Architekturwettbewerb Pfalzquartier


Ein echter Knaller. Am vergangenen Mittwoch haben wir die beiden ersten Sieger des Architekturwettbewerbs Pfalzquartier interessierten Medienvertretern vorstellen dürfen. Am 05. Juni werden wir im Beisein der beteiligten Architekten und der Preisrichter die Ideen und Pläne – gemeinsam mit den gefertigten Modellen – im Detail vorstellen und erläutern.


IMG_6124-1.jpg

 

Ich freue mich über die Diskussionen in der Stadt über die Entwürfe.

Sind sie mutig genug? Sind sie demütig genug?

Genau diese Diskussionen tun der Stadtgesellschaft gut.  Aber auch Grundsatzfragen werden in diesem Zusammenhang wieder aufgeworfen: Wer bezahlt das? Muss das sein? Ist die Stadthalle nicht viel zu klein? Ist das Hotel nicht viel zu groß?


IMG_6120-1.jpg

 

Deshalb möchte ich meinen „Herzenssachen-Blog“ heute nutzen, um an die Geschichte dieser Quartiersentwicklung zu erinnern.

Diese Geschichte ist wichtig und notwendig, um die vorgestellten Entwürfe einordnen und bewerten zu können. 

 

Der derzeitige Zustand im Hinblick auf Parkplatzsituation vor der Kaiserpfalz und die hübsch hässlichen Waschbetongebäude vor den Preußischen Kasernengebäuden (heute genutzt als Amtsgericht und Verwaltungsgebäude der Stadt Goslar) ist Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre entstanden.

Der Bundesgrenzschutz baute sich damals auf dem historischen Kasernengelände sein neues Zuhause. Die Architektur und Materialität entsprach dem Zeitgeist. Der Exerzierplatz wurde zum Parkplatz umgewandelt. Zu wenigen Menschen ist bewusst, dass die Reisebusse und PKW´s seit dieser Zeit auf dem sensiblen Stiftsareal liegen. Die Fundamente der Stiftskirche sind alle noch erhalten!

 


IMG_6122-1.jpg

Bequem ist dieser Parkplatz vor der Kaiserpfalz, mehr aber nun wirklich nicht.

Mich hat die Situation in Goslar sehr stark an die Stadt Würzburg erinnert: Dort wird die großartige Residenz von parkenden Autos und Reisbussen gestört.

Und ein ebenso städtebaulicher Missstand ist doch in Goslar vorzufinden. Reisebusse auf der Stiftskirche, PKW´s stören die Blicksituation auf die Kaiserpfalz und von der Kaiserpfalz.

 Deshalb haben wir uns aufgemacht - im Jahr 2012 war das schon - mit dem Ziel, die Kaiserpfalz von ihrer „unwürdigen Nachbarschaft“ (Prof. Stölzl) zu befreien, den städtebaulichen Missstand zu beseitigen und dabei gleichzeitig der Stadt Goslar an dieser Stelle einen positiven Impuls zu schaffen.

 Für die Stadt war es wichtig, das Pfalzquartier insgesamt zu entwickeln und eben nicht nur Filetgrundstücke mit Blick zur Kaiserpfalz zu entwickeln, um dann auf den unattraktiven Resten sitzen zu bleiben. Denn Eigentümer der zu entwickelnden Flächen ist die Stadt Goslar. Das hilft aktuell schon sehr.

IMG_6123-1.jpg

 

Aber so einen Investor für die gesamte Fläche zu finden ist nicht ganz leicht. Vertrauen braucht es von Seiten der Stadt, große Finanzkraft, einen langen Atem, Sensibilität für Weltkulturerbe und Icomos – und jede Entwicklung muss natürlich auch verträglich für die übrige Stadt sein, sich einfügen.

 Deshalb war es so gut für den Entwicklungsprozess, zunächst ECE dafür zu gewinnen, einen Vorschlag zur Nutzung zu machen und damit diese Fläche ins Bewusstsein der Stadtgesellschaft und anderer Investoren zu rücken.

Und deshalb war es aber genauso richtig, eine Einzelhandelsentwicklung nicht zuzulassen. Das wäre der Tod des Einzelhandels in Goslars Altstadt gewesen. Ganz sicher.

IMG_6125.jpg

 

Aber wir haben mit dem ECE-Prozess Debatten ausgelöst und wir haben damit die Familie Tessner motiviert, über eine Entwicklung dieses Quartiers nachzudenken. Und diese Entwicklung eben nicht mit Einzelhandel, sondern mit den Themen Wohnen, Hotel, Parken und ein Museum für Zeitgenössische Kunst. Das war der seinerzeitige Vorschlag und die Fortsetzung der “ECE Debatte”.

 

Wichtig war für die Stadt Goslar sehr frühzeitig ein fachkundiges Expertenbüro für Stadtentwicklung einzuschalten, damit gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Investor eine schlüssige Nutzung erarbeitet werden kann.

 

Das ist uns wohl unstrittig gelungen. Prof. Ackers und Frau Morese aus Braunschweig begleiten uns und erarbeiteten mit Stadt und Investor das heutige Konzept: Stadthalle, Forum, Hotel und Tiefgarage.

 

Dieser Prozess war gut. So haben wir etwa festgestellt, dass für das Thema Wohnen tatsächlich die Fläche fehlt.

So haben wir weiter festgehalten, dass ein weiteres Museum für Moderne Kunst in Goslar weder notwendig noch tatsächlich gewünscht ist.

Und wir haben weiter erarbeitet, dass wir eine Multifunktionshalle dringend benötigen und dass es dabei bleiben muss, eine Tiefgarage zu bauen, die die Parkplatzsituation auf dem Stiftskirchengelände ersetzt. Diese Entscheidung und Weichenstellung hat in der Bürgerschaft – abgesehen von wenigen unmittelbar betroffenen Nachbarn –sehr, sehr breite Zustimmung erhalten.

 

Das Büro Ackers und Partner hat sodann eine Grobkonzeption für Stadthalle und Hotel erstellt (einen sog. Städtebaulichen Entwurf) und darauf aufbauend haben wir einen Architekturwettbewerb gestartet.

 

Denn wir haben festgelegt, dass wir im Rahmen unseres Prozesses Rücksicht zu nehmen haben. Rücksicht auf Denkmalschutz und Weltkulturerbe. Rücksicht auf die Nachbarn. Und Rücksicht darauf, dass die Kaiserpfalz niemals überstrahlt werden darf. 

 

Mit den vorliegenden Entwürfen ist das ganz sicher gelungen. Wir haben das Pfalzquartier wachgeküsst!

 

Wie geht es nun weiter? Am 05. Juni stellen wir die Entwürfe der Öffentlichkeit vor und diskutieren mit den beiden Siegern die Entwürfe. Ende August fällt dann im Rahmen einer weiteren Jurysitzung die Entscheidung – entweder für das Büro aus München oder aus Spanien.

 

 

77BE3FAF-3688-47E0-9BFD-F9317CFF5A12.JPG



 

?

 

 

 

Homepage Junk