funk.

 

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Und auch die Amtsübergabe wenige Tage später passt zu Olaf Laue. Für den 03. Juli in meinem Büro war die Ernennung von Laues Nachfolger Udo Löprich als Ortsbrandmeister vorgesehen. Just an diesem Tag gab es am Vormittag einen großen Einsatz in der Breiten Straße in der Altstadt. 

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Unter anderem waren Olaf Laue, Udo Löprich – der Stadtbrandmeister Christian Hellmeier mit seinen Stellvertretern Jürgen Koch und Frank Slotta an dem Einsatz beteiligt. Deshalb haben wir die Amtsübergabe ganz spontan vor Ort am 3. Juli am Rande des Feuers in der Altstadt in der Breiten Straße ausgehändigt. Feldernennung nennt man das wohl.

 

Herzlichen Dank lieber Herr Laue für Ihre 18jährige verantwortungsvolle Tätigkeit! Vielen Dank für Ihre Arbeit für die Stadt Goslar. 

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