Unsere Landwirte

Bienensterben, Klimaschutz, Plastik in den Weltmeeren – die großen Umweltthemen gewinnen seit Jahren an Kraft und Bedeutung. Und besonders sympathisch ist es, dass sich gerade die Jugend in diesen gesellschaftlichen Diskurs motiviert einbringt. Das gefällt mir. 

Bild: “Die Rapsstreifen in voller Blüte. Daneben Weizen, am Kloster Grauhof.

Bild: “Die Rapsstreifen in voller Blüte. Daneben Weizen, am Kloster Grauhof.

Kleine Veränderungen vor Ort sind dabei genauso wichtig wie die „großen“ Effekte aus Brüssel und Berlin. 

Und für Artenvielfalt und Insektenschutz kann jeder ganz viel selbst tun, z. B. indem wir unsere eigenen Vorgärten nicht betonieren oder so oft wie möglich das Auto stehenlassen und mit dem Fahrrad zur Arbeit und zum Einkaufen fahren. 

Auch die Kommune, die Stadt Goslar, hat viele Möglichkeiten. Und die nutzen wir. Gerade gestern habe ich für die Stadt Goslar ein Schulwaldprojekt in Vienenburg unterstützt, indem wir für die Stiftung Wald ein Grundstück zur Verfügung gestellt haben. Und gerade gestern haben wir  auf dem Dach unseres Bus-Depots eine Photovoltaikanlage installiert. Wir werden unsere Stadtwerke-Gebäude in der Stapelner Straße in Zukunft zuerst mit unserem eigenen grünen Strom versorgen und die überschüssige Energie in das Netz der Harz-Energie geben. Beispielgebend vielleicht auch für andere Unternehmen in der Baßgeige. 

Bild: Streifenanbau aus der Vogelperspektive

Bild: Streifenanbau aus der Vogelperspektive

Und auch im Bereich unserer Landwirtschaft hat die Stadt Goslar Möglichkeiten, denn schließlich verpachtet die Stadt Goslar viele Hundert Hektar Wiesen- und Ackerflächen an die heimischen Landwirte. Wie die Landwirte ihre Felder bestellen – ökologisch oder konventionell – das haben wir bisher nicht in unseren Pachtverträgen festgeschrieben. Vielleicht ändern wir das in der Zukunft? 

Ich freue mich deshalb sehr darüber, dass die heimische Landwirtschaft die Initiative ergriffen hat und sich aus eigener Initiative heraus darüber Gedanken macht, wie die Artenvielfalt erhöht werden kann. Ein namentlicher Dank gilt dabei Dr. Gunnar Breustedt, den Initiator des Projekts. 

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Dankeschön aber auch an Konrad Görg (Gut Grauhof) sowie Günther Heuer und Martin Kowalewsky (Gut Wöltingerode) für die Kooperation. 

Die Felder im Ackerbau werden seit Jahrzehnten stetig größer, um Produktionskosten zu senken. Die Ackerlandschaft wird auf diese Weise eintöniger. Viele Arten, deren Überleben von einer klein strukturierten Feldflur abhängen, werden seltener und die Artenvielfalt sinkt. 

Mit finanzieller Unterstützung der Stadt wird deshalb analysiert, ob die kleinräumige Abwechslung von Weizen und Raps in alternierenden Streifen (ca. 24 bis 36 m breit) auf einem Feld die Artenvielfalt erhöhen kann. Durch die kleinräumige Abwechslung von Raps und Weizen wird erwartet, dass die Insekten- und Vogelartendichte höher ist als in reinen Raps- oder Weizenfeldern, weil den Tieren kleinräumig zwei unterschiedliche Biotope zur Verfügung stehen, zwischen denen sie innerhalb des Tages oder innerhalb der unterschiedlichen Wachstumsphasen der Kulturen schnell wechseln können. 

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Bisher war ein solcher Anbau wegen der Mehrkosten selbst in Förderprogrammen nicht realistisch. Mit automatischen Satelliten gestützten Lenksystemen, die sich seit einigen Jahren immer stärker in der Landwirtschaft durchsetzen, kann Streifenanbau mit deutlich geringeren Zusatzkosten umgesetzt werden als früher. Diese Systeme ermöglichen die zentimetergenaue und dadurch kostengünstige Anlage von rechteckigen Teilflächen in einem großen Acker. 

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In einem interdisziplinären Projekt von Agrarökologen und Agrarökonomen sollen Äcker und Ackerränder auf Praxisbetrieben mit und ohne Streifenanbau auf die Artenvielfalt bei Insekten und Vögeln sowie auf Funktionen wie die biologische Schädlingsbekämpfung und Bestäubung verglichen werden. Zudem werden Insektizidspritzungen, Ertrag und Produktionskosten erhoben. Kooperationspartner bei diesem Projekt sind die Uni Göttingen, die genannten heimischen Landwirte und die Stadt Goslar. Insektenzählungen werden im Rahmen von Masterarbeiten von Göttinger Studierenden durchgeführt. Auch die Firma Cargill leistet einen finanziellen Beitrag. 

Am Montag wurde dieses Projekt der Landwirtschaftsministerin und Landtagsabgeordneten vorgestellt.

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Aus einem Vergleich der Kosten und des Umweltnutzens soll abgeschätzt werden, ob praxisgerechte Agrarumweltprogramme für den Streifenanbau sinnvoll konzipiert und Empfehlungen über den Streifenanbau für die Landwirte formuliert werden können. Dieses Projekt zeigt, dass Hochtechnologie in der Landwirtschaft die Artenvielfalt fördern kann. 

Digitalisierung und innovative Technologien helfen für eine umweltverträgliche Landwirtschaft, die ihren Beitrag zur Sicherung der Welternährung leistet. Als produktionsintegrierte Maßnahme hat dieses Anbausystem den Vorteil, keine wesentlichen Einflüsse auf den Ertrag erwarten zu lassen. Im Gegensatz zu extensiveren Formen der Bewirtschaftung oder Flächenstilllegung leistet dieses System weiterhin seinen Beitrag zur Ernährungssicherung bei höherer Umweltverträglichkeit. 

 Als Versuchsflächen sind nicht unbedingt komplette Felder notwendig, es kommen auch hinreichend große Teilflächen eines Feldes in Frage. 

Und nach der Vorstudie, die jüngst gestartet wurde geht es weiter: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt für die nächste Aussaat im August 2019 eine größere Studie zum Streifenanbau mit 70.000 Euro. In diesem Rahmen sollen 15 Landwirte für den versuchsweisen Streifenanbau gewonnen werden, um statistisch belastbare Ergebnisse zur Umweltwirkung des Streifenanbaus – zumindest für ein Anbaujahr – erhalten zu können. 

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Es werden noch Landwirte für das Projekt gesucht. Bitte melden Sie sich bei Dr. Gunnar Breustedt, 0171 7732 757 oder gunnarbreustedt@gmx.de. 

Weiter Infos zum Projekt gibt es hier: 

Aktuelle Informationen zum Streifenanbau finden Sie unter: 

https://www.betriebslehre.agric-econ.uni-kiel.de/de/forschung/forschungsprojekte/streifenanbau-von-raps-und-weizenOder www.betriebslehre.agric-econ.uni-kiel.de => Forschung. 

Oder Suchmaschinen „Uni Kiel Streifenanbau“ eingeben.

Tatsache ist: Dieses Projekt und dieser Versuch sind innovativ, einmalig in Deutschland. Ich hoffe sehr, dass daraus - mit Unterstützung von Land und Bund - ein großflächiges Thema in Deutschland wird. Wir brauchen kleinere Felder und weniger Eintönigkeit auf dem Acker. Viele Tierarten, deren Überleben von einer klein strukturierten Feldflur abhängen, sind darauf angewiesen und damit wir auch!

Vielen Dank Gunnar, vielen Dank Konrad! Bitte weiter so auf diesem Weg. Herzenssache Goslar: Unsere Landwirte! 

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