Herzenssache Goslar: Boule am Kahnteich

 


Mir ist inzwischen klar, dass es zwischen „Boule“ und „Petanque“ einen Unterschied gibt; aber unter „Boule“ kann sich jeder etwas vorstellen und deshalb bleibe ich mal dabei.

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Gemeint ist jedenfalls dieses französische Spiel, bei dem Metallkugeln so nah wie möglich an eine Zielkugel gespielt werden. Gemeint ist das Spiel, dass in Frankreich an ganz vielen öffentlichen Orten in den Sommermonaten rund um die Uhr gespielt wird.

Die ersten Boule-Spieler in Deutschland waren französische Soldaten, die nach dem Krieg nicht nur Pastis und Gauloises mitbrachten. Und als die Deutschen dann endlich Geld für Frankreich-Urlaube hatten, wollten viele Urlauber die liebste französische Freizeitbeschäftigung und das französische Lebensgefühl mit in den Koffer packen und nach Hause bringen……..

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Es stimmt auch: Die Menschen sind bei diesem Spiel irgendwie anders, französischer. Man übt sich in Geduld, ist entspannt und vergnügt. Jeder ist willkommen.

Und Boule können wir inzwischen seit 2013 auch an einem sehr schönen Ort in Goslar spielen.

Ich erzähle gerne die Geschichte:

Armin Nitsche, der ehemalige Ratskollege und inzwischen sehr stark engagiert in der Seniorenvertretung der Stadt Goslar, ist einer dieser eifrigen Boule-Spieler im Stadtgebiet.

Er berichtete mir vor ein paar Tagen, dass er vor Jahren immer in Bad Harzburg gespielt hat. Wie er zu diesem Sport und dieser Freizeitbeschäftigung überhaupt gekommen ist, habe ich ihn leider nicht gefragt. Das werde ich nochmal nachschieben……..

Nachdem Armin Nitsche im Rahmen der Kommunalwahlen 2011 in den Rat der Stadt Goslar gewählt wurde, brachte er sehr schnell den Vorschlag ein, auch eine Boule-Bahn in Goslar zu errichten.

Gemeinsam mit der Verwaltung suchte er nach einem geeigneten Ort und stellte dann gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen der CDU-Ratsfraktion den Antrag, eine Boulebahn am Kahnteich zu bauen.

Und wenn heute beim Blick auf die wunderschöne Anlage geglaubt wird, alle Kolleginnen und Kollegen des Rates seien damals begeistert „Dafür!“ gewesen, täuscht man sich.

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Wie leider zu oft in der Kommunalpolitik (auch in Goslar!) geht es nicht um die beste Idee. Vielmehr rückt in den Vordergrund, wer eine Idee (gleichgültig von wem sie wann geboren wurde) mit welcher politischer Mehrheit durchsetzt. Eigentlich sollte sich mal ein Ratskollege in Goslar die Arbeit machen und rausknobeln, welche Ratsanträge von Mehrheiten abgelehnt wurden, um sie ein Jahr später mit leichten redaktionellen Änderungen selbst einzubringen….

Zurück zum Thema: Armin Nitsche hielt trotz Kritik („Seniorenspielplatz“, „falscher Ort in den historischen Wallanlagen“, „Wer zahlt den Rückbau, wenn Armin Nitsche keine Lust mehr auf Boule hat!“ „Wir haben kein Geld!“) an seiner Initiative fest.

Und er stellte auch klar, dass er keine finanzielle Unterstützung durch die Stadt Goslar für den Bau erhalten wollte, sondern allein die Genehmigung. Die  Kosten wollte er selbst durch privates Engagement übernehmen. 

Das ist ihm auch gelungen, denn Armin Nitsche organisierte Sponsoren und private Spenden. Und er hatte eifrige Mitstreiter wie Moritz Schwarz und Hartmut Prüssner für seine Idee gewonnen. Uwe Schwenke de Wall übernahm die Tiefbauarbeiten. Schon 2013 konnte so die erste Boule-Bahn am Kahnteich realisiert werden.

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2014 erfolgte dann die Vereinsgründung: Boule-Freunde Goslar e. V. heißt der Verein mit heute 22 Mitgliedern. Erster Vorsitzender ist inzwischen Ulrich Heinemann, Zweiter Vorsitzender Armin Nitsche. 


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2014 erfolgte aber nicht nur die Vereinsgründung, sondern auch eine zweite Bahn wurde durch eine private Spende („Frau Ulla“) ermöglicht.

 Der Verein machte und macht es sich aber weiter am Kahnteich schick. Ausgemusterte Bänke wurden vom Betriebshof besorgt, in Ordnung gebracht, gestrichen und an der Boule-Bahn aufgestellt. Im Umfeld wird regelmäßig der Rasen gemäht, es hübsch gemacht. Ein toller Kommunikationsort ist es geworden am Kahnteich. Und es ist – allen Unkenrufen zum Trotz – immer was Los an den Boule-Bahnen .

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Insbesondere Mittwochs und an Wochenenden sind viele Spielerinnen und Spieler anzutreffen.

Und es wird nicht nur fleissig geübt, sondern auch erfolgreich gespielt.

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Seit 2016 ist der Verein mit zwei Mannschaften in der Niedersächsischen Patanque-Liga unterwegs. Eine Mannschaft hat sechs Spieler. Die Erste Mannschaft spielt immerhin Bezirksoberliga. 

Dieser Tage habe ich die Boule-Freunde am Kahnteich besucht und auch gefragt, was denn aktuell Wunsch oder Bitte an die Stadt Goslar sei.

Armin Nitsche und Ulrich Heinemann berichteten mir, dass der Verein in Goslar gerne auch größere Turniere ausrichten möchte. Dazu benötigt der Verein 12 Bahnen, die 15 x 3 Meter groß sein müssen.  Nitsche und Heinemann haben dabei an das Osterfeld gedacht, denn mit dem Lindenhof wäre auch die weitere erforderliche Infrastruktur für einen Turnier-Tag vorhanden. 

Mit Unterstützung der Stadt könnte hier mit einfachen Mitteln und überschaubaren Kosten eine solche Fläche hergerichtet werden. Vielleicht finden sich Kolleginnen und Kollegen in Rat und Verwaltung, die den Vorschlag unterstützen…….



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 Ich sage herzlichen Dank den Boule-Freunden und insbesondere dem Initiator Armin Nitsche. Schließlich ist durch das Vereinsengagement ein lebendiger Ort in den historischen Wallanlagen entstanden. Und damit erhalten wir auch das, was die Wallanlagen schon im 19. Jahrhundert auszeichnete: Ein heiterer Ort für Freizeit und Erholung in der Stadt Goslar.

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