Herzenssache Goslar: Saadet Özdemir



„Parken, Parkplätze, Busparkplätze Kaiserpfalzquartier, Parkhaus Bolzenstraße, Parkplätze Hildesheimer Straße“ – wesentliche, ganz wichtige Themen in Goslars Stadtpolitik. Natürlich auch in der Sommerpause. Unmittelbar danach werde ich jedenfalls den Ratskollegen die verwaltungsseitigen Pläne zum Thema Parkplatz Bolzenstraße vorstellen. 

 

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Heute möchte ich aber den Blick mal auf die andere Seite lenken. Es sind meine Kolleginnen und Kollegen der Verkehrsüberwachung, namentlich meine Kollegin Saadet Özdemir.



Ich denke, die meisten von uns Autofahrern haben schon mal einen Strafzettel bekommen – und uns zumindest im ersten Moment wahnsinnig geärgert. Aber ärgern wir uns nicht genauso sehr, wenn wir keinen Parkplatz finden? Wenn alles zugeparkt ist? „Wo kommen die alle her?“, frage ich mich dann so manches Mal. Und wenn ich mir dann vorstelle, dass einige dieser Autofahrer dort unberechtigter Weise stehen, weil sie weder einen Anwohnerparkausweis noch einen Parkschein haben, ärgert mich das noch mehr. Oder wenn jemand kerngesundes sich einfach frech auf einen Behindertenparkplatz stellt. Oder wenn ein Bleifuß meint, mit 50 Sachen durch eine 30-Zone an einem Kindergarten vorbeirauschen zu müssen. 

Aber ich weiß, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Verkehrsüberwachung für Ordnung sorgen. Sie erwischen nicht alle, aber viele. Und es braucht keiner Sorge zu haben: Die Kolleginnen und Kollegen bekommen keine Fangprämien oder werden strafversetzt, wenn nicht „hinreichend viele“ Knöllchen verteilt werden.

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Ich habe mir vor dem Schützenfest Zeit genommen und durfte Verwaltungsvollzugsbeamtin Saadet Özdemir im Außendienst begleiten. Stattliche 22 Parksünder haben wir in nur zwei Stunden verwarnt. Das sind 22 Parkplätze, für die andere Autofahrer gern den Parkautomaten gefüttert hätten.

Saadet Özdemir erklärt mir die einzelnen Schritte. Oberste Regel: Die Autos werden nicht angefasst. Mit geschickten Händen wird das Knöllchen einfach unter den Scheibenwischer geschoben. Aber beginnen wir vorn. 

 

Wir steuern den ersten Parkplatz an. Zuerst wird kontrolliert, ob der Parkscheinautomat funktioniert. Anschließend werden die Autos  der Reihe nach angesteuert. Der erste Blick geht in die Frontscheibe. Liegt dort ein Parkschein und ist der auch gültig? Wenn nicht, wird zunächst das Auto umkreist. Vielleicht ist der Schein zur Seite gerutscht. Ist nichts zu sehen, kommt die Technik zum Einsatz. Das Kennzeichen wird gescannt und abgeglichen, ob Fahrer oder Fahrerin via Handyparken einen digitalen Parkschein gelöst hat. Hat er das nicht, gibt es eine Verwarnung. Zunächst geht der Blick noch einmal zum Parkscheinautomaten. Vielleicht füttert der Fahrer ihn gerade mit Kleingeld. Das ist aber oftmals nicht der Fall, also weiter. Zur Beweisführung werden das Kennzeichen und die Frontscheibe bzw. das Armaturenbrett fotografiert. Bei der Stadt Goslar können Parksünder dank eines QR-Codes auf dem gelben Knöllchen das Verwarngeld direkt überweisen und müssen nicht auf den schriftlichen Bußgeldbescheid warten. Dazu muss Saadet Özdemir den QR-Code mit dem entsprechenden Verstoß verknüpfen. Der QR-Code wird daher gescannt, bevor sie den Zettel fachmännisch unter den Scheibenwischer schiebt.

Saadet Özdemir ist da sehr human. Ist auf dem Anwohnerparkausweis das Gültigkeitsdatum nicht zu erkennen, weil er zum Beispiel nach unten gerutscht ist, stellt sie nicht gleich eine Verwarnung aus. Stattdessen wird im System gesucht und die Gültigkeit überprüft. Ich wette, das ist nicht in allen Städten so. Deshalb ist Saadet Özdemir auch gegen eine Prämie für ausgestellte Strafzettel. „Da verdiene ich lieber ein paar Euro weniger, aber behandle die Menschen vernünftig“, erklärt sie. Sie möchte menschlich bleiben. Finde ich gut.

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Saadet Özdemirs Vater wanderte 1963 aus der Türkei ein und arbeitet bei H.C. Starck. Sie wurde in Goslar geboren und wuchs in Oker auf. Ihren Ehemann habe sie nach Deutschland importiert, scherzt sie. 15 Jahre arbeitete sie als Groß- und Außenhandelskauffrau, bevor sie sich erfolgreich bei der Stadt bewarb. „Das ist für mich ein Geschenk, das sind sechs Richtige“, sagt sie. Von ihren drei Geschwistern arbeitet eine Schwester ebenfalls bei der Stadt Goslar. Wir sind eben ein guter Arbeitgeber.

„Man braucht ein bisschen Fingerspitzengefühl“, hatte Saadet Özdemir zu Beginn gesagt und sie zeigt auch bei unserer gemeinsamen Tour so manches Mal, was sie meint. Jemand parkt im Halteverbot und sitzt im Auto. Statt ihn sofort zu verdonnern, ist Aufklärung angesagt. Hier dürfe er um diese Zeit nicht stehen, möge doch bitte wegfahren. Gesagt getan, alle sind zufrieden. Autofahrer sollen die Ladezonen nicht zuparken, damit die Lieferanten eine Chance haben, ihre Waren auszuliefern. Denen nützt es mehr, wenn jemand wegfährt als wenn er sich angegriffen fühlt, auf Konfrontation geht und lieber ein Bußgeld kassiert statt sein Auto umzusetzen. Aber sie kennt ihre Pappenheimer. Wer ständig im Haltverbot parkt und uneinsichtig ist, wird ohne Umschweife zur Kasse gebeten.

„Mir macht das Spaß, wenn man das so sagen darf.“ Natürlich meint sie damit nicht, Strafzettel zu verteilen, sondern die Arbeit insgesamt. „Wir machen das ja nicht, um jemanden zu ärgern.“ Was sie besonders an ihrem Job mag? Eigentlich alles. Sie arbeitet mit Menschen, ist dicht am Bürger, kommt gut mit allen klar und ihr Vorgesetzter ist auch klasse. Als sachlich, so vernünftig und weise beschreibt sie Fachdienstleiter Wolfgang Müller. „Die Wertschätzung der Vorgesetzten ist da.“ Und man bewegt sich viel, ist viel an der frischen Luft. Was im Sommer, Frühling oder Herbst natürlich schöner ist als im Winter.

Abenddienste werden zu zweit verrichtet, ansonsten sind unsere Verwaltungsvollzugsbeamten im Bereich Straßenverkehr allein unterwegs. Saadet Özdemit ist bekannt wie ein bunter Hund – und beliebt. Die Leute strahlen und grüßen freundlich. Und dass, obwohl einige von ihnen schon öfter einen Strafzettel von ihr bekommen haben. Wie man in den Wald hineinruft… 

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Auf ihren Touren achtet Saadet Özdemir auch darauf, ob Straßenmusiker regelmäßig den Standort wechseln oder greift ein, wenn jemand seinen Kaugummi einfach auf den Fußweg spuckt statt in den Mülleimer. Der Fokus liegt aber auf der Verkehrsüberwachung. Zu den Aufgaben gehört aber nicht nur, Parksünder zu verwarnen. Auch der fließende Verkehr wird überwacht. Sprich: Blitzen steht ebenfalls auf dem Programm, wenngleich Saadet Özdemir lieber den direkten Kontakt zum Bürger hat. Und das macht sie richtig gut. Regeln durchsetzen und dabei freundlich und menschlich handeln, das ist das richtige Rezept. Das tut nicht nur unserer Stadtkasse gut, sondern auch unserer Stadtgesellschaft. 

 

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